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Ernste Mienen zeigten die Teilnehmer des Ortstermins bei den Ausführungen von Robert Braun vom Straßenbauamt (orangefarbene Jacke). 

Ortstermin an der Lindenallee 

Wahrzeichen, Naturdenkmal, Zankapfel

Im Landtag läuft eine Petition zum Erhalt der Lindenallee an der ED 2. Bei einem Ortstermin hörten sich nun zwei Abgeordnete von CSU und Grünen die Sorgen an.

Wartenberg – Die Fällungen an der Lindenallee zwischen Wartenberg und Kirchberg werden im Landkreis mit großer Sorge gesehen. Aus Anlass einer Petition zum Erhalt des Naturdenkmals hatten die Landtagsabgeordneten Christian Magerl (Grüne) und Volker Bauer (CSU) vom Umweltausschuss des Bayerischen Landtags zum Ortstermin nach Wartenberg geladen. Eine gute Stunde lang hörten sie sich am Donnerstag die Sorgen der Betroffenen und die Argumente der Behördenvertreter an. Bei der Diskussion in der Kälte wurden neben Beschwerden und Vorwürfen auch konstruktive Vorschläge geäußert.

Nur noch 251 von 488 Bäumen vorhanden

Grund für Fällungen und Pflegemaßnahmen sind laut Landratsamt „straßenverkehrsrechtlichte Vorgaben zur Verkehrssicherheit“. Allein 2017 waren es 29 alte und zwei junge Linden, die entfernt wurden. Von den ehemals 488 Bäumen beidseitig auf einer Strecke von 6,1 Kilometern seien es nur noch 251, rechnete Dieter Neumaier bei dem Treffen vor. Der Ingenieur an der Hochschule Weihenstephan kritisierte ebenso wie Petent Bernhard Frieß, Vorsitzender des Bund Naturschutz Taufkirchen-Holzland, dass es keine Ersatznachpflanzungen gebe.

Als Begründung werde ein nötiger Abstand von 4,5 Metern zur Fahrbahn angeführt. Die Lindenallee sei aber nachweislich nicht unfallträchtig, sondern dämpfe die Geschwindigkeit, sagte Neumaier. Beide betonten, wie wichtig die Lindenallee in der ausgeräumten Landschaft für die Natur sei, als Lebensraum und Nahrungsquelle für Tiere wie Fledermaus oder Bienen. Hinzu komme ihre Filterwirkung von Feinstaub und ihre Bedeutung für die Heimat.

Landrat Martin Bayerstorfer war bei dem Treffen verhindert. Sein Vize Jakob Schwimmer wies die Vorwürfe, dass unnötig viele Bäume gefällt wurden, ebenso von sich wie Bauoberrat Robert Braun vom Staatlichen Bauamt Freising. „Wir fällen ja nicht nach Lust und Laune“, erklärte Braun. „Es geht darum, die Allee so gut wie möglich zu erhalten. Widerrechtlich findet hier gar nichts statt“, betonte er und berief sich auch auf die Verkehrssicherungspflicht seiner Behörde. Die Bäume würden regelmäßig kontrolliert. Nicht mehr ausreichend vitale und standsichere Bäume müssten entfernt werden.

Allein für Pflegemaßnahmen an 223 Bäumen wurden im Oktober 2017 rund 25 000 Euro ausgegeben. Nachpflanzungen seien theoretisch möglich, aber ohne Grunderwerb meist nicht sinnvoll und baumgerecht möglich, erklärte Braun. Auf die Besucher des Ortstermins wirkten die beiden Mitarbeiter des Landratsamts schlecht vorbereitet. Sie konnten über die vorgebrachten Einzelfälle und zu gestellten Fragen keinerlei Auskünfte geben.

1983, in der Amtszeit von Landrat Hans Zehetmair, wurde die Lindenallee unter Naturschutz gestellt. 60 Bäume wurden damals nachgepflanzt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man heute nicht mehr zusammenbringt, was Zehetmair geschafft hat“, sagte der CSU-Abgeordnete Bauer.

Grandinger: Andere Straßenführung

Das sah Magerl genauso. Er werde sich einsetzen, dass Bäume nachgepflanzt werden, versprach er. „Der Wert der Allee steht außer Zweifel. Sie ist absolut erhaltenswert.“ Sinn des Treffens seien Ersatzpflanzungen. Aber „wir brauchen ein Konzept“, erklärte Magerl.

Das sah auch Kirchbergs Bürgermeister Hans Grandinger so. Die Lindenallee müsse „als Wahrzeichen“ seiner Gemeinde unbedingt erhalten bleiben. Er wisse um die Bedeutung der Kreisstraße ED 2 als Verbindungsstraße von Ost und West, dennoch könnte man sich Gedanken über eine andere Möglichkeit der Straßenführung machen. Deshalb schlug er vor, dass sich alle Seiten zusammen an einen Tisch setzen, um ein Konzept zu erarbeiten.

Das fand Magerl sehr gut. Es solle aber zügig geschehen. Nicht dass „Baum für Baum verschwunden ist, bis das Konzept fertig ist“, meinte der Grüne. Verwundert zeigten sich beide Abgeordneten über den Einwurf von Anliegerin Rosi Heilmeier aus Kirchberg. Sie berichtete, dass auch „junge Bäume gefällt und bis ganz unten abgefräst“ worden seien. „Die kaputten Stämme sind liegen geblieben. Ist das Absicht, dass man nur die schlechten sieht?“, fragte sie in Richtung Straßenbauamt und Landratsamt.

Linden könnten über 1000 Jahre alt werden, weil sie sich selber heilen, fügte sie an. Man brauche also keine Angst haben, dass alle plötzlich umfallen. Noch unverständlicher sei für sie, dass die Linden, die sie auf ihrem Privatgrund neben der ED 2 gepflanzt habe, im Februar 2017 von offizieller Seite wieder herausgezogen worden seien. Es gebe vier Anliegerfamilien, die gerne Linden auf ihrem Grund pflanzen würden, berichtete Heilmeier.

Das sah Magerl als guten Ansatzpunkt für Neupflanzungen. Dazu sei auch kein teurer Grunderwerb nötig, wie immer als Gegenargument vorgebracht werde.

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