+
Anton Blechinger ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Nachruf auf Anton Blechinger

Trauer um den Vater der Wartenberger Schule

  • schließen

Er war ein Lehrer mit Leib und Seele. Dieser Satz ist schnell dahingesagt. In Bezug auf Anton Blechinger trifft er allerdings den Nagel auf den Kopf. Blechinger war der letzte Rektor im Alten Schulhaus und der erste im neuen. In seinen über zwei Jahrzehnten als Schulleiter in Wartenberg hat er wegweisende Umstrukturierungen geprägt. Ein Nachruf.

Wartenberg – Auch wenn er es aufgrund seines Schulleiter-Postens gar nicht so intensiv hätte betreiben müssen: Blechinger gab stets weiter fleißig Unterricht. „Er hat gerne die Abschlussklassen unterrichtet und auch die schwierigen Klassen“, erinnert sich seine Tochter Monika Blechinger-Zahnweh. Den Umgang mit den Schülern, den beherrschte er. Das zeigt auch eine nette Episode aus dem Jahr 1950. Damals war Blechinger noch Lehramtsanwärter. Diese Stelle war mit gerade mal 25 Mark im Monat sehr schlecht bezahlt. „Einmal fragte ihn ein Bub aus der 2. Klasse, warum er immer dieselbe Hose anziehe. Er antwortete, dass er nur eine hätte. Das verstand der Bub und war mit der Antwort zufrieden“, erzählt Blechinger-Zahnweh.

„Er war ein begeisterter Lehrer, der viel Humor hatte“, erinnert sich Blechingers ehemalige Schülerin Maria Mayr-Lechner, die heute in Grünbach lebt. Bis auf Englisch unterrichtete ihr Lehrer eigentlich alles. Sogar Sport. Und Chemie. Einmal, so Mayr-Lechner, verspritzte Blechinger bei einem Experiment ein bisserl Säure, den Schülerinnen in der ersten Reihe ätzte es Löcher in die Strumpfhose. Schlimmeres war aber nicht passiert.

Seiner Autorität schadete dieses Malheur keineswegs. Im Gegenteil: Der Lehrer beeindruckte seine Schüler. „Er fuhr immer mit dem Fahrrad zur Schule, seine Mappe hinten drauf. Das hat uns imponiert“, erzählt Mayr-Lechner, die einen typischen Satz ihres Lehrers zitiert: „Meine Herrschaften. Aufgepasst!“

Anton Blechinger ist gebürtiger Sudetendeutscher, kam in Tyssa zur Welt. Der Krieg spielte der Familie übel mit. Der Vater, ein Drogist, geriet in Kriegsgefangenschaft, der Bruder wurde im Krieg vermisst. Mit der Mutter floh Blechinger in die Nähe von Regensburg, wo sein Vater nach der Gefangenschaft später dazustoßen sollte. Im oberpfälzischen Amberg studierte er Lehramt. Zunächst arbeitete Blechinger als Aushilfslehrer, „interessanterweise in dem Ort, wo mein Mann herkommt: in Mötzing“, erzählt Tochter Monika.

Seine Frau Johanna, die 2006 starb, lernte Blechinger beim Zugfahren kennen. Drei Kinder gingen aus ihrer Liebe hervor, mittlerweile sind es neun Enkel und drei Urenkel.

1959 ging es für Blechinger als Lehrer nach Niederding und rund ein Jahrzehnt später nach Wartenberg, wo er im Alten Schulhaus als Rektor übernahm. Sein großes Projekt sollte das neue Schulhaus an der Zustorfer Straße werden, das 1972 eingeweiht wurde. „Es war eine Gesamtschule für die erste bis neunte Klasse mit über 1000 Kindern“, erinnert sich Langenpreisings ehemaliger Bürgermeister Rudolf Weiß, der Blechinger 1991 als Rektor ablöste, als dieser sich in den Ruhestand verabschiedete.

1973 wurden Grund- und Hauptschule getrennt, Blechinger war nun Rektor der Hauptschule. Erst 1991 kamen die Wartenberger Grundschüler in den Heimatort zurück, die Hauptschule wurde zu einer Volksschule mit den Klassen 1 bis 9. „Er war ein feiner Kerl, eine Persönlichkeit, die den anderen gegenüber aufgeschlossen war. Er war mit Leib und Seele Lehrer“, sagt Weiß über Blechinger.

Dieser liebte das Singen, unterrichtete auch Musik. Und er war Gründungsmitglied des Erdinger Kammerorchesters, ohnehin war er in so ziemlich allen Vereinen. Und er war auch Politiker und viele Jahre im Marktrat, zunächst als Parteiloser, dann für die CSU. Von 1972 bis 1984 und von 1986 bis 1990 engagierte er sich im Gremium. Für sein Engagement erhielt er 1984 die Bürgermedaille des Markts.

In seinen letzten Jahren war der Familienmensch geschwächt und auf den Rollstuhl angewiesen. Jetzt ist er mit 91 Jahren verstorben. „Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig. Erzählt von mir und traut euch ruhig zu lachen. Lasst mir einen Platz zwischen euch, so wie ich ihn im Leben hatte“, heißt es in seiner Sterbeanzeige. Die Trauerandacht findet am morgigen Freitag um 18 Uhr in der Pfarrkirche Mariä Geburt statt. Der Trauergottesdienst ist am Samstag, 29. Februar, um 10 Uhr mit anschließender Beerdigung. Im Sinne des Verstorbenen bittet die Familie anstelle von Blumenschmuck um eine Spende zugunsten des Fördervereins der Marie-Pettenbeck-Schule. Seine Schule, die seit 2009 so heißt, trug er eben bis zuletzt tief im Herzen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Erding: Verdopplungsrate bei zwölf Tagen – Newsticker
Im Landkreis Erding haben sich 442 Menschen mit dem Sars-Cov-2 infiziert. Die Verdopplungsrate sinkt damit weiterhin und liegt bei zwölf Tagen.
Coronavirus im Landkreis Erding: Verdopplungsrate bei zwölf Tagen – Newsticker
Rekordergebnis trotz verkürzter Christmas-Hill-Zeit
Ein Rekord-Spendenergebnis von 16 000 Euro kam beim diesjährigen Christmas Hill in Ottenhofen zusammen.
Rekordergebnis trotz verkürzter Christmas-Hill-Zeit
Landkreis Erding: Corona-Virus erreicht Pflegeheime
Das Corona-Virus hat die Pflegeheime erreicht. Das Landratsamt bestätigte drei Covid-19-Fälle in drei der 15 Senioren- und Behinderteneinrichtungen im Landkreis.
Landkreis Erding: Corona-Virus erreicht Pflegeheime
Corona-Brennpunkte in Oberbayern: Mit extrem hohem Fallaufkommen schlägt ein Hotspot sogar New York
In Rosenheim steht das Starkbierfest unter Verdacht, die Corona-Lage verschlimmert zu haben. Auch Erding und Freising sind stark betroffen.
Corona-Brennpunkte in Oberbayern: Mit extrem hohem Fallaufkommen schlägt ein Hotspot sogar New York

Kommentare