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Unrat in Schwarz-Weiß: Klaus Kuhn hat mit seiner Ausstellung auch MdL Ulrike Scharf beeindruckt.

Unser Reporter Klaus Kuhn präsentiert Bilder im evangelischen Gemeindezentrum in Wartenberg

Interview zu Plastikmüll-Fotoausstellung: Die Ästhetik des Hässlichen

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Plastikmüll ist nicht nur nicht schön, sondern ein handfestes weltweites Problem, eine aberwitzige Verschwendung von Ressourcen“, sagt Klaus Kuhn. Der 58-Jährige aus Wang (Kreis Freising) schreibt nicht nur für unsere Zeitung, er ist auch leidenschaftlicher Fotograf. Egal, ob in Wartenberg, oder in Italien – Kuhn hat Müll mit all seinen hässlichen Fratzen abgelichtet. Ein Interview.

Wartenberg – Zu sehen sind die Fotografien noch bis Karfreitag – möglicherweise wird die Ausstellung aber noch verlängert – im evangelischen Gemeindezentrum in Wartenberg. In der Passionszeit kombiniert die Ausstellung Müll mit der Verantwortung für die Schöpfung.

Unappetitliche Bilder von Müll mit der Schöpfung verweben: Wie kam Ihnen diese Idee, Herr Kuhn?

Bei mehreren Urlauben in Italien hat mich der herumliegende Plastikmüll zunächst einfach nur aufgeregt. Dann aber habe ich beschlossen, diesen groß und dominant fotografisch in Szene zu setzen. Meine Familie hat sich erst aufgeregt, dass Papa sich im Urlaub auf so negative Dinge konzentriert, hat dann aber verstanden, dass das Sinn machen kann. Als dann die Altstadtförderer in Moosburg für die Mitgliederausstellung das Thema „Fundstücke“ festlegten, stand für mich sofort fest, welche ich zeigen werde. Zugleich habe ich aber auch Möglichkeiten gesucht, das Thema zu einer Einzelausstellung auszubauen.

Wann sind die Bilder entstanden?

Die 20 großformatigen Schwarz-Weiß-Arbeiten entstanden vor allem 2019 an der Adriaküste, in der Emilia Romagna in der Region Ravenna, aber auch im Herbst 2019 und Frühjahr 2020 in Wartenberg, München und Moosburg, als klar war, dass das Projekt mit der evangelischen Kirche in Wartenberg realisiert werden konnte.

Erklären Sie Ihr Konzept.

Von Anfang an wollte ich die Fundstücke so wie aufgefunden ablichten, bewusst ohne jede Veränderung. Ich wollte durch die bodennahe Perspektive und die teils gewaltige Vergrößerung gegenüber dem Original die Bedrohung versinnbildlichen. Teilweise habe ich eine Kuhle für die Kamera gebuddelt, um das Stück Müll sogar aus der Untersicht auffassen zu können. Pfarrer Steffen Barth entwickelte dann mit mir den Gedanken, daran das Thema „Verantwortung für die Schöpfung“ in der Passionszeit aufzuhängen. In seiner Predigt hat er das auch getan. Zu sehen sind übrigens unter anderem ein Puppenbein, fotografiert ausgerechnet auf der Isola d’amore, der Liebesinsel bei Goro, und ein gewaltig vergrößerter Zigarettenstummel. Die sind Plastikmüll, was viele nicht wissen.

Dummerweise kam Corona dazwischen. Kann die Bilder jetzt eigentlich irgendwer anschauen?

Das hängt davon ab, wie das Gemeindezentrum geöffnet hat, vielleicht vorher Kontakt aufnehmen.

Wollen Sie die Ausstellung wiederholen, wenn die Beschränkungen aufgehoben sind?

Auf jeden Fall. Jeder, der die Bilder zeigen möchte, ist eingeladen, mit mir Kontakt aufzunehmen. Die frühere Umweltministerin Ulrike Scharf hat sich bereits interessiert gezeigt, was mich sehr freut.

Hat’s Ihnen beim Fotografieren eigentlich gegraust?

Und ob! Aber es ist politische Kunst. Sie folgt nicht immer den Gesetzen der Ästhetik. Vielleicht darf sie das nicht einmal. Politische Kunst hat einen anderen Zweck. Sie will aufrütteln, nachdenklich machen. Die von mir bereits ausgestellten Bilder aus dem Frauen-KZ Ravensbrück waren ja auch alles andere als erbaulich. Wenn ich im engeren Sinn „schöne“ Bilder machen möchte, gehe ich mit einem Modell in mein Studio.

Interview: Markus Schwarzkugler.

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