Wartenberg Podiumsdiskussion Bürgermeisterkandidaten
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Das Kandidaten-Sextett auf der Bühne (v. l.): Robert Hegenauer (FW), Dominik Rutz (Grüne), Michael Gruber (SPD), Josef Samitz (FDP), Carla Marx (Neue Mitte) und Christian Pröbst (CSU).
Wartenberg Podiumsdiskussion Bürgermeisterkandidaten
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Großes Publikum: Zur Wartenberger Podiumsdiskussion kamen rund 450 Zuhörer in die Strogenhalle

Kommunalwahl 2020

Podiumsdiskussion der Wartenberger Bürgermeisterkandidaten: Schmuse- statt Konfrontationskurs

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„Mir ist fast ein bisschen zu viel Schmusekurs“, meinte Carla Marx (Neue Mitte) in der Resümee-Runde der Podiumsdiskussion. Ja, hitzig ging’s fürwahr nicht zu beim Aufeinandertreffen der sechs Wartenberger Bürgermeisterkandidaten am Mittwochabend in der Strogenhalle. Die rund 450 Zuhörer bekamen dafür eine sachliche Veranstaltung mit vielen Inhalten serviert. Eine Zusammenfassung.

Wartenberg – Die Initiatoren waren nun schon zum dritten Mal Josef Neblich und Konrad Huber. Wie sie eingangs klarstellten, sind beide parteiunabhängig, stimmen mit sämtlichen Kandidaten jedoch in ihrer Ablehnung der dritten Start- und Landebahn am Flughafen München überein. Die Moderation übernahm Karin Alt, Redaktionsleiterin der Moosburger Zeitung.

Los ging’s mit einer Vorstellungsrunde. Robert Hegenauer (FW) heftete sich seinen Einsatz für den Waldkindergarten ans Revers und sagte, er wolle Wartenberg, dem Ort, in dem er seit seiner Kindheit lebe und seine Großeltern gestorben seien, etwas zurückgeben. Seine Ziele als Bürgermeister hätte er in den ihm zur Verfügung stehenden drei Minuten beinahe nicht mehr untergebracht. Schon hielt Moderatorin Alt eine kleine Stoffpuppe in die Höhe. Das Signal, dass die Redezeit abgelaufen war.

Mit dem „Kasperl“, wieer die Puppe nannte, legte sich lange Zeit vor allem Michael Gruber (SPD)an. Das tat er jedoch mit viel Humor. Die Lacher auf seiner Seite hatte er bereits mit seinem ersten Satz: „I bin da Gruaba Miche.“ Was den zunehmenden Pendlerverkehr angeht, meinte er, die Bürger sollten doch ihn wählen, dann wäre es schon mal ein Pendler weniger. Und als der Kasperl verhinderte, dass er seine Kritik an der Kostenabrechnung der E-Lade-Säule loswurde, machte Gruber das eben später, als er zur Ärzteversorgung gefragt wurde. Dem Publikum gefiel’s hörbar.

Dominik Rutz (Grüne) stellte klar, dass trotz aller Kosten ein Klimamanager nötig sei. „Ich konnte hier nie eine grüne Liste wählen“, sagte er über vergangene Wahlen in Wartenberg. „Das hat mir gestunken.“ In Sachen Klima sei es bereits fünf nach zwölf. Für alle, die generell Bedenken für grüne Politiker übrig haben, betonte Rutz: „Als Grüner kriegst du ja immer so einen Stempel drauf. Ich habe aber einen gesunden Menschenverstand.“

„40, ledig, zwei erwachsene Katzen“: So stellte sich Josef Samitz (FDP)vor. „Ich würde gerne was machen im Ort. Da würde sich doch der Bürgermeister anbieten“, scherzte er, und lautstarkes Lachen im Publikum war die Folge. „Wir sind ein Markt, aber wir haben keinen Markt“, wurde Samitz aber schnell wieder ernst. Jenen Markt gelte es zu entwickeln.

Carla Marx (Neue Mitte) zitierte Winston Churchill: „Es ist leichter, eine Nation zu erziehen als vier Kinder“, meinte die vierfache Mutter schmunzelnd, die unter anderem einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern und ein „Gestalten, nicht Verwalten“ vor allem im Straßenbau auf der Agenda hat.

Christian Pröbst (CSU) stellte seine persönliche Entwicklung in den Fokus. Als er 2002 erstmals in den Marktrat gewählt wurde, sei er „ein richtiger Hitzkopf“ gewesen. Mittlerweile habe er festgestellt: „Mit guten Argumenten kommt man weiter als mit hitzig sein.“

Im Folgenden ein Auszug aus einem Teil der diskutierten Themenblöcke. Punkte wie „Jugend“ oder „Senioren“ fielen fast vollständig der fortgeschrittenen Zeit zum Opfer.

Einwohnerwachstum/Ortsentwicklung

1961 zählte Wartenberg 2115 Einwohner, 2019 waren es 5637, und in zehn Jahren werden es 7140 Wartenberger sein. Er sei erschrocken über solche Zahlen, meinte Rutz. Er wolle nicht, dass das so weitergehe. Einig waren sich die Kandidaten, dass es ein kontrolliertes Wachstum braucht. „Maximal ein Prozent“, setzte Pröbst eine Grenze. Die jüngst von 6000 auf 9000 Einwohnerwerte erweiterte Kläranalage werde lange reichen, so der 3. Bürgermeister. Beim Einheimischenmodell habe er vor zwei Jahren gewarnt, blickte Gruber zurück. Zahlreiche Grundstücke auf einmal auszuweisen, sei keine langfristige Denkweise. Statt Flächen um Flächen zu versiegeln, sollte man in die Höhe bauen, etwa Wohnungen über Supermärkten, so Samitz’ Idee. Eine wichtige Rolle spielt für alle Kandidaten die Umsetzung der Sanierungssatzung.

Arbeitsplätze/Pendler

Das Homeoffice, also das Arbeiten zuhause, muss gestärkt werden, um den Pendlerverkehr in den Griff zu bekommen. Damit einher geht ein Ausbau des Glasfasernetzes. Eine „Frechheit“ sei es, so Pröbst, wenn etwa die Telekom für das Verlegen von Kabeln jahrelang brauche. Bei diesem Thema herrschte Einigkeit unter den Kandidaten. Arbeitsplätze bieten, sie aber auch belegen, so der Tenor. Samitz betonte die Bedeutung der örtlichen Handwerksbetriebe, Hegenauer nannte die Klinik als wichtigen Arbeitgeber.

Transparenz

Mit ihm als Bürgermeister werde nicht mehr so viel nichtöffentlich diskutiert, versprach Gruber. Ihm ist weiter ein Dorn im Auge, dass die Wartenberger Bürger erst spät – nach der Kreistagssitzung – erfahren haben, wie viel der neue Recyclinghof kostet. Besser werden, da waren sich alle Kandidaten einig, muss die VG-Homepage – „eine Katastrophe“, so Marx. Die E-Mail-Zustellung des Mitteilungsblatts müsse kostenlos erfolgen, forderte Hegenauer. Sämtliche Kandidaten versprachen, die Bürger miteinzubinden. Dazu gehören auch Bürgerversammlungen in den Außenorten.

Schulhauserweiterung/Schluhausneubau

Wie geht’s weiter mit der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg? Neubau, Erweiterung? 2000 Quadratmeter Platz fehlen der Grund- und Mittelschule. Einig war man sich größtenteils: Es braucht erst mal die Machbarkeitsstudie. Und: Den Schulverband will niemand verlassen. Gruber sprach sich allerdings mit einem klaren „Ja“ für einen Neubau aus. Und wie sieht es mit dem Bau einer weiterführenden Schule aus? „Ein Gymnasium macht auf jeden Fall Sinn“, meinte Samitz. CSU-Mehrheiten hätten vor ein paar Jahren dafür gesorgt, dass die Realschule nach Oberding gekommen sei und nicht nach Wartenberg, stichelte Gruber. Ein klein bisschen gezündelt wurde selbst bei dieser friedvollen Veranstaltung dann eben doch.

Unser Kommentar zur Podiumsdiskussion in Wartenberg.

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