Die Fassade ist jetzt erkennbar: Fast komplett abgebaut worden ist mittlerweile das Gerüst um den Erweiterungsbau am Südwestflügel der Klinik Wartenberg. 47 neue Patientenzimmer bedeuten auch einen höheren Bedarf an Mitarbeitern.
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Die Fassade ist jetzt erkennbar: Fast komplett abgebaut worden ist mittlerweile das Gerüst um den Erweiterungsbau am Südwestflügel der Klinik Wartenberg. 47 neue Patientenzimmer bedeuten auch einen höheren Bedarf an Mitarbeitern.

Versorgungsanalyse bald im Gemeinderat – Klinik: Projekt bringt Azubis aus Marokko

Wartenberg sucht Ärzte und Pfleger

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Wie kann das medizinische Angebot in Wartenberg ausgebaut werden? Sowohl die Gemeinde als auch die Klinik arbeiten fleißig daran.

Wartenberg – Spannend wird’s in der übernächsten Sitzung des Wartenberger Marktrats. Dann werden dort voraussichtlich die Ergebnisse der Versorgungsanalyse erstmals öffentlich präsentiert. Es geht um die Frage, wie das medizinische Angebot im Ort verbessert werden kann. Dass Luft nach oben herrscht, ist unbestritten, was auch die Sommerferien gezeigt haben. Nach Informationen unserer Zeitung gab es in diesem Zeitraum sogar eine Woche, in der urlaubsbedingt kein niedergelassener Arzt tätig war.

Allzu viel kann Bürgermeister Christian Pröbst im Gespräch mit unserer Zeitung noch nicht verraten, er verspricht aber, „dass wir für Lösungsansätze schon im Gespräch sind mit einigen ortsansässigen Ärzten“. Der neue Arbeitskreis Gesundheit (wir berichteten) habe erstmals getagt und werde das kommende Woche erneut tun. „Alle Fraktionen suchen nach Lösungen“, betont Pröbst.

Eine erste Lösung zur Verbesserung des Angebots war die Ansiedlung von Orthopäde Dr. med. Kilian Veith. Nachdem eine Containerlösung gescheitert war, kam dieser bekanntlich in den Räumlichkeiten der Klinik Wartenberg unter und eröffnete dort zum 1. März seine Praxis.

À propos Klinik: Auch dort wird regelmäßig nach Ärzten und Pflegern Ausschau gehalten. „Die Suche im ärztlichen Bereich hat aktuell Erfolg gezeigt“, berichtet Klinik-Pressesprecherin Irene Hilf auf Nachfrage. Nachdem die Liste schon etwas länger gewesen ist, wird ihr zufolge aktuell nur noch ein Leitender Oberarzt gesucht – und zwar ein Internist und Geriater. „Das ist eine neue Stelle, die sich aufgrund der Entwicklung unserer Strukturen ergibt“, berichtet Hilf. Aktuell beschäftige die Klinik 20 Ärzte, davon 13 im Assistenzarzt- sowie sieben im Fach-, Chef- beziehungsweise Oberarztbereich.

Corona hat die Personalsuche auf der einen Seite erschwert. „Stellenwechsel sind in dieser Zeit nicht so beliebt“, sagt Hilf. Auf der anderen Seite habe die Klinik aber auch von Schließungen anderer Häuser oder Abteilungen profitiert. Ein weiterer Grund für immer wieder neue freie Stellen sei die beliebte Weiterbildung von Allgemeinmedizinern für ein Jahr in der Klinik Wartenberg. „Nach diesem Jahr begeben sich viele in eine Praxis, und die Stellen müssen dann immer wieder auch besetzt werden. Das ist aber kein neues Phänomen“, so die Sprecherin. Insgesamt sind in der Pflege in Wartenberg rund 140 Personen beschäftigt.

Zwei neue Personalwohngebäude hat die Klinik nicht zuletzt deshalb auf dem Bründlhof-Areal errichtet. Sie bringen es zusammen auf 43 Wohnungen. Eingezogen sind dort kürzlich auch sechs Pflege-Auszubildende aus Marokko.

Der 23 Millionen Euro teure Anbau am Südwestflügel der Klinik bedeutet auch einen höheren Mitarbeiterbedarf. Die beiden neuen Personalwohngebäude (sieben Millionen Euro) auf dem Bründlhof-Areal mit insgesamt 43 Wohnungen sind zu einem großen Teil bereits bewohnt. Einige der Ein-Zimmer-Apartments wurden erst kürzlich bezogen, und zwar von sechs jungen Marokkanern, die ihre generalistische Ausbildung in der Pflege zum 1. September gestartet haben – eine Frau und fünf Männer. Die Klinik hat sie über das Projekt „Triple Win“ angeheuert – seit einigen Jahren kooperiert sie hier mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Eine Kooperation gibt es auch mit der Heimerer-Schule im Kosovo.

Das Pflegepersonal fällt bekanntlich nicht gerade vom Himmel. Insbesondere im Pflegebereich, sagt Hilf, nimmt die Bereitschaft zu, „häufiger auch den Arbeitsplatz zu wechseln beziehungsweise ganz aus diesem auszuscheiden“.

Bei der Suche nach Ärzten steht die Klinik, die insgesamt rund 300 Arbeitskräfte zählt, in Konkurrenz zu größeren Häusern. Ein Vorteil des Wartenberger Hauses, den Chefarzt Dr. Klaus Friedrich Becher sieht, ist, dass man dort nicht auf eine kurze Verweildauer der Patienten ausgerichtet ist, sondern junge Ärzte mehr Zeit hätten für ihre Patienten, speziell die älteren.

„In der Rehabilitationsmedizin steht die Stabilisierung, Festigung beziehungsweise Wiedererlangung der körperlichen Belastbarkeit und seelischen wie auch geistigen Fähigkeiten im Vordergrund, um den Alltag wieder bewältigen zu können“, erklärt Hilf dazu. Anders eben als in der Aktumedizin, wo die durchschnittliche Verweildauer sieben Tage pro Patient betrage. In der Reha seien es rund 20 Tage.

Gerade eben erst ist übrigens das Gerüst um den Erweiterungsbau am Südwestflügel der Klinik fast komplett verschwunden, die Fassade nun schön erkennbar. 47 Patientenzimmer verteilen sich auf vier Ebenen. Die drei neuen akutgeriatrischen Stationen – auf jedem Stockwerk eine – sind seit Ende Mai in Betrieb.

Ende September/Anfang Oktober soll dann noch die Palliativstation ins Erdgeschoss umziehen, dann können deren Patienten künftig in ihren Betten ins Freie geschoben werden. Hilf zufolge muss außerdem noch der Park rund um die Baustelle neu angelegt werden – „mit Wegen, die für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren geeignet sind. Der Park war und ist einer der großen Pluspunkte des Hauses“, sagt sie.

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