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Schäden an den Bäumen der Lindenallee: abgeplatzte Rinde, Aushöhlungen, von Pilz zerfressene Stämme.

Naturdenkmal im Holzland

Lindenallee zum Sterben verurteilt

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Der Landkreis besitzt entlang der geschützten Lindenallee nur einen schmalen Grünstreifen. Zu schmal für einen dauerhaften Erhalt, sagen die Experten vom Staatlichen Bauamt.

Wartenberg/Kirchberg – Die Lindenallee zwischen Wartenberg und Kirchberg ist ein geschütztes Naturdenkmal. Umweltschützer kämpfen gegen Baumfällungen. Landrat Martin Bayerstorfer und das Staatliche Bauamt Freising stehen in der Kritik. Dagegen verwahrte sich der CSU-Politiker in der Sitzung des Ausschusses für Struktur, Verkehr und Umwelt am Montag. „Ich kann keinen einzigen Baum erkennen, der leichtfertig entfernt worden wäre. Im Gegenteil, wäre es leichtfertig gewesen, diese Bäume stehen zu lassen“, erklärte er. Auch den Vorwurf widerrechtlicher Fällungen wies Bayerstorfer zurück. Die Untere Naturschutzbehörde habe sehr wohl fachliche Stellungnahmen dazu abgegeben.

Robert Braun und Christian Schweiger vom Staatlichen Bauamt zeigten unter dem Punkt Bekanntmachungen eine halbstündige Präsentation über die Arbeiten an der Lindenallee. „Ich bedaure, dass das nicht auf der Tagesordnung stand“, kritisierte Michael Gruber (SPD). Denn so hätten interessierte Bürger nicht die Chance gehabt, die Präsentation selbst zu sehen.

Das Bauamt führt laut Braun alle ein bis zwei Jahre Baumkontrollen durch. „Hier geht es um die Gefahr für Verkehrsteilnehmer“, erläuterte er. Einige der derzeit 249 Linden seien bereits instabil.

Bei den Kontrollen im Oktober 2016 und im Juni 2017 wurden laut Schweiger an 29 Bäumen gravierende Schäden entdeckt: hoher Totholzanteil in den Kronen, ausgeprägte Faulstellen, Pilzbefall und Anfahrschäden. Zwölf Linden wurden daraufhin im Frühjahr gefällt, weitere sollen nun im Oktober umgeschnitten werden. Naturschutzrechtliche Belange würden bei jeder Entscheidung berücksichtigt, erklärte er.

„Der hauptsächliche Grund sind Höhlungen im Stamm“, erklärte Schweiger. Oft seien Anfahrschäden eine „Einfallpforte für Pilzbefall“. Bei den Linden sei der sehr aggressive Brandkrustenpilz entdeckt worden. „Oft wirkt der Baum von außen vital“, sagte der Experte. Doch ein von Pilz durchsetzter Stamm stehe nicht mehr stabil.

„Die Tatsache, dass im Frühjahr viele Bäume stehen geblieben sind, hat den Artenschutz als Hintergrund“, erläuterte Braun. Bei diesen Linden wurde ein Kronensicherungsschnitt durchgeführt. Es geht dabei um die streng geschätzten Fledermäuse. Bei der endoskopischen Untersuchung wurden laut Schweiger in 14 Bäumen Höhlen entdeckt, die den Fledermäusen als Winterquartier dienen könnten. Vor der Fällung dieser Linden werden die Höhlen so verschlossen, dass sie aus-, aber nicht mehr einfliegen können.

Für Nachpflanzungen steht nach Aussagen der Fachleute nicht genügend Grund zur Verfügung – auch, weil die Straße im Lauf der Jahrzehnte breiter geworden ist und so den Linden zu nahe kommt. „Der zur Verfügung stehende Grünstreifen für Nachpflanzungen ist mit ein bis drei Metern sehr schmal“, erklärte Braun. Nur so viel befindet sich im Besitz des Landkreises. Deswegen sei er „ganz klar der Meinung: Für einen dauerhaften Erhalt der Allee reicht der vorhandene Grünstreifen nicht aus“. Wenn Linden einen guten Standort hätten, so Braun, „können sie ohne Probleme mehrere hundert Jahre alt werden. Diese Linden nicht“.

Bayerstorfer berichtete, er habe vor ein paar Jahren exemplarisch mit drei Grundbesitzern Gespräche geführt. „Es gab keine Bereitschaft, Grund abzutreten“, erzählte der CSU-Politiker. Für die Anpflanzung von Linden sei aber ein sieben bis acht Meter breiter Streifen notwendig. „2007 haben sich Bund Naturschutz und die Gemeinde Kirchberg bereit erklärt, Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern zu führen“, berichtete er weiter. Davon habe er nichts mehr gehört. Ohne genügend Grund „erübrigt sich die Diskussion“, folgerte der Landrat.

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