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Blumen zum Geburtstag: Maria Rilke (M.) mit Tochter Gabi Rilke und Bürgermeister Manfred Ranft.

Mutter der Schaustellerfamilie

Hochseil und Autoscooter: Maria Rilke feiert 85. Geburtstag in Wartenberg

Die Mutter der weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Schaustellerfamilie hat 85. Geburtstag gefeiert. Viele Gäste waren geladen und es gab Geschichten aus dem Leben der Schaustellerin. 

Wartenberg – Zum Geburtstag von Maria Rilke kam alles nach Wartenberg, was Rang und Namen hat, dazu große Teile der Familie, von der bekanntlich viele sich der Schaustellerei verschrieben haben.

Die verdiente Wartenbergerin hat wohl die ungewöhnlichste Biografie im Markt. Geboren in Bamberg, bekam sie im Rahmen der Kinderlandverschickung während des Zweiten Weltkriegs die volle Härte des Krieges zu spüren, als es darum ging, einem Landwirt zugeteilt zu werden: „Da wurden wir versteigert wie das Vieh.“ Zur Schule ging sie in München, zog später nach Nürnberg um.

Dort gab es die Veranstaltung „Der schönste Tag“. Dieser Name sollte für sie Programm werden, lernte sie doch ihren späteren Ehemann, den Seiltänzer Günter Rilke kennen, der dort mit seiner Show auftrat. Diese Begegnung sollte ihr Leben bestimmen. „Ich bin ja immer mit meinem Mann aufs Seil gegangen“, erzählt sie. Es waren Nummern, die auch heute noch atemberaubend sein dürften: Er auf dem Motorrad auf dem Seil, sie unten am Motorrad auf einem Trapez.

Lebhaft erinnerte sich Rilke noch an jenes Heimspiel, das die beiden inzwischen nach Wartenberg Gezogenen beim 800. Jubiläum des Marktes Wartenberg hatten: Ein Drahtseil vom Gelände des heutigen Baustoffhändlers Auer hinauf zum Kirchturm zu einem der Schalllöcher für das Glockengeläut. Da fuhren die beiden Rilkes tatsächlich hinauf. „Unten am Boden war es windstill. Aber wehe, du bist über die Bäume gekommen. Da hat es ganz schön geblasen. Ich musste ja unten auf dem Trapez die Balance halten.“ Das alles sollte ja auch noch einigermaßen elegant aussehen. „Das war eine ganz schöne Steigung.“

Dass die beiden aus dem Geschäft mit den Hochseilakten ausgestiegen sind, begründet Rilke mit Sicherheitsaspekten. „Wir sind ja auch nicht jünger geworden.“ Das ist sicher richtig: Günter Rilke hat das 92. Lebensjahr vollendet. Die beiden Schausteller blieben aber in der Branche.

„Eigentlich sind wir aus den Schulden nie herausgekommen. Wir mussten ja immer etwas Neues haben. Es war auch nicht so leicht, einen Platz zu finden. Die Konkurrenz war ja auch da.“ Legendär ist inzwischen ihr Autoscooter, von den Volksfesten der Region praktisch nicht wegzudenken. Und Maria Rilke sitzt immer noch an der Kasse. Allerdings wird 2020 für sie die letzte Saison sein. „Einmal muss Schluss sein.“ Damit ist klar, dass das Wartenberger Volksfest dieses Jahres in mindestens dieser Hinsicht ein besonderes sein wird: Der Abschied der großen Dame der Schaustellerei im Kreis Erding in ihrer Heimatgemeinde.

Klaus Kuhn

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