Ort, richtige Tages- und Jahreszeit - all das notierte Helmut Lahr über seine Motive. Die meisten der über 650 Fotos, wie das von der Selmer-Kreuzsäule in Niederlern. 

Neues Buch „Kreuze. Kapellen. Kirchen.“ 

Von ermordeten Jägern und Sechs-Kilo-Babys

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Feld- und Wegkreuze erinnern an Dramen und Glücksfälle. Ein neuer Bildband erzählt einige dieser Geschichten aus dem Pfarrverband Wartenberg. Auch zu anderen Zeugnissen des christlichen Glaubens finden die Leser weitergehende Informationen.

Wartenberg– Tod und Trauer, Leben und Genesung, tiefer Glaube – diese Geschichten erzählen Weg- und Feldkreuze. Doch nach Jahrzehnten verblasst oft die Erinnerung an den Anlass, warum das Kruzifix einst aufgestellt wurde. So etwas weckt bei Helmut Lahr den Forschergeist. Der 62-jährige Ingenieur erkundet schon seit Jahrzehnten in seiner Freizeit die Heimatgeschichte – zunächst die seiner eigenen Familie, dann von Langenpreising und später auch von anderen Orten in der Nachbarschaft. Nun ist sein neuestes Buch fertig: „Kreuze. Kapellen. Kirchen.“

114 Objekte auf 268 Seiten

Ein Kirchenführer sollte es nicht werden – solche Werke gibt es bereits im Pfarrverband, die meisten von Lahr. Ihm und Pfarrer Gregor Bartkowski, der ihn vor Jahren zum Schreiben animiert hatte, ging es um die kleineren Zeugnisse kirchlichen Glaubens – vom Nepomuk auf der Strogenbrücke in Wartenberg bis hin zu Hauskapellen und Marterln in Berglern und Zustorf. Auf 268 Seiten stehen über 650 Bilder und Erläuterungen von 114 verschiedenen Objekten in allen Teilen des Pfarrverbands.

Kataster im Staatsarchiv, die Pfarrmatrikel im Diözesanarchiv, Daten des Landesamtes für Denkmalpflege – hier ist der Hobby-Historiker zuhause. Seine eigene Familiengeschichte konnte er so bis 1656 zurückverfolgen. Und auch bei diesem Buch förderte er Erstaunliches zutage. Schon das Brunner-Feldkreuz selbst würden nur Ortskundige bei Altweg am Ortsausgang von Wartenberg Richtung Erding entdecken. Was dahinter steckt, weiß aber kaum noch jemand.

Auf einer verwitterten Blechtafel steht es in altdeutscher Schrift: Das Kreuz ist ein „Andenken an die beiden gefallen Söhne Ludwig und Andreas Brunner“. Mit Auszügen aus der Kriegstammrolle, also Armee-Akten aus dem Ersten Weltkrieg, und Bildern vom Wartenberger Krieger- und Soldatenverein zeichnet der in Garching lebende Forscher ein genaues Bild der 1916 im Abstand von nur drei Monaten gestorbenen Brüder.

Der Wilderer lauerte in der Muier-Kapelle

Für ein anderes Drama steht das Muier-Feldkreuz an der Gadener Straße bei Niederlern: die Ermordung des Jagdaufsehers Kronawitter am 12. Dezember 1895. An der Stelle dieses Kreuzes stand einst eine Kapelle, die Wilderern willkommene Deckung bot. Das wusste auch der Jagdaufseher. In dieser Dezember-Nacht ertappte er dort einen Wilderer, der ihn prompt erschoss. Lahr hat dazu eine romanhafte Geschichte gefunden, die in dem Buch auf vier Seiten abgedruckt ist. Ursprünglich hatte sie 1895 in der Zeitschrift „Deutscher Jäger“ gestanden. Nach dieser Bluttat wurde die Kapelle als entweiht angesehen und abgebaut. Das Feldkreuz stand lange an ihrer Stelle – bei der Sanierung der Semptbrücke 2017 wechselte der Standort auf die andere Straßenseite.

Ein freudiges Ereignis steht dagegen hinter dem Burger-Kreuz in der Pottenau. Dem Gütlersehepaar Karl und Maria Fink wurde am 31. Januar 1902 ein zwölf Pfund schweres Mädchen geboren. Mutter und die kleine Magdalena waren wohlauf. „Was danach aus ihnen geworden ist, weiß man aber nicht. Das ist schade“, meint der Heimatforscher.

Diese und weitere Anekdoten hätte der in Garching lebende Lahr nicht alleine sammeln können. In Langenpreising, dem Ort seiner Jugend, ist er oft im Haus seiner verstorbenen Mutter. „Ich arbeite am Wochenende im Garten. Die Leute wissen das, kommen vorbei und erzählen mir wieder etwas Neues.“ Aber auch in seinen eigenen historischen Jagdgründen war dem Autor die Unterstützung von Josef Kriegmair willkommen. In Berglern ging Resi Wimmer auf die Familien von Kreuz-Stiftern zu. In Wartenberg half Toni Reiter, in Zustorf waren es Marile und Hans Lechner. „Toll, wie sich manche Leute erinnern“, meint der Pfarrer. Meistens waren die Erkenntnisse aber nicht so umfangreich.

Mehr Offenheit für Nachbargemeinden

Die Idee zu dem Band entwickelten Lahr und Bartkowski im Oktober 2016. Die beiden dachten auch an Reliquien und andere echte Kirchenschätze. Doch diese näher zu beschreiben, war ihnen wegen eventueller Diebe dann doch zu riskant. Und so wurden es die für jeden sichtbaren Glaubenszeugnisse am Wegesrand. Sogar die erste 2017 in Langenpreising aufgestellte Stalingrad-Madonna wurde aufgenommen.

Er habe das Buch bewusst nicht nach Pfarreien gegliedert, sagt der Autor. Ihm wäre es sympathischer, wenn die Grenzen zwischen den Gemeinden etwas verwischen. „Ich will dazu einladen, dass die Leute das erkunden, vielleicht mit dem Fahrrad. Es gibt ja viele, die im Nachbarort noch nie in einer Kirche waren.“

Das Buch

„Kreuze. Kapellen. Kirchen – Eine Entdeckungsreise durch die Pfarreien Berlern, Langenpreising, Wartenberg und die Kuratie Zustorf“ wurde in einer Auflage von 250 Stück gedruckt. Es ist für 25 Euro in den Pfarrbüros in Berglern, Langenpreising und Wartenberg erhältlich.

Timo Aichele

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