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Seniorin und Telefon: Eine gefährliche Mischung.

„Eine der abscheulichsten Straftaten“

Kripo-Beamter klärt auf: Diese dreisten Tricks funktionieren bei Senioren leider viel zu oft

Jakob Deischl, Kriminalhauptkommissar und Fachberater der Kripo in Erding, spricht hier zum Thema „Sicherheit für Senioren“ - und nennt die schlimsmten Maschen.

Wartenberg – Jakob Deischl ging dabei die ganze Palette dessen durch, womit diese Altersgruppe zunehmend in Gefahr gerät, systematisch abgezockt zu werden.

Der Polizeibeamte wartete mit teilweise krassen Beispielen aus dem Kreis Erding auf. Da hätten zwei Frauen auf einen Mann gewartet, der gerade in der Bank Geld abgehoben habe. „Die eine lenkt ab, die andere plündert die Brieftasche“, erzählt Deischl. Ganz schlimm sei es, wenn in Betrieben gestohlen werde. Die Auswirkungen auf das Betriebsklima seien drastisch, wie Deischl an einem konkreten Fall aus Wartenberg aufzeigen konnte.

Der falsche Mitarbeiter, der vorgebe, die Wasseruhr ablesen zu müssen, habe in Erding für einige Aufregung gesorgt. Das sei ein klassischer Schleichdiebstahl. Die Ratschläge des Beamten: „Nicht in die Wohnung lassen, von Amtspersonen den Dienstausweis vorzeigen lassen, und hören Sie auf ihr Bauchgefühl!“

Gespannt lauschten die 35 Zuhörer im Gasthaus Reiter den Ausführungen von Kriminalhauptkommissar Jakob Deischl (l.). 

Moralisch verwerflich ist für ihn der sogenannte Enkeltrick, bei dem ältere Mitbürger vorgegaukelt bekämen, ein Enkel sei in einer Notlage. „Mit der Gebrechlichkeit von Menschen zu arbeiten, halte ich für eine der abscheulichsten Straftaten.“ Er rief dazu auf, auf die Oma oder den Opa verstärkt zu achten. „Wenn da Anhaltspunkte sind, dass Geld fließt, sollte man nachfragen.“

Dann öffnete Deischl die Trickkiste der Ganoven für seine Zuhörer ganz weit: „Die gehen auf alte Namen oder kurze Telefonnummern. Das ist immer ein Hinweis auf die Generation. Beim Ausspähen des Tatortes wird sogar darauf geachtet, was für Gardinen die im Fenster haben oder welche Blumen auf dem Balkon.“ Diese Banden seien ausgezeichnet und international organisiert.

Es gebe regelrechte Callcenter, die so lange herumtelefonierten, bis sie ein mögliches Opfer gefunden hätten. „Die haben Vorauskommandos“, sagte Deischl. „Wir haben Navigationsgeräte beschlagnahmt, bei denen alle Tatorte einprogrammiert waren. Die haben die nicht selber eingegeben, die kamen von woanders.“

Deischl kam auch auf den Trick mit den falschen Polizeibeamten zu sprechen: „Sie werden niemals mit der Nummer 110 angerufen werden. Das ist nämlich eine Einbahnstraße.“

Sogenannte Gewinnbenachrichtigungen seien auch ein immer wieder angewandter Trick, bei dem es nur darum gehe, dem angeblichen Gewinner Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Beamte wusste von angeblichen Notargebühren, die erst zu bezahlen seien, bevor der Gewinn ausbezahlt würde.

Damit alle auch mal einen Dienstausweis der Polizei in den Händen gehalten haben, ließ Deischl ein vergrößertes Exemplar herumgehen. Schließlich empfahl er noch eine Internetseite: www.Pfiffige-Senioren.de. Er schloss seinen Vortrag mit einem leidenschaftlichen Appell: „Als Gesellschaft zusammenhalten – schwer in der Stadt, etwas leichter auf dem Land.“

Wartenbergs FW-Vize Robert Hegenauer bezeichnete Sicherheit als ein Grundbedürfnis für die Menschen. Seniorenbeauftragter und Vize-Bürgermeister Peter Schickinger dankte für die Idee und kommentierte: „Ich sehe an der Runde: Wir sind die Zielgruppe, um die es geht.“ Der Altersdurchschnitt war auch so, wie die Veranstalter sich das gewünscht hatten. Die Organisatoren hatten den Vortrag auch vor den Hintergrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Zahl älterer Menschen gestellt.

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