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Schwester Edwolda †verstarb im Alter von100 Jahren.

Nachruf Schwester Edwolda 

Über ein halbes Jahrhundert im Josefsheim

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Wartenberg - Als Lehrerin, Schulleiterin und Oberin hat Schwester Edwolda in Wartenberg Spuren hinterlassen. Nun ist sie im Alter von 100 Jahren verstorben.

100 Jahre wurde Schwester Edwolda alt, über die Hälfte dieser langen Lebenszeit arbeitete sie im und für das Josefsheim Wartenberg. Von 1948 bis 2003 war sie dort Lehrerin, Schulleiterin und Oberin. Nach dieser langen Zeit zog die Ordensfrau ins Pflegeheim ihres Ordens, den Armen Franziskanerinnen, in Mallersdorf. Dort verstarb sie am Donnerstag. Zur Beerdigung am Montag waren auch einige Wartenberger und frühere Schüler gekommen. Das zeigte, welch große Achtung sich die Ordensfrau in der Marktgemeinde erarbeitet hatte.

„Sie war streng aber gerecht“, sagt Georg Stöckl über Schwester Edwolda. Der Wartenberger muss es wissen, er hat Jahrzehnte lang mit ihr gearbeitet – erst als Lehrer unter ihr und ab 1988 dann als Schulleiter. Damals übernahm die bereits 73-jährige Nonne den Posten als seine Stellvertreterin. Die Arbeit als Lehrerin sei ihr einfach eine Herzensangelegenheit gewesen, erzählt Stöckl. „Von ihr habe ich gelernt, dass man von Schülern nicht nur etwas verlangen darf, sondern mit gutem Beispiel vorangehen muss“, sagt Stöckl. Das habe ihren Fleiß ebenso betroffen wie die Religiosität.

„Schwester Edwolda war ein aufrechter, wahrhaftiger und zielstrebiger Mensch“, schreibt auch die Generaloberin der Armen Franziskanerinnen, Schwester Jakobe, in ihrem Nachruf. Als Schulleitung habe sie mit Kollegen und Heimschwestern bestens zusammengearbeitet, berichtete Schwester Jakobe. Nach ihrer Pensionierung gab Edwolda ehrenamtlich Nachhilfeunterricht. „Der gute Ruf der Schule und der Erfolg der Schüler waren ihr ein Herzensanliegen“, schreibt die Generaloberin – auch noch, als sie 2003, schon gebrechlich, ins Pflegeheim St. Maria kam. Bei den Schüler habe sie als gerecht gegolten und sei sehr beliebt gewesen. Auch im Pflegeheim in Mallersdorf bekam sie immer wieder Besuch von Ehemaligen.

Als Franziska Heigl kam die spätere Nonne im Oktober 1915 im kleinen Fernsdorf im Landkreis Regen zur Welt und wuchs dort als neuntes von zehn Kindern auf. Schon nach der Schule habe das begabte Mädchen gewusst, dass es einmal Ordensfrau werden will, berichtet die Generaloberin. So bat Franziska im Alter von 15 Jahren mit Einwilligung der Eltern um die Aufnahme in die Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen. Anschließend wurde sie im Privatunterricht auf das Studium an der Lehrerinnenbildungsanstalt der Ursulinen in Landshut vorbereitet und legte 1937 die Lehramtsprüfung ab.

Im selben Jahr wurde Franziska Heigl eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Schwester Edwolda. Ihren ersten Unterricht hielt sie an der Volksschule Mallersdorf und lehrte anschließend in Parsberg an der Heimschule des Ordens.

Wegen der Zugehörigkeit zum Orden sei ihr in der Zeit des Nationalsozialismus die Ablegung der Anstellungsprüfung verweigert worden, berichtet die Generaloberin. Sie habe aber einigermaßen ungehindert in der Heimschule weiterarbeiten können. „Tapfer und mutig“, so Schwester Jakobe, habe Edwolda trotz der Kriegszeit an Mariä Himmelfahrt 1940 die Profess abgelegt.

1948, damals 33 Jahre alt, wurde Schwester Edwolda in der Internatsschule St. Josef eingesetzt. „Insgesamt 55 Jahre hindurch galt ihre ganze Kraft, ihr Wissen und Können den Jugendlichen dort, um ihnen das nötige Rüstzeug mitzugeben“, schreibt Generaloberin Jakobe. Von 1976 bis 1979 hat sie im Schwesternkonvent auch das Amt der Oberin übernommen.

Auf das Sterben habe sich Schwester Edwolda ganz bewusst vorbereitet. Es fiel ihr zwar schwer, dass sie zuletzt nicht mehr aufstehen und in die Kapelle gehen konnte. „Aber sie resignierte nicht, denn das Gebet und gute Lektüre gaben ihrem Leben bis zuletzt Erfüllung und Sinn.“

Timo Aichele

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