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Der Amtsinhaber gratuliert seinem Nachfolger: Bürgermeister Manfred Ranft (FWG/r.) mit Christian Pröbst (CSU) am Sonntag im Wahllokal in der Schule.
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Nikolaus Hintermaier (52/FDP): „Freue mich, dass die Leute die Persönlichkeit gewählt haben.“
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August Groh (64/SPD): „Natürlich bin ich enttäuscht.“
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Heike Kronseder (56 Jahre/FWG): „Wir sind bei der Jugend nicht angekommen.“

Kommunalwahl in Wartenberg

Ein schwarzer Tag – in zweierlei Hinsicht

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Der Wahlsonntag war in Wartenberg in gleich zweifacher Hinsicht ein schwarzer Tag. Zum einen, weil die CSU ihren Bürgermeisterkandidaten Christian Pröbst trotz fünf Konkurrenten ohne Stichwahl durchgebracht (58,9 Prozent) und sich 9 von 20 Sitzen im Marktrat gesichert hat. Zum anderen, weil folglich andere Parteien und Gruppierungen deutlich Federn lassen mussten. Wir haben mit Siegern, Verlierern und Abgewählten gesprochen.

Wartenberg – Die großen Verlierer in Wartenberg sind die Freien Wähler, die nun nur noch drei Sitze haben. Rechnet man den Posten von Bürgermeister Manfred Ranft mit ein, sind das zwei weniger als das jetzt der Fall ist. „Wir sind enttäuscht. Ich bin noch ein bissl sprachlos“, sagt FWG-Stimmenkönigin Heike Kronseder, die mit Paul Neumeier und Neuling Franz Ganslmaier künftig nur noch zwei FWG-Freunde neben sich sitzen haben wird. „Wir haben es versäumt, die jungen Menschen für uns zu begeistern“, gibt Kronseder unumwunden zu.

Der Online-Fehler der Freien Wähler

Leicht hatten es die Freien Wähler freilich nicht. Einerseits die langen Erkrankungen Ranfts und seines Stellvertreters Peter Schickinger sowie deren Entscheidung, dass sie nicht mehr antreten werden bei der Wahl. Hinzu kommt der Abgang des profilierten Walter Gebhart, der aus privaten Gründen nicht mehr angetreten war. So hatten die Freien Wähler gleich drei Zugpferde verloren.

Und für die Zeit vor der Wahl haben sie wohl die falschen Entscheidungen getroffen: „Wir haben online keinen Wahlkampf gemacht. Ich glaube, das war verkehrt“, stellt Kronseder fest. Die Freien Wähler hatten etwa mit Marvin Ruth, einem 20-jährigen BWL-Studenten, durchaus auch den Nachwuchs auf der Liste. „Aber wir sind bei der Jugend nicht angekommen“, so die Kunsthistorikern, die ehrlich sagt: „Hut ab vor der CSU. Die haben’s richtig gemacht.“ Unter anderem mit dem online viral gegangenen „Burgermoasta-Song“ (wir berichteten).

Ganz bitter verlief die Wahl für Robert Hegenauer, den die FWG gerne als Nachfolger Ranfts gesehen hätte. Hegenauer erhielt jedoch mit 164 die zweitwenigsten Stimmen (6,2 Prozent) und schaffte es nicht mal in den Marktrat. Nur Josef Samitz (1,9 Prozent) von der FDP hatte weniger. Auch er hat das Gremium verpasst. „Der Robert war sehr enttäuscht, zumal er ein wahnsinnig fleißiger, braver, netter Mensch ist. Eine so schöne Homepage wie die, die er für uns gemacht hat, hat es noch gar nicht gegeben“, lobt Kronseder.

August Groh: Abschied nach 18 Jahren

Auch bei der SPD ist die Stimmung alles andere als euphorisch. Einen Sitz haben die Genossen eingebüßt, auch wenn das immer noch besser ist als das, was in Langenpreising oder Fraunberg passiert ist: Dort ist die SPD nun gar nicht mehr vertreten. Bürgermeisterkandidat Michael Gruber und Michael Paulini sind weiterhin dabei, doch August Groh, der parteiintern die drittmeisten Stimmen erhalten hat, muss nun seinen Hut nehmen – nach 18 Jahren im Marktrat und zwei Bürgermeisterkandidaturen 2002 und 2008. „Natürlich bin ich enttäuscht. Ich hätt’s gerne noch gemacht“, sagt Groh. Nun sei sein politisches Engagement im Markt aber beendet, so der 64-Jährige.

„Jetzt kann ich mich um meine Enkel kümmern, das ist vielleicht wichtiger“, meint Groh mit Galgenhumor. Für ihn sei nun politisch gesehen am wichtigsten, „dass wir einen neuen Landrat kriegen“.

Grüne: Rutz mit gemischten Gefühlen

Gemischte Gefühle hat Dominik Rutz, der als Bürgermeisterkandidat der neuformierten Grünen mit 16,4 Prozent Zweiter hinter Pröbst wurde. „Wir sind von Null gestartet und jetzt dabei“, sagt der 41-Jährige. Allerdings: Die Übermacht der CSU hätte für ihn ein bisserl weniger übermächtig ausfallen, die Sitze etwas gleichmäßiger verteilt werden dürfen. Zumal Rutz die Neue Mitte als „CSU-nah“ einstuft. „Es wäre schade, wenn Vorschläge von den Kleineren unterbuttert werden“, befürchtet Rutz. Ihm zur Seite stehen künftig im Marktrat zwei Frauen. Lehramtsstudentin Melanie Falzetta ist mit 23 Jahren die Jüngste im gesamten Gremium, stand auf Platz eins der Grünen Liste. Hinzu kommt Sprachheilpädagogin Martina Scheyhing (44).

Neue Mitte: Ein bis zwei Sitze zu wenig

Mit 7,3 Prozent für Bürgermeisterkandidatin Carla Marx und nun nur noch zwei statt der bisher drei Sitze ist die Neue Mitte Wartenberg unter den Erwartungen geblieben. Neben Marx ist weiter Eduard Ertl im Gremium. Hermann Zoglauer war nicht mehr angetreten. „Wir hätten gerne einen oder zwei Sitze mehr gehabt“, gesteht Marx. „Mit so einem Granatensieg der CSU hat keiner gerechnet“, so die 55-Jährige. Hätte die Neue Mitte übrigens ihren dritten Sitz verteidigt, wäre der für sein Engagement beim TSV Wartenberg bestens bekannte Thomas Rademacher ab Mai ein Marktrat gewesen.

FDP: Hintermaier, der unbeugsame Gallier

Nach wie vor im Gremium vertreten – und das war nicht unbedingt zu erwarten – ist Nikolaus Hintermaier, quasi der unbeugsame Gallier von der FDP, der weiter alleine die Fahne der Liberalen hochhält. Gerade mal auf Platz vier von der FDP gelistet, hat er es trotzdem geschafft. „Es freut mich, dass die Leute Persönlichkeitswahl gemacht und nicht nach der Liste gewählt haben. Es kann nicht so falsch gewesen sein, was ich die letzten 15 Jahre im Marktrat geleistet habe“, schlussfolgert der 52-Jährige.

Hintermaier ist froh, dass die FDP überhaupt noch im Gremium vertreten ist. Seine jüngeren Mitstreiter hätten Sprüche geklopft und von drei Sitzen geredet. „Sie sind noch nicht so lange dabei wie ich“, sagt der Zimmerer- und Dachdeckermeister, der das Ganze anders – und richtig – eingeschätzt hat. Hintermaier verweist beispielsweise auf das Ja der Landes-FDP zur dritten Startbahn. „Das war nicht gut für uns“, sagt Hintermaier wohlwissend, dass in Wartenberg quasi alle gegen die Startbahn sind.

Vom künftigen Bürgermeister erhofft sich Hintermaier, dass er weiter so transparent vorgeht wie in den vergangenen Monaten. „Der Pröbst hat uns alles gesagt, vorher war es eine One-Man-Show“, übt der FDPler deutliche Kritik an Amtsinhaber Ranft. Er hoffe nur, dass die CSU auch so weitermache und nicht alles alleine „im stillen Kämmerlein“ beschließe. Zumal sie von der Neuen Mitte Unterstützung bekommen könnte. Das seien ohnehin „verkappte CSUler“, findet Hintermaier.

CSU: Zwei Brüder im Gremium

Bei der großen Siegerin, der CSU, ist die Stimmung derweil blendend. „Wir hatten 11 000 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl“, freut sich Christian Pröbst (43). „Wir haben sehr, sehr gute Arbeit gemacht, waren für alle Bürger da, haben uns alles angehört. Wir hatten die meisten Anträge im Marktrat, die meisten Projekte, wie zum Beispiel die Sanierungssatzung“, erklärt er das Erfolgsrezept der Christsozialen, die entgegen des allgemeinen Trends in Wartenberg deutlich zugelegt haben.

Dreieinhalb Stunden war der designierte Gemeindechef mit seinem Bruder Michael Pröbst (41) am Wahltag beim Mountainbiken. Später stand fest, dass beide künftig im Gremium sitzen werden – Michael wurde von Listenplatz 14 nach vorne gewählt. Zwei Brüder im Rat: Besteht da nicht die Gefahr, dass mal die Fetzen fliegen? „Wir sind gute Spezln. I gfrei mi, dass er dabei ist“, sagt der ältere der beiden. „Wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber das ist auch gut so“, betont der neue Bürgermeister.

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