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Viele Gottesdienste hat Pfarrer Gregor Bartkowski (M.) zu organisieren. Das Bild zeigt die Altarweihe in der Wartenberger Pfarrkirche im Juli 2013.

Belastung in den Pfarrverbänden Wartenberg und Reichenkirchen/Maria Thalheim 

Pfarrverbandsleiter: „Ich kann mich nicht vierteilen“

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Seit Oktober ist Wartenbergs Pfarrverbandsleiter Gregor Bartkowski auch für den Verband Reichenkirchen/Maria Thalheim zuständig. Eine Riesenbelastung für ihn und sein Seelsorge-Team. Für Erleichterung sorgt ein neuer Pfarrvikar, der im Juli kommt. Viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist das aber nicht.

Nördlicher Landkreis – Pfarrverbandsleiter Gregor Bartkowski kann sich über Langeweile nicht beschweren. Die Arbeit stapelt sich auf seinem Schreibtisch quasi in Kirchturmhöhe. Umso froher ist er, dass er zum 1. Juli einen neuen Pfarrvikar präsentieren kann: Edward Stupak, 67, leitet bis dahin noch den Pfarrverband Hörgertshausen-Gammelsdorf.

Trotzdem muss Bartkowski ordentlich schwitzen. Auf seinen Schultern lastet die Verantwortung für neun Pfarreien und 9000 Gläubige. Für diese alles aufrechterhalten zu können, ist bei der angespannten Personallage in der Kirche ein schwieriges Unterfangen, erklärt Bartkowskiunserer Zeitung.

Seit sechs Jahren leitet er den Pfarrverband Wartenberg, zu dem die Pfarreien Wartenberg, Berglern, Langenpreising und Zustorf gehören. Seit Oktober vergangenen Jahres hat der 52-Jährige auch die Verantwortung für den Pfarrverband Reichenkirchen-Maria Thalheim (wir berichteten). Unter dessen Dach befinden sich Reichenkirchen, Maria Thalheim, Fraunberg, Riding und Rappoltskirchen. Die Übernahme vor einem halben Jahr sei „eine große Sache“ gewesen. Und ein Haufen mehr Arbeit, der für Bartkowski und seine Mitstreiter anfällt.

Ein Drittel wenigerGottesdienste

„Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich drei Firmungen in einer Woche gehabt“, berichtet Bartkowski. „Und nun habe ich fünf Erstkommunionen nacheinander. Dazu ist gerade auch die Zeit der Bittgänge. Da kann man nachfühlen, wie es mir so geht.“ Hinzu komme der Bereitschaftsdienst für die Klinik. Auch dort sei Seelsorge gefragt, etwa die Krankensalbung und bei Todesfällen. Bartkowski sagt, dass er quasi rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, auf Abruf steht.

Nur gut, dass er eine nicht allzu große, aber dafür fleißige Truppe beisammen hat. Ohne den Reichenkirchener Diakon Christian Pastötter ginge es zum Beispiel nicht. Als Bartkowski zusagte, einen zweiten Verband zu übernehmen, habe er das an die Bedingung geknüpft, dass Pastötter, bis dato mit einer halben Stelle in Reichenkirchen und einer halben in Walpertskirchen tätig, in Vollzeit nach Reichenkirchen kommt. Dieser Wunsch sei in Erfüllung gegangen.

Ganz wichtig für die Glaubensgemeinde ist Bartkowski zufolge, dass die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen gewährleistet sind. Wegen des Personalmangels in der Kirche gibt es hier bereits deutliche Einschnitte. „Von neun Gottesdiensten am Wochenende fahren wir langsam auf sechs zurück“, berichtet Bartkowski. Ein Rückgang um ein Drittel also.

Das Ganze würde noch drastischer aussehen, würden Diözesanjugendpfarrer Richard Greul, Ruhestandspfarrer Alois Raith (früher Altenerding) und der ehemalige Dorfener Stadtpfarrer Hans Eschbaumer nicht bei Gottesdiensten aushelfen. Hinzu kommt Diakon Sebastian Lenz, der eigentlich auch schon im Ruhestand ist. Und Gerhard Salzeder (62), der sich seit Januar auf eigenen Antrag im Ruhestand befindet. Seit Palmsonntag unterstützt er Bartkowski und sein Team wieder – so lange, bis Edward Stupak im Juli dann den Pfarrvikarsposten übernimmt. Er wird im Pfarrhaus in Reichenkirchen wohnen.

Bartkowski sehnt dessen Ankunft herbei. „Ich bin froh, weil ich dann wieder eine langfristige Gottesdienstordnung machen kann“, sagt er. Stupak habe seinen leitenden Posten im Verband Hörgertshausen-Gammelsdorf aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Dort folgt auf ihn übrigens der in Erding als ehemaliger Stadtpfarrer, Dekan und Landkreisdekan bestens bekannte Reinhold Föckersperger (62). Er ist zusätzlich für den Pfarrverband Moosburg-Pfrombach verantwortlich.

„Was soll ich nichtnoch alles sein?“

Eine Wunschbesetzung hat Bartkowski damit aber noch lange nicht beisammen. Die wird es wohl auch nicht mehr geben. Eine solche habe er zuletzt von 2004 bis 2012 gehabt, als er Pfarrer in Langenpreising und Zustorf war. „Da habe ich noch alle Termine selber wahrnehmen können.“

Für die Gottensdienste hatte der doppelte Pfarrverbandschef auf einen weiteren Pfarrvikar gehofft. Ein dafür vorgesehener indischer Pater konnte den Posten aber aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten (wir berichteten).

Besser sehe es beim Verwaltungsleiter aus. Bartkowski hofft, dass er einen solchen im Herbst präsentieren kann. Entlastung erhofft er sich dann zum Beispiel bei Renovierungsarbeiten. Fünf davon habe er derzeit „in tiefster Schublade“ zur Bearbeitung. Ein Aufgabenfeld, das ihn zusammen mit seinen Bürodamen schwer belaste. „Was soll ich nicht noch alles sein?“, fragt Bartkowski. „Vielleicht auch noch Bauingenieur? Ich kann mich nicht vierteilen. Das geht einfach nicht.“

Trotz allem will er nicht schwarzsehen. „Es läuft einigermaßen rund“, sagt Bartkowski sogar. Was die hauptamtlichen Geistlichen angehe, werde es zwar nicht leichter. „Aber es wird weitergehen dank unserer ehrenamtlichen Helfer.“ Sie kommen beispielsweise bei der Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung zum Einsatz.

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