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Die Klinik Wartenberg um ihren Geschäftsführer Constantin von Stechow nimmt eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Chronotypen ein.

Vorreiterrolle beim Thema Chronotypen

Nachteule oder Frühaufsteher? Klinik Wartenberg passt Dienstpläne für ihr Personal an

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Jeder Mensch tickt anders. Der eine ist nachtaktiv, bleibt lange auf – eine Nachteule quasi. Der andere geht lieber früh zu Bett und steht früher auf. Um bei Begriffen aus der Vogelwelt zu bleiben, bezeichnet man eine solche Person als Lerche. Je nachdem, welcher Chronotyp man ist – chrono kommt aus dem Griechischen und steht für Zeit – ist man zu gewissen Zeiten des Tages leistungsfähiger als zu anderen. Die Klinik Wartenberg nimmt dahingehend nun eine Vorreiterrolle ein.

Wartenberg – Bei Arbeitgebern ist das Wissen um Eulen und Lerchen noch nicht weit verbreitet. An der Klinik Wartenberg hat man es vor geraumer Zeit mit einem Projekt und einer Studie aber angepackt. Ergebnisse zu den Chronotypen des Personals liegen nun vor. Das Ziel des Ganzen: Die Mitarbeiter sollen entsprechend ihres Typs in neue Dienstpläne eingeteilt werden.

Bereits seit Ende 2018 läuft in der Klinik das Projekt „Chronobiologie in der Klinikpraxis“, bei dem Mitarbeiter für die Bedeutung des gesunden Schlafs – und welche Faktoren ihn begünstigen oder beeinträchtigen – sensibilisiert werden. Eingebettet in dieses Projekt ist die Studie „Chronotyp-orientierte Personaleinsatzplanung“, mit der ermittelt werden soll, welchen Einfluss es auf Gesundheit und Wohlbefinden hat, wenn man seine Arbeitszeiten entsprechend seinem Chronotypen gestaltet. „Die Klinik nimmt mit der Teilnahme an der Studie eine Vorreiterrolle in der Gesundheitsbranche ein“, sagt Pressesprecherin Irene Hilf.

Bluttests beim Personal

Die Teilnahme ist freiwillig. Knapp die Hälfte der Belegschaft ließ sich durch eine Blutentnahme den Chronotypen ermitteln. „Dieser ist angeboren und daher im Erbgut des Menschen hinterlegt. Die Auswertung der Blutproben erfolgte durch die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Achim Kramer von der Berliner Charité – vollständig anonymisiert, um die persönlichen Daten der Studienteilnehmer zu schützen“, erklärt Hilf. Zusätzlich füllten die Teilnehmer einen Fragebogen aus. In Interviews mit Experten der Firma aliamos wurden ihnen die Ergebnisse aus Bluttest und Fragebogen erläutert und optimale Arbeits- und Schlafenszeiten ermittelt.

„Im nächsten Schritt sollen neue Arbeitszeitmodelle entwickelt werden, die die Chronotypen mehr als bisher berücksichtigen. Haben die Studienteilnehmer ein paar Monate nach den neuen Modellen gearbeitet, erfolgt eine Abfrage per Fragebogen, ob sie sich wohler, ausgeschlafener und leistungsfähiger fühlen“, erklärt Hilf. Seit April bis voraussichtlich Ende Juni werden ihr zufolge derzeit die Dienstpläne geändert.

Die Grafik zeigt die Chronotypen-Verteilung über die Belegschaft der Klinik Wartenberg. Sie ist vergleichbar mit den Erhebungen aus anderen Ergebnissen.

Erste Ergebnisse der Studie liegen nun vor: Die Verteilung der Chronotypen über die Belegschaft der Klinik ist vergleichbar mit den Ergebnissen aus anderen Erhebungen – „wir haben also keinen überproportionalen Anteil an Lerchen oder Eulen“, bilanziert Hilf. Unsere Grafik, die einen Überblick über die Verteilung der Chronotypen über das Personal der Klinik Wartenberg gibt, wurde an der Berliner Charité erstellt. „pDLMO“ ist der Zeitpunkt der Melatonin-Ausschüttung („Dim Light Melatonin Onset“), der den Menschen auf den Schlaf vorbereitet. Idealerweise sollte man 1,5 bis 2 Stunden danach schlafen gehen. Jemand, dessen DLMO um 23 Uhr ist, sollte also bis 1 Uhr zu Bett gehen und hätte gegen 9 Uhr bei einer Empfehlung von acht Stunden Schlaf ausgeschlafen. „Das verträgt sich in den seltensten Fällen mit dem Arbeits- und Lebensrhythmus in unserem Land. Die meisten Menschen brauchen einen Wecker“, erklärt Irene Hilf, Pressesprecherin der Klinik Wartenberg.

Schlafdefizit birgt Gefahren

Dass die Berücksichtigung des Chronotypen Sinn mache, hätten auch die Kostenträger im Gesundheitswesen erkannt: „Menschen, die entgegen ihrer Veranlagung arbeiten und schlafen, bauen mit der Zeit ein immer größeres Schlafdefizit auf, welches wiederum zu Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Sucht oder Diabetes führen kann. Daher wird das Projekt von der AOK Bayern und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege gefördert.“

Wertschätzung für Mitarbeiter

Die Klinik will das Projekt auch als Wertschätzung für die Mitarbeitern verstanden wissen: „Wo gibt es das schon, dass der Arbeitgeber ein echtes Interesse am Mitarbeiter als Individuum hat? Insbesondere in der Gesundheitsbranche, in der man sonst immer nur von Überlastung und geringer Wertschätzung hört“, fragt Pflegedienstleiter Norman Daßler, mit Christian Walther Beauftragter des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Wegen Corona: Isolierstation seit Ostermontag

Seit ein paar Tagen gibt es an der Klinik Wartenberg eine eigene Corona-Station.

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