Im Haus Wartenberg leben Alkoholabhängige, die wiedereingegliedert werden sollen.
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Im Haus Wartenberg leben Alkoholabhängige, die wiedereingegliedert werden sollen.

Patientenarbeit neu geregelt

Haus Wartenberg: Von Chroma zum Förderverein

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Der Förderverein STZ Wartenberg ist ein Jahr alt. Er hatte den gemeinnützigen Verein Chroma abgelöst. Bürgermeister und Vorsitzender Christian Pröbst un Arbeitstherapeut Wolfgang Maier ziehen Bilanz.

Wartenberg – Sehr beliebt war der gemeinnützige Verein Chroma in Wartenberg. Egal, ob Bügel-, Gärtner-, Schreinerarbeiten oder die Organisation des Soafakistl-Rennens – Chroma leistete so einiges für das Allgemeinwohl. Die Arbeit übernahmen Patienten des soziotherapeutischen Heims Haus Wartenberg, eine Einrichtung für chronisch Alkoholabhängige. Doch wegen finanzieller Unsicherheiten wurde Chroma um die Jahreswende 2019/2020 aufgelöst.

Sein Nachfolger, der Förderverein STZ Wartenberg e. V., hat kürzlich ersten Geburtstag gefeiert. Vorsitzender und Bürgermeister Christian Pröbst, und sein Stellvertreter Wolfgang Maier, Arbeitstherapeut im Haus Wartenberg, ziehen Bilanz.

Doch zunächst zurück zur Entwicklung um den Vorgängerverein: Im Oktober 2018 entzog das Haus Wartenberg Chroma seine Unterstützung. Der Träger des Hauses, die STZ Heide GmbH, teilte damals mit, dass für die Bürger nicht immer klar sei, ob eine Dienstleistung vom Verein erbracht werde oder von den Patienten beziehungsweise Therapeuten des STZ.

Das Problem: Die über den Bezirk refinanzierte soziale Einrichtung darf keine Einnahmen haben. Vor diesem Hintergrund war Chroma gegründet worden: Die Patienten sollten in den Werkstätten des Hauses – angespornt durch einen geringen Lohn – therapeutisch wertvollen Beschäftigungen wie Schreiner- oder Schlosserarbeiten nachgehen. Die Produkte wurden verkauft, auch Privatpersonen erfreuten sich daran und gaben gerne Geld. Letztlich wurde dem Träger aber die Unterscheidung zwischen Dienstleistungen von Chroma und des Hauses Wartenberg zu heikel. Ein Förderverein sollte für Klarheit sorgen.

Chromas Auflösung zog sich etwas hin, genauso die Gründung des Fördervereins. „Da kam die ganze Corona-Gaudi dazwischen“, sagt Pröbst, der auch Liquidator für die Auflösung von Chroma war.

Wie Pröbst und Maier erklären, gibt es nun keine Rechnungen und auch keine größeren Auftragsarbeiten wie Schlossern, Bügeln oder Schreinern mehr. Es werde nur noch auf Basis von Spenden gearbeitet. Am Friedhof stutzen die Patienten beispielsweise die Hecken und Bäume, und im Winter räumen sie die Wege frei. Außerdem kümmern sie sich um die Grünflächen am Marktplatz oder an der Oberen Hauptstraße. Im Herbst entfernen sie das Laub von den Spielplätzen. „Die Gemeinde unterstützt, wenn zum Beispiel Werkzeug kaputtgeht“, sagt Pröbst. Im Privaten würden die Patienten auch weiter noch etwa den Rasen von Bürgern mähen oder ein Vogelnest bauen – nun eben im Rahmen der Arbeitstherapie gegen eine kleine Spende. Die Therapiezeiten des Hauses müssen dabei eingehalten werden. Für die Patienten seien solche Außenarbeiten auch schön, weil sie raus kämen, mal was anderes sähen als nur ihre Werkstatt.

„Es sind bei weitem nicht mehr die Umsätze wie früher“, betont Pröbst. Und wenn etwas Geld übrig bleibe, dann könne der Verein den Bewohnern über das Spendenkonto wieder was Gutes tun. Und das wesentlich schneller als über einen Zuschussantrag beim Bezirk oder Träger. Da würden 1000 Euro schon mal zwei Jahre auf sich warten lassen.

Gute Taten für die Bewohner des Hauses sind etwa Blumen für den Garten, neue Wege, ein Grillplatz oder ein Grillfest – all das wurde im ersten Vereinsjahr schon umgesetzt. Für die Zukunft angedacht sind ein Dach für den Grillplatz, gebaut von der Metallwerkstatt des STZ, zwei Tischtennisplatten, Ausflüge, ein Tag der offenen Tür, ein Stand auf dem Nikolausmarkt oder Verköstigung durch einen Foodtruck.

Im Haus Wartenberg leben – teils schon seit bis zu zehn Jahren – chronisch und mehrfach beeinträchtigte Alkohol- und Drogenabhängige. Das Heim verfügt über Heimplätze sowie eine angeschlossene Übergangseinrichtung. Seit 2012 gibt es therapeutische Wohngemeinschaften, seit 2017 eine intensiv betreute Soziotherapie – der beschützte Bereich. Durch die Soziotherapie sollen Menschen Zeit bekommen, sich wieder zu stabilisieren, und lernen, ein zufriedenes Leben ohne Alkohol zu führen. Der beschützte Bereich – die Patienten befinden sich dort auf richterlichen Beschluss – zählt 36 Plätze, der offene 64.

Der neue Förderverein zählt derzeit rund 20 Mitglieder, ordentliche Mitglieder zahlen zehn Euro Beitrag jährlich, Fördermitglieder 20 Euro. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen.

Markus Schwarzkugler

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