Eine Könnerin: Zum zweiten Mal restaurierte Gabriele Heinicke-Pracher den Altar der Nikolaiberg-Kapelle ab 2009. Vor 25 Jahren saß sie schon mal dran.
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Eine Könnerin: Zum zweiten Mal restaurierte Gabriele Heinicke-Pracher den Altar der Nikolaiberg-Kapelle ab 2009. Vor 25 Jahren saß sie schon mal dran.

NACHRUF - Gabriele Heinicke-Pracher verhalf vielen kirchlichen Objekten zu altem Glanz

Restauratorin, Malerin und Sängerin

  • vonGerda Gebel
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Mit ihrer Restaurationsarbeit hat Gabriele Heinicke-Pracher das kirchliche Leben in Wartenberg und der Umgebung geprägt. Nun ist die Künstlerin im Alter von 74 Jahren verstorben.

Wartenberg – Mit der Restaurierung des Altars der Nikolaiberg-Kapelle hat die Restauratorin und Malerin Gabriele Heinicke-Pracher in Wartenberg bleibende Spuren hinterlassen. Nun ist die Künstlerin im Alter von 74 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Gabriele Heinicke-Pracher stammte aus Würzburg, wo ihr Vater einen Betrieb für Malerei, Kirchenmalerei und Restaurierung gegründet hatte. Bei ihm absolvierte sie nach dem Besuch der Kunst-und Handwerkerschule eine Ausbildung zur Vergolderin und Fassmalerin, bei der sie auch die lebensechte Bemalung von Holzskulpturen erlernte. Beim Landesamt für Denkmalpflege in München wurde sie bereits mit 19 Jahren mit kirchlichen Restaurationsarbeiten beauftragt. „Da wurde ihr trotz ihres jugendlichen Alters schon viel zugetraut“, erzählt Tochter Christiane Hellinger.

In Wartenberg ließ sich die Restauratorin 1976 mit Ehemann Walter Heinicke und den Töchtern Christiane und Ingrid nieder. Eine besondere Ehre war es für die Künstlerin, als sie 2009 erneut mit der Restaurierung des Altars der Kapelle auf dem Wartenberger Nikolaiberg betraut wurde, den sie bereits von 1980 bis 1985 restauriert hatte. Nach der alten Technik des Vergoldens mit Blattgold konnte sie die vergangene Pracht des Altars wiederherstellen, der aus dem Jahr 1889 stammt und nach dem Vorbild des Freisinger St. Korbiniansschreins entworfen wurde. Auch die St. Nikolaus-und die Marienfigur in der Friedhofskirche, die Christusfiguren am Herz-Jesu-Berg und am Kriegerdenkmal wurden von Heinicke-Pracher meisterhaft restauriert.

Erfolgreich war die Restauratorin auch als Malerin, wie Tochter Christiane berichtet. Neben der vom Vater erlernten plastischen Ornamentenmalerei auf Holztafeln, deren Motive auch Blinde ertasten können, brachte Heinicke-Pracher gerne fantastische Bilder zu Papier, die bei Ausstellungen in ganz Europa gezeigt wurden. So schmückte ein selbstgemaltes Bild des Moosburger Kastulus-Münsters das Esszimmer ihrer Mutter, erzählt Christiane Hellinger.

Auch die Wallfahrtskirche in Vilsbiburg hatte ihre Mutter ins Herz geschlossen und besuchte sie gerne zum Fatimatag, der an jedem 13. des Monats gefeiert wird.

Fest verwurzelt war Heinicke-Pracher seit fast 30 Jahren im Wartenberger Volkstrachtenverein, in dem sie lange Jahre mit den „Wartenberger Sängerinnen“ auftrat. „Das Singen war die absolute Leidenschaft meiner Mutter“, erinnert sich Tochter Christiane. Ihre Mutter sei ein sehr bescheidener Mensch gewesen, der nicht so gerne im Vordergrund stand, aber die gemeinsamen Auftritte mit ihrem Chor habe sie immer sehr genossen.

„Meine Schwester Ingrid und ich hatten ein sehr enges Verhältnis zur Mama, haben täglich telefoniert und sie häufig besucht und kleinere Einkaufsfahrten zusammen gemacht“, sagt Christiane Hellinger. Diese liebgewonnenen Kontakte fehlen den Schwestern sehr, seit ihre Mutter ganz plötzlich verstarb. Zurück bleiben viele schöne Erinnerungen, zahlreiche Bilder und die Spuren ihrer Restaurationsarbeit, die sie so meisterhaft beherrschte.

Gerda Gebel

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