Heimvolksschule und Josefsheim Wartenberg 

Sozialplan für Schüler und Pädagogen

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Wartenberg – Die Ganztagsintensivklasse sowie die Jahrgangsstufen fünf und sechs an der Heimvolksschule Wartenberg werden definitiv geschlossen. Weder Jugendliche noch Fachkräfte sollen aber mit ihrem Schicksal allein gelassen werden, versichert der Träger.

Pessimisten sagen den Mittelschulen (vormals Hauptschule) schon länger den schleichenden Tod voraus. In Wartenberg ist das nun konkret zu beobachten – an der privaten, vom Seraphischen Liebeswerk Altötting (SLW) getragenen Heimvolksschule. Wie berichtet, stehen die Ganztagsintensivklasse (GIK) mit Jugendlichen der Klassen sieben bis neun sowie die regulären Jahrgangsstufen fünf und sechs vor dem Aus. Das dürfte auch an der massiven negativen Berichterstattung und politischen Auseinandersetzung um die GIK in Folge von Anzeigen liegen.

Die Mittelschul-Klassen sieben bis neun werden hingegen weitergeführt. Dies teilte am Mittwoch Johannes Erbertseder, Geschäftsführender Vorstand des SLW, unserer Zeitung mit. Zugleich richtete er den Blick in die Zukunft. Der Träger will möglichst vielen eine Perspektive bieten. Nun geht es quasi um einen Sozialplan.

Zur teilweisen Schließung erklärt Erbertseder, „dass eine Prognose der Regierung von Oberbayern und des Schulamts Erding ein weiteres Stück weit traurige Realität wird“. Sie hatten der Leitung des angegliederten Josefsheims und dem Stiftungsvorstand rückläufigen Bedarf sowohl für die private Regelschule als auch für das schulpädagogische Kooperationsangebot des Landkreises und des SLW prognostiziert und eine Schließung einzelner Klassen vorausgesagt.

Erbertseder betonte in diesem Zusammenhang, „dass wir den Abbau möglichst abzumildern versuchen“ – durch ein schrittweises Zurückfahren des Schulbetriebs.

Am Aus für die GIK lässt sich laut SLW nicht rütteln. Der Geschäftsführer berichtet, dass die GIK „trotz intensiver Werbung und Öffnung der Schule für Mädchen“ nur mehr von vier Schülern, verstärkt durch maximal zwei Neuzugänge besucht werden würde“. Das ist zu wenig, denn unterhalb von zehn Jugendlichen sieht das Schulamt die Institution nicht mehr als förderungswürdig an.

In der GIK werden Jugendliche von einem Klassenlehrer unterrichtet. Hinzu kommt eine individuelle Förderung durch eines Sonderpädagogen, eine sozialpädagogjsche Fachkraft des Jugendamts und einen Arbeitspädagogen. Ziel ist, schwierigen Schülern, die regulär als kaum mehr beschulbar und unterrichtsfähig eingestuft werden, den Übergang ins Berufsleben zu ermöglichen – mit beachtlichem Erfolg in den vergangenen Jahren.

Erbertseder betont jedoch, dass man nun nicht die Flinte nicht ins Korn werfe, sondern an einer Lösung für die Zukunft arbeite. Die Gespräche mit Bezirksregierung, Schul- und Jugendamt bezeichnete er als „erfolgreich“. Ziel sei, „Schülern wie Fachkräften tragfähige Perspektiven anbieten zu können“. Dafür sieht es bislang gut aus. Alle GIK-Schüler können laut SLW auf Wunsch im kommenden Schuljahr die achte und neunte Klasse im Josefsheim besuchen. An den Nachmittagen werden sie intensiv im Rahmen sozialpädagogischer Hortgruppen betreut. Erbertseder freut sich, „dass sich in Gesprächen mit dem Jugendamt Erding abzeichnet, dass weitere individuelle Förderung generiert werden kann“.

Aussichten soll aber genauso das Personal bekommen. Regierung und Schulamt planen derzeit den Einsatz der Fachlehrer um – in der Region. So macht es auch das Jugendamt mit seiner Fachkraft. Die des SLW kann ab Herbst in der stationären Jugendhilfe im Josefsheim übernommen werden. „Die Stiftung muss also niemandem kündigen“, versichert Erbertseder.

Das SLW engagiert sich bereits seit 1922 mit einem abgestuften Jugendhilfeangebot mit angeschlossener Schule in Wartenberg. „Umso mehr schmerzen die Einschnitte, die jetzt anstehen“, bedauert der SLW-Chef.

Hans Moritz

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