Anbau der Klinik Wartenberg
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Bei dem Anbau an der Südwestseite des Klinikgebäudes entstehen auf vier Stockwerken 48 Zimmer.  Im Gegenzug werden elf Zimmer im Ostbau stillgelegt, die nicht mehr den heutigen Standards entsprechen. Die Palliativstation kommt ins Erdgeschoss, damit die Patienten in den Garten geschoben werden können. Die Kosten: 20 Millionen Euro. Dr. Klaus Friedrich Becher freut sich bereits auf die Einweihung im Oktober.

Chefarzt Dr. Becher zufrieden mit Pandemie-Umgang – Anbau bald fertig

Klinik Wartenberg: Nur ein Corona-Fall bei 320 Mitarbeitern

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Die Klinik Wartenberg kommt bisher gut durch die Corona-Pandemie. Der neue Anbau soll im Oktober fertig sein.

Wartenberg – Ein schwieriges Jahr hat sich Dr. Klaus Friedrich Becher zum Auftakt in der Klinik Wartenberg ausgesucht. Seit 1. Januar ist er Chefarzt der Abteilung Geriatrische Rehabilitation. Der gebürtige Franke, der in Landshut lebt, ist mit dem Umgang mit der Pandemie in seinem Haus hochzufrieden.

Dr. Klaus Friedrich Becher ist seit 1. Januar Chefarzt der Abteilung Geriatrische Rehabilitation.

Ein Schwerpunkt der Klinik liegt auf der Geriatrie, also der Altersheilkunde. Eine brenzlige Situation in Corona-Zeiten, schließlich gehören ältere Menschen zur Hauptrisikogruppe. „Gerade die Komorbiditäten machen’s nicht einfach, weil die älteren Menschen an mehreren oft chronischen Erkrankungen gleichzeitig leiden. Man muss besonders vorsichtig sein“, sagt Becher.

„Im April hatten wir die ersten zwei Covid-19-Patienten, die direkt in unserem Haus entdeckt wurden“, erinnert sich der 57-Jährige. Später wurde vier Wochen lang eine Corona-Isolierstation mit zehn Betten eingerichtet (wir berichteten). „Aber dann wurde es schon weniger“, sagt Becher. Ein, zwei Covid-19-Patienten habe man in der Folge noch gehabt. Zu wenig, um eine eigene Station aufrecht zu erhalten. Zumal die Finanzierung für eine private Klinik schwieriger sei. Wenn es jetzt Fälle gebe, sei das Klinikum in Erding erster Ansprechpartner.

Corona-Station wieder aufgelöst

Für kurzfristig zu isolierende Patienten werden jedoch weiterhin fünf Betten in Einzelzimmern freigehalten. Hinzu kommen zwei Zimmer für Neuaufgenommene, die kein aktuelles Testergebnis vorlegen können. Mittlerweile bekomme die Klinik die Ergebnisse von Rachenabstrichen aus dem Synlab-Labor in München innerhalb von 24 Stunden. In der Vergangenheit habe es bis zu fünf Tage gedauert, so Becher.

Er weiß von genau einem Todesfall eines Patienten, der zwischendurch in Wartenberg behandelt worden ist. Die über 80-jährige Person habe zunächst Durchfall gehabt, also atypische Symptome gezeigt. Später sei sie dann trotz Intensivbehandlung im Klinikum in Erding verstorben.

Im April war die Reha-Abteilung der Klinik Wartenberg gerade mal zu 50 Prozent im Vergleich zum Normalzustand belegt, berichtet Becher. Im August waren es noch 15 Prozent weniger.

Was der Chefarzt besonders lobt: Bislang wurde insgesamt bei nur einer Mitarbeiterin das Virus nachgewiesen. „Das ist toll bei einem Haus mit 320 Mitarbeitern“, findet er. Seit 12. August könne sich das Klinik-Personal alle 14 Tage auf freiwilliger Basis testen lassen. Insbesondere Urlaubsrückkehrern werde das nahe gelegt. „Wir haben viele Fachkräfte aus dem ost- und südosteuropäischen Raum, und der Süden ist halt auch weiterhin das beliebteste Reiseziel“, sagt Becher.

Die Kommunikation gerade mit älteren Patienten wird durch Mund-Nase-Masken erschwert. Sie dämpfen die Lautstärke, zudem behelfen sich Patienten mit Hörproblemen häufig mit Lippenlesen. Abhilfe wird dem Problem mit transparenten Masken geschaffen. Beispielsweise bei einem Schlaganfallpatienten, wenn die Kommunikation erschwert ist. Logopäden und Patienten tragen Becher zufolge dann solche durchsichtigen Masken.

Wenn Patienten zur Reha kommen, „haben sie den Anspruch, mobilisiert zu werden“, sagt Becher. Wegen dem Warten auf Testergebnisse gebe es aber erst mal wenig Bewegung, zudem fehle die Gruppentherapie. „Das ist schon eine Einschränkung“, gibt der Mediziner zu.

Was er noch beobachtet hat: Bei der Entlassung stellen immer mehr ambulante Pflegedienste für die Weiterbetreuung die Forderung, ein negatives Testergebnis vorzulegen. „Das ist eine zusätzliche Belastung“, sagt Becher. Schwierig sei dabei, wenn man dann ein paar Tage auf ein Ergebnis warten müsse, daheim allerdings längst etwa aufs Waschen durch Pflegekräfte angewiesen sei.

Ziel: Stelle für Kontinenzberatung

Von Corona „brutal ausgebremst“ worden ist Becher derweil bei drei seiner Steckenpferde, die er bei seiner Vorstellung im November (wir berichteten) angesprochen hat: Mobilität, Sturzvermeidung und Kontinenzberatung. Als Beispiel sei die Präventionsarbeit im Rahmen des Projekts „MoSi“ (Mobilität und Sicherheit) genannt. Darunter versteht man ein Kraft- und Gleichgewichtstraining für ältere Bürger – nicht Patienten – aus den umliegenden Gemeinden. Diese Kurse werden Becher zufolge von den Krankenkassen bezahlt. Im April hätte es damit schon losgehen sollen, jetzt hofft er auf einen Beginn im November.

Auf dem Gebiet der Kontinenzberatung will er eine eigene Beratungs- und später auch Behandlungsstelle aufbauen. Zudem möchte Becher die mobile geriatrische Reha (MoGeRe) ausbauen. Sie werde gut angenommen und zähle derzeit rund zehn Patienten.

Gut voran kommt derweil der Neubau der beiden Personalwohngebäude auf dem Bründlhof-Areal. Eines davon ist schon recht weit, es soll im Oktober bezugsfertig sein. Das zweite Haus dann im Frühjahr 2021. Zudem wird bekanntlich das Klinikgebäude an der Südwestseite erweitert. Einweihungstermin ist der 10. Oktober. Dann wird der Rehabereich nicht mehr 110, sondern 150 Betten zählen. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Becher. Bei der Suche nach Mitarbeitern habe man die Fühler insbesondere nach Italien ausgestreckt.

Zeiten und Regeln für Besuche – Auch Video-Telefonie ist möglich

Jeder Patient der Klinik Wartenberg darf derzeit dreimal wöchentlich – zweimal wochentags, einmal am Wochenende – von einer Person über 16 Jahre für eine Stunde Besuch bekommen. Die Besuchszeit ist täglich von 13.30 bis 16.30 Uhr, am Wochenende oder an Feiertagen von 10 bis 15.30 Uhr.

Besuche sollten – soweit irgendwie möglich – im Freien stattfinden. Es ist auf Abstandsregeln zu achten. Für Besuche ist dringend eine Anmeldung einen Tag vorher unter Tel. (0 87 62) 91-7 13 erforderlich. Selbst mitzubringen ist ein medizinischer Mund-Nase-Schutz. Wer einen solchen nicht hat, bekommt einen am Empfang – gegen eine Spende.

Die Anzahl der Besucher insgesamt in der Klinik ist pro Tag auf 30 begrenzt. Alternativ bietet die Klinik die Möglichkeit, mit den Patienten per Video-Telefonie (Skype) zu kommunizieren. Für die Palliativstation und in Ausnahmefällen, wenn etwa der Patient im Sterben liegt, gelten besondere Regelungen. Dann werden Besucher gebeten, sich mit dem Stationspersonal in Verbindung zu setzen. mas

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