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Max Joseph Pezold: Der Planer ist im Alter von86 Jahren verstorben.

Trauer um Planer Max Joseph Pezold

Er gab Wartenberg ein Gesicht

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Was haben das heutige Rathaus, die Strogenhalle, die Raiffeisenbank und der Gemeindekindergarten in Wartenberg, die Turnhalle und das Leichenhaus in Langenpreising, die Grundschulerweiterungen in Berglern und Reichenkirchen, die Friedhofserweiterung in Zustorf und unzählige Wohn- und Geschäftshäuser sowie landwirtschaftliche Gebäude gemeinsam? Hinter ihnen allen steckt ein kreativer Kopf, der ihr Gesicht maßgeblich entworfen hat: Max Joseph Pezold. Der Architekt, der offiziell gar kein Architekt war, ist kurz vor Weihnachten im Alter von 86 Jahren verstorben.

Wartenberg – Pezold wurde im Dezember 1933 in München geboren. Dort wuchs er mit zwei wesentlich älteren Halbgeschwistern, Georg und Magdalena, auf. Vater Georg war Bildhauer, Mutter Anna Keramikerin. Mit seinem Vater bastelte der junge Max Joseph viel und entwickelte so seine Freude am Selbermachen. Schon als Kind zeigte er handwerkliche Begabung und stellte sich seine Schuhe einmal sogar selber her.

Später organisierte Pezold Faschingsfeste. „Die Vorfreude beim Entwerfen und Schneidern fantasievoller Kostüme und bei der aufwendigen Umgestaltung und Dekoration der Festräume hat ihm sogar noch mehr bedeutet als die eigentlichen Feste“, erinnert sich sein Sohn Franz Pezold.

Früher Tod des Vaters

Ein schwerer Einschnitt war der Tod des Vaters, als Max Joseph gerade neun Jahre alt war. Dass er nach dem Besuch des Münchner Wilhelmsgymnasiums Architektur an der TH, der heutigen TU, studieren würde, war angesichts der kreativen Jugendzeit keine Überraschung. Das Studium brach Pezold jedoch ab, weswegen er nicht in der Architektenliste geführt wurde. Ihn als Planer zu bezeichnen, ist offiziell also zutreffender.

Pezold arbeitete zunächst im Büro Düll in München und bei seinem Bruder Georg, der Architekt war. Dem Beruf sollte er auch seine Liebe zu Wartenberg verdanken. Sein Bruder hatte nämlich einen Auftrag erhalten: den Umbau eines Hauses an der Römerschanze. So kam Pezold das erste Mal nach Wartenberg. „Da hat’s ihm gefallen“, erzählt sein Sohn Franz, der heute das von seinem Vater gegründete Architekturbüro – damals hieß es noch Planungsbüro – an der Eichenstraße führt.

In den 60er Jahren hatte Pezold für seine Mutter an der Eichenstraße ein Wohnhaus gebaut, einige Jahre später zog er selbst mit der Familie nach.

„Wenn es mir schlecht geht, muss ich hinaus auf den Bau“, hat Pezold immer gesagt. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag in Wartenberg und der Umgebung. Vor allem die öffentlichen Bauten waren für ihn nicht mit der Einweihung erledigt, sondern er kümmerte sich auch danach weiter um sie und machte die Auftraggeber auf notwendige Unterhalts- oder Reparaturmaßnahmen aufmerksam.

Faible für Geschichte

Manchmal war er nicht nur als Architekt und Bauleiter, sondern auch als Künstler oder Kunsthandwerker tätig. „Er hatte eine große Liebe zum Detail“, erinnert sich Franz Pezold. So hat sein Vater zum Beispiel bei einem Wohnhaus auch die Gitter des Kachelofens aus Keramik entworfen und selbst hergestellt, was für einen Architekten freilich ungewöhnlich ist. Und am Leichenhaus in Langenpreising hat er die Glaskunst gestaltet.

Seiner Mutter, die Keramikerin war, hat er im Wohnhaus eine Werkstatt mit Drehscheibe und Brennofen eingerichtet, die es noch heute gibt. Die Mutter und ihr Sohn arbeiteten dort zusammen, stellten Krüge, Geschirr oder Figuren her und glasierten sie. Sie gaben auch Töpferkurse, an denen viele Wartenberger Bürger teilgenommen haben.

Pezold hatte ein Faible für Geschichte, studierte sogar einmal russische Geschichte. Die humanistische Bildung mit den alten Sprachen Latein und Altgriechisch, aber auch Mathematik waren ihm ebenso wichtig. Die antike Welt mit ihren Sagen und Mythen, zum Beispiel Homers Ilias, hat ihn begeistert. Pezold hat nie aufgehört, sich fortzubilden. Bis zu seinem 80. Lebensjahr arbeitete er.

Doch in den vergangenen Jahren schwanden Pezolds Kräfte, er erfreute sich nun des familiären Zusammenhalts, der Natur, der Sonnenuntergänge und der Stille. Und er genoss den großen Garten am Ortsrand.

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen ist Pezold im Beisein seiner Frau Hedwig, die er 1969 geheiratet hat, gestorben. Neben ihr hinterlässt er seine Söhne Andreas, Franz und Lorenz sowie seinen Enkel Erasmus, der ihm große Freude bereitet hat.

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