In der Schlachterei lieferte Ludwig Stuhlberger der Ministerin Ulrike Scharf interessante Einblicke. foto: hartinger

Besuch von Ulrike Scharf bei Metzgerei Stuhlberger

Metzger: Handwerk mit Azubi-Sorgen

Wartenberg - Der Nachwuchs fehlt im Metzgerhandwerk. Über dieses Problem sprach Ludwig Stuhlberger gestern mit Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf bei einer Führung durch seinen Betrieb.

Metzgereien tun sich schwer, Lehrlinge zu finden. Das erlebt Ludwig Stuhlberger regelmäßig zu Beginn des Ausbildungsjahres. Die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf besuchte seinen Betrieb in Wartenberg gestern im Rahmen der bayerischen Aus- und Weiterbildungstage. Dabei schilderte der Inhaber die schlechte Lage auf dem Ausbildungsmarkt.

Beim letzten Mal habe es nur einen Bewerber für die Ausbildung zum Fleischfachverkäufer gegeben und keinen für die Metzgerlehre – „obwohl wir dringend jemand gesucht hätten“, erklärte Stuhlberger. Früher sei die Suche nach Auszubildenden einfacher gewesen, „da Erding ein landwirtschaftlich geprägter Bereich ist, und es für die Jugendlichen immer schon einen Bezug zum Metzger gab“, sagte er. Mit dem 1992 eröffneten Flughafen sei ein starker Konkurrent um die jungen Leute hinzugekommen.

Die Ministerin wollte wissen, welchen Wunsch Stuhlberger an die Politik habe. Er wünsche sich die Möglichkeit, freie Stellen mit Asylbewerbern besetzen zu können. „Mit Flüchtlingen können wir Defizite ausgleichen.“ Er wisse aber, dass dies in der Praxis nicht so leicht umsetzbar ist, wie es in Talkshows dargestellt wird.

Scharf erzählte, dass sie seit vergangenem Jahr einen Jagdschein habe. Sie genoss die Führung sowie die anschließende Verkostung schlachtwarmer Weißwürste und fachsimpelte mit dem Metzgermeister. „Wiener Würst sind eine Wissenschaft für sich“, meinte sie.

„Wir müssen was machen, das der Aldi nicht kann“

Ein Alleinstellungsmerkmal der Metzgerei Stuhlberger ist die Herstellung einiger Produkte im so genannten Warmbrätverfahren. Damit sind in den Weißwürsten keine Zusatz- und Konservierungsstoffe notwendig, die das Unternehmen sogar viermal in der Woche herstellt. „Wir müssen was machen, das der Aldi nicht kann“, erklärte Stuhlberger.

In der Ausbildung erwartet er von den jungen Leuten einiges. Unter anderem müssen sie über 100 Wurstsorten kennen und wissen, welcher Teil des Tieres für welches Endprodukt verwendet wird, erläuterte der Chef. Wichtig sei ihm auch, dass Mitarbeiter den Kunden Alternativen vorschlagen können, falls ein Produkt ausgeht.

Die Metzgerei Stuhlberger ist eine der wenigen im Umkreis, die noch selbst schlachtet. Vom Angebot in den Filialen in Wartenberg, Altenerding und Freising stamme 99 Prozent aus eigener Schlachtung, erklärte der Inhaber. Seit 35 Jahren werde in Wartenberg geschlachtet. Sein Unternehmen beschäftige dort zehn Metzger und vier Hilfskräfte. „Insgesamt sind 66 Leute im Betrieb.“

Um Fachkräfte und Auszubildende von außerhalb zu unterstützen, will er im Gewerbegebiet einen Apartmentblock bauen. Diesen Antrag hatte Stuhlberger schon einmal im Marktgemeinderat gestellt – und nach Bedenken im Gremium wieder zurückgezogen. Ein neuer Antrag ist nach Informationen unserer Zeitung in Arbeit.

Von Nina Bauer und Sebastian Hartinger

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