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Eine Zukunftsvision mit 66 unterirdischen Stellplätzen.

Marktgemeinderat

Unterirdisches Parkhaus für Wartenberg?

Wartenberg - Der Wartenberger Marktplatz ohne Autos – mit einer großen Tiefgarage könnte diese Zukunftsvision Wirklichkeit werden.

Ein großes unterirdisches Parkhaus, hineingebaut in den Nikolaiberg – diese Zukunftsvision von Architekt Franz Pezold sorgte am Dienstag im Marktgemeinderat für eine intensive Debatte. In den vorgelegten Entwurf ist eine Tiefgarage mit 66 Parkplätzen eingezeichnet. Diese Stellfläche soll helfen, den Marktplatz autofrei zu machen. Pezold will das Konzept aber ausdrücklich als „Planungsgrundlage“ verstanden wissen. Für die Zufahrt zur Tiefgarage müssten an der Nikolaibergstraße zwei historische Gebäude abgerissen werden, die Bürgermeister Manfred Ranft (FWG) für Schandflecke hält. Da erntete er keinerlei Widerspruch.

Einige Markträte fanden jedoch das Vorhaben zu gewagt und zu teuer. So begann in der Diskussion die Suche nach Alternativen – bis hin dazu, den Parkplatz beim Feuerwehrhaus aufzustocken. Der Volksfestplatz reiche als Parkmöglichkeit aus, meinte Georg Furtner (NMW). Bürgermeister Manfred Ranft (FWG) hielt dem entgegen, dass dieser nicht angenommen werde. Das wollte Furtner nicht gelten lassen. Der Platz sei gut zu erreichen und sollte vielleicht besser ausgeschildert werden.

Die Tiefgarage ist nur der prominenteste Teil eines großen Entwurfs für den ganzen Bereich rund um die Nikolaibergstraße. Das „Sanierungsgebiet“ ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Dritter Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) bezeichnete das als den richtigen Weg. Man könne hier endlich Regelungen treffen, die in die Zukunft greifen. Die Devise laute „agieren und nicht reagieren“, betonte er.

Gleichwohl zeigte sich Eduard Ertl (NMW) „sehr überrascht“ von dem Entwurf, der nach der Meinung gleich mehrerer Räte noch einige Mängel aufweist: So reiche es nicht, an einigen Stellen Straßenaufweitungen auszuweisen, war nur einer der Kritikpunkte.

Michael Gruber (SPD) störte, dass das Parkhaus errichtet wird, weil Grundstücksbesitzer ihrer Stellplatzverpflichtung nicht nachkommen. Genau das wird im Textteil des Planes angedeutet: „Verstärkung des Stellplatzdefizits durch Nachverdichtung und weitere Stellplatzablöse“ hatte Pezold als „mögliche Fehlentwicklung“ in die Unterlagen geschrieben. Als „Planungsziel“ weist der Architekt dem Parkhaus ausdrücklich diese Funktion zu: „Für abgelöste Stellplätze und zur Verlagerung des öffentlichen Parkplatzes am Marktplatz“.

Als bestehendes Defizit nennt der Planer, dass der Zieglerweg teilweise auf Privatgrund liegt. Er warnt in seinem Papier allerdings davor, dass der Verkehr durch weiteren Wohnungsbau in diesem Bereich stark zunehmen könnte. Bei den unübersichtlichen Einfahrtssituationen an der Heimstraße werde das zu Problemen führen. Sollte hier weiter verdichtet werden, so Pezold weiter, könnten darüber hinaus die darunter liegenden Bereiche des Marktes ein Hochwasserproblem bekommen, weil Versickerungsflächen fehlen.

Klaus Kuhn

„Der Marktplatz verwaist langsam“

Der Marktplatz von Wartenberg ist ganz oben auf der Agenda des Marktrates angekommen. Vorlage dafür war der von Franz Pezold vorgelegte „Bebauungsplan Nikolaibergstraße“. Die Analyse des Architekten ist schonungslos, die Liste der „vorhandenen Defizite“ so lang wie beängstigend. „Leerstand bei Gebäuden am Marktplatz, Funktionsverlust im innerörtlichen Versorgungsbereich, verfallende Gebäude, Stellplatzmangel in Kombination mit Stellplatzablöse“, heißt es im Textteil des Entwurfs. Darüber hinaus werde der Marktplatz als Parkplatz genutzt. „Die Stellplätze sollen schon seit langem verlegt werden“, ist sein Fazit.

Trotz des mit viel politischem Tamtam eingeweihten Übergangs für Rollstuhlfahrer ist das Urteil des Planers hart: „Barrierefreiheit ist nicht gegeben.“

Bei „möglichen Fehlentwicklungen“ befürchtet Pezold eine „abweichende Neubebauung“ im Bereich Marktplatz 2 und 4 und damit einhergehenden „Verlust der Platzeinfassung“. Im Fall einer Neubebauung sollte nach seinen Vorstellungen eine ähnliche Lösung realisiert werden wie etwas weiter Richtung Hotel Reiter: Dort schlägt Pezold die Realisierung von Arkaden vor. Das würde, so seine Vorstellung, auch die Engstelle am Gehweg beseitigen.

„Der Marktplatz verwaist langsam“, kommentierte Michael Paulini (SPD) die geradezu deprimierende Analyse. Zum Stichwort Funktionsverlust nannte Paulini die Schließung von Post und Drogeriemarkt. „Ist außer der Eisdiele irgendwas in den letzten 25 Jahren dazu gekommen? Ich wüsste nichts.“

Für Pezold kommen weitere Gesichtspunkte hinzu: „Die meisten Häuser sind renovierungsbedürftig, einige wurden in letzter Zeit zum Verkauf angeboten.“ An anderer Stelle schreibt er gar von „verfallenden Gebäuden“.

Paulini kritisierte aber auch den vorgelegten Planentwurf, der vorsieht, dass im Erdgeschoss von Gebäuden am Marktplatz keine Wohnungen eingebaut werden sollten, sondern Verkaufsflächen. Das reiche zu einer Belebung des Marktplatzes einfach nicht aus, provoziere möglicherweise nur weiteren Leerstand.

Dritter Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) schlug eine Analyse vor, wie der Marktplatz belebt werden könnte. Hierzu sei es vielleicht sogar hilfreich, einen externen Berater einzuschalten. Da rannte er bei Bürgermeister Manfred Ranft offene Türen (FWG) . Zur Überraschung aller verkündete er: „Ich bin schon dabei.“  klk

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