Hier entstehen die edlen Wartenberger Brände: Schnapsbrenner Rudi Gumplinger mit Gattin Gertrud in ihrer Brennerei. Die Messlatte dient zum Abmessen der Maische-Menge im Fass.  Foto: Peter Gebel
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Hier entstehen die edlen Wartenberger Brände: Schnapsbrenner Rudi Gumplinger mit Gattin Gertrud in ihrer Brennerei. Die Messlatte dient zum Abmessen der Maische-Menge im Fass.

Rudi und Gertrud Gumplinger aus Wartenberg geben Einblicke in ihre Brennerei

Wie aus Äpfeln edle Brände werden

  • vonGerda Gebel
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In der Brennerei von Rudi und Gertrud Grumplinger in Wartenberg entsteht unter anderem der Erdinger Bürgermeisterbrand.

Wartenberg – Ein großer Obstgarten mit Bäumen voller reifer Früchte ist ein wahrer Segen, doch schon bald kommt die Frage auf: Wohin mit dem ganzen Obst? Bei Rudi und Gertrud Gumplinger aus Wartenberg entstehen daraus köstliche Obstbrände in der eigenen Brennerei.

Ursprünglich waren es die Bienen, für die Rudi Gumplinger seine ersten Obstbäume gepflanzt hat. Auf der großen Wiese bei Weipersdorf in bester Südhanglage entstand so mit der Zeit ein Bienen-Paradies mit Apfel- und Birnbäumen, die dem Hobbyimker guten Honig bescherten. Doch auch die Früchte wollten verarbeitet werden.

Gertrud Gumplinger hatte damals einen Film übers Schnapsbrennen gesehen und befunden, das wäre doch sehr romantisch, gemeinsam zu brennen – also wurde eine Brennerei gekauft. Dass das Brenngeschäft nicht ganz so romantisch ist, hat der Maschinenbautechniker im Ruhestand schnell erkannt. „Zuerst braucht man ein Brennrecht“, erklärt der 66-Jährige. Beantragt wird das beim zuständigen Hauptzollamt. Neben einem Bestand an eigenen Obstbäumen und einwandfreiem Leumund muss im nationalen Kontingent etwas frei sein, dann kommt der Zoll zur Kontrolle vorbei.

Brennrecht für 300 Liter Alkohol

Gumplinger hat ein Brennrecht für 300 Liter Alkohol. Jeder Brennvorgang muss beim Zoll angemeldet werden mit der Menge der Maische, aus der dann die zu bezahlende Branntweinsteuer errechnet wird. Damit die Brenner nicht ohne Genehmigung „schwarz“ brennen, wird die Anlage vom Zoll verplombt. „Erst wenn die Genehmigung erteilt ist, darf man die Plombe abnehmen“, erläutert der mittlerweile versierte Schnapsbrenner.

Das nötige Knowhow dazu haben die Gumplingers bei mehreren Lehrgängen in der Hofbrennerei Oberkorb von Andreas Franzl erlernt. Mitfahren musste dazu auch die Tochter, denn „da sind viele Verkostungen erforderlich, da ist man nachher nicht mehr nüchtern“, erzählt Rudi Gumplinger schmunzelnd.

Vor den Brennvorgängen steht im Herbst die große Obsternte an, die bei 80 Obstbäumen und handgeernteten Früchten durchaus Arbeit macht. „Wir verwenden nur gutes Obst von der Sonnenseite, kein Schatten- und kein Fallobst, das könnte durch die Bodenbakterien zu Fehlgärungen führen“, erläutert Gumplinger, der sein Bio-Obst auch an die Firma Tagwerk verkauft. Ab November bis in den März hinein stehen in der Brennerei in Wartenberg pro Woche ein bis zwei Brennvorgänge an.

Drei Stunden für Raubrand, sechs Stunden für Feinbrand

Zunächst werden die Äpfel eingemaischt, zuvor schlechte Stellen ausgeschnitten. Durch einen großen Mixer getrieben, entsteht die Maische. Es kommen genfreie Hefe und Schwefelsäure dazu, dann gärt die Maische rund fünf Wochen in großen Fässern bei Temperaturen um 16 Grad. „Bei uns kommen keine Geschmacksverstärker dazu“, stellt Gumplinger klar, der als Biolandbetrieb nur eigenes oder fremdes Bio-Obst verarbeitet.

Die Maische wird in die Brennblase eingefüllt, darunter der Ofen gut angeheizt. Nach einiger Zeit entweicht der Alkoholdampf oben in den Helm, durch den Dephlegmator (ähnlich wie ein Kondensator) über das Geistrohr strömt der Dampf über den Kühler wieder nach unten und tropft in einen Eimer. Nicht verwendet werden Vorlauf und Nachlauf, da diese den Geschmack des Schnapses beeinträchtigen.

Beim Brennen der Maische entsteht der Raubrand, der noch einmal gebrannt wird zum zweiten Brand oder auch Feinbrand. „Beim Feinbrand braucht man Gefühl, den muss man langsam und schonend erhitzen und darf keinen Fehler machen, sonst entweichen die Aromastoffe“, weiß Gumplinger. Dauert der Raubrand etwa drei Stunden, muss man für den Feinbrand sechs Stunden einplanen. „Zwischen den Brennvorgängen heißt es kräftig putzen“, erzählt Gertrud Gumplinger. Mit einer Bürste werde die noch warme Brennblase sorgfältig gesäubert, „da kommt man schon ins Schwitzen“, meint die 63-Jährige.

Gemeinsames Hobby nicht so romantisch wie gedacht

Gelagert wird der hochprozentige Alkohol in Glasballons, auch jahrelange Lagerung ist kein Problem und verbessert sogar das Aroma. Bei Bedarf kommt der Ballon für eine Woche in die Gefriertruhe zum Kühlen, dann steht die Filterung an. Ganz zum Schluss erfolgt das Verdünnen auf die gewünschten 42 Prozent mit entkalktem Wasser. Der Brenner prüft den Geschmack und füllt in Flaschen ab. Auch zur Dokumentation und Etikettierung gibt es genaue Vorschriften, um die Nachverfolgung zu gewährleisten.

Hauptabnehmer für den Schnaps aus Wartenberg ist die Firma Tagwerk, die Gumplingers Apfelbrand vertreibt, doch er darf auch frei verkaufen. Daneben stellte er den Erdinger „Bürgermeisterbrand“ aus Birnen des Tiermalers Franz-Xaver Stahl her, den Erdings OB zu besonderen Anlässen verschenkt.

Trotz der vielen Arbeit mit den Obstbäumen empfindet Rudi Gumplinger die Schnapsbrennerei als sehr befriedigend. „Es redet mir keiner drein, und es ist schön, wenn ein guter Brand entstanden ist“, sagt der ehemalige Betreiber des Kiosks am Thenner Weiher, der stolz ist auf sein eigenes Brenngut. Seine Frau freut sich über das gemeinsame Hobby, auch wenn es nicht so romantisch ist wie gedacht. „Es ist auch gut, wenn alles Obst verwertet wird, auch das optisch nicht ganz perfekte“, meint sie. Sogar die Maische könne als Düngung für die Felder dienen.

Ihre restliche Freizeit teilt das Ehepaar zwischen den beiden Töchtern, den vier Enkeln, einigen Bienenstöcken, einer kleinen Kuhherde und zwei Haflingern auf.

Gerda und Peter Gebel

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