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Prägende Geschäfte sind am Marktplatz das Modehaus Billmayer (rotes Haus), die Bücherstube (daneben) und die Eisdiele (gelb), die in den früheren Schlecker-Laden gezogen ist. Im Sommer stehen dort Tische draußen.

Das Jahr 2017 in Wartenberg 

Mehr Leben und weniger Autos in derOrtsmitte

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Wartenberg – Es ist nicht so, dass Bürgermeister Manfred Ranft parkende Autos vom Marktplatz verbannen möchte. Er prophezeit jedoch mittelfristig mehr Gastronomie mit Freiflächen und damit weniger Stellplätze in der Ortsmitte. Dafür muss Wartenberg einen Plan entwickeln.

Die Entwicklung des Ortskerns von Wartenberg samt Neuordnung der Stellplätze – das ist für Bürgermeister Manfred Ranft die entscheidende Zukunftsaufgabe für die Kommunalpolitik im Ort. Schon heuer würden diese Themen den Marktgemeinderat beschäftigen. „Wir werden das in unserer Klausurtagung auf die Tagesordnung nehmen“, sagt der Rathauschef.

Mittelfristig sieht Ranft am Marktplatz „einige alte Häuser, die für eine Umnutzung geeignet wären“. Wenn man andere Gemeinden mit einem historischen Zentrum betrachte, „dann sieht man: Der Einzelhandel zieht an die Peripherie. Ich sehe dann noch mehr Gastronomie kommen.“ Das erste, was Gastwirte dann wünschen, sind nach der Überzeugung des Bürgermeisters Freischankflächen. So war es ja auch bei der Eisdiele am Marktplatz. Das werde wiederum zulasten der Stellplätze gehen.

Traum von Tiefgarage

„Die Parkplatzregelung ist ungefähr 30 Jahre alt. Der Autoverkehr hat stark zugenommen.“ Die Erfahrung zeige, dass der Volksfestplatz in einer 5000-Einwohner-Gemeinde wie Wartenberg nicht zum Parken für innerörtliche Besorgungen genutzt werde – mit 400 Metern Entfernung ist er einfach zu weit weg. Auch die laut Satzung vorgeschriebenen zwei Stellplätze pro Wohneinheit seien vielmals nicht mehr zeitgemäß.

Die Entwicklung des Ortkerns samt Schaffung von Parkplätzen ist für Ranft daher die Zukunftsaufgabe schlechthin. Die von ihm vorgeschlagene – und von anderen schon als „Hirngespinst“ abgetane – Tiefgarage mit Zufahrt über die Nikolaibergstraße könne da eine Lösung sein. „Aber vielleicht ist das was in 20 Jahren“, meint der 61-Jährige, der seit 2008 Bürgermeister ist. Bei der nächsten Wahl im Frühjahr 2020 wäre der FWG-Politiker 64 Jahre alt und damit gerade noch unter der Altersgrenze für eine erneute Kandidatur.

Den Grundstein für die neue Ortsentwicklung wollen Ranft und der amtierende Marktgemeinderat mit der Sanierungssatzung für die Mitte von Wartenberg legen. „Bisher gibt es dafür nur einen Aufstellungsbeschluss und eine Veränderungssperre, die aber heuer abläuft“, erläutert der Bürgermeister. Daher werde das auf jeden Fall ein Thema für die Gemeinderatsklausur im Februar.

Konzept mit Reiter-Saal

„Wir brauchen ein vernünftiges Konzept. Weil wir wollen in die Städtebauförderung.“ Die Marktgemeinde versuche aktuell, in ein Programm des Bundes zu kommen, für das allerdings interkommunale Zusammenarbeit mit einer anderen Gemeinde die Voraussetzung ist. „Und da kommt der Reiter-Saal ins Spiel“, sagt der Bürgermeister. Denn die kooperierenden Gemeinden brauchen für die Förderung eine thematische Verbindung, eine Gemeinsamkeit. Bei der Bewerbung Wartenbergs sei das bisher ein gemeinsames Konzept mit Veranstaltungsräumen – also der Reiter-Saal im Ortskern. Es gebe schon ernsthafte Verhandlungen mit möglichen Partnergemeinden.

„Wenn sich herausstellt, dass die Sanierung des Saals ein Fass ohne Boden ist, dann müssen wir uns etwas anderes überlegen.“ Der Knackpunkt werde natürlich die Tragfähigkeit des Bodens sein (wir berichteten).Aber fürs erste werde die Idee weiterverfolgt. „Die finanzielle Grenze liegt natürlich da, wenn die Sanierung günstiger ist als ein Neubau“, sagt Ranft und meint damit die ebenfalls vorgeplante Mehrzweckhalle am TSV-Sportzentrum.

Laut Ranft ist es richtig, dass weder die Marktgemeinde den Saal kaufen noch die Besitzerfamilie sich finanziell an der Sanierung beteiligen werde. „Das würde dann über einen entsprechenden Pachtvertrag geregelt.“

Das Alte Schulhaus wird laut Ranft „a bissl teurer als geplant“, unter anderem wegen einer nötigen Brandschutzdecke. Die Kostenschätzung liegt bei etwas mehr als zwei Millionen Euro. „Momentan stehen wir mit einem kleinen Abbruch da“, beschreibt der Bürgermeister die Situation während der Winterpause auf der Baustelle. Im Frühjahr werde es an die echten Aufbauarbeiten gehen.

Zum von der Regierung von Oberbayern geforderten Bürgerpark am Alten Schulhaus werde die Marktgemeinde demnächst Pläne bekommen. Ob es tatsächlich eine solche große Lösung wird, müsse der Gemeinderat entscheiden. „Aber auch in unserem Interesse werden wir den Garten sicher nicht so lassen wie er ist“, meint Ranft.

Am Ende werde das Alte Schulhaus auch dazu dienen, die Wohnungsnot für sozial Schwache zu mildern. Gerade an anerkannte Asylbewerber denkt der Bürgermeister da. Aktuell hielte er es für „wünschenswert, wenn die Flüchtlinge in ihren Wohnungen bleiben können, wenn sie anerkannt werden“. Ab der Fertigstellung der Sozialwohnungen im Alten Schulhaus – geplant ist August 2018 – seien die Weichen für die Zukunft gestellt.

Döner am Marktplatz

Der Helferkreis Asyl habe zudem einen Begegnungsraum beantragt, der vorwiegend als Beratungsstützpunkt dienen soll. Unterkommen könnte dieser, die Zustimmung des Marktrats vorausgesetzt, in dem Raum der früheren Postagentur der Bäckerei Renk am Marktplatz. Der eigentliche Verkaufsraum der Bäckerei daneben wird laut Ranft schon bald eine neue Nutzung erfahren: Dort werde ein Döner-Imbiss eröffnet.

Ein langfristiges Zukunftsprojekt ist die Sanierung des Abwassersystems in der Marktgemeinde. Der nächste Schritt sei nun, ein Kanalkataster anzulegen. „Das ist auch der Grund, warum wir das Bauamt so aufrüsten.“ Nach dem Leiter Michael Hagl im vorigen Jahr sei nun eine Verwaltungskraft eingestellt worden, ein Techniker werde gesucht.

Timo Aichele

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