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Die Pesenlerner werden ungeduldig: Bei der Infoveranstaltung war volles Haus.

Hochwasserschutz in Pesenlern

„Wild abfließendes Wasser“

Um es mit Goethe zu sagen. „Der Worte sind genug gewechselt. Lasst mich auch endlich Taten sehn!“ Dieser Satz des Dichterfürsten passt hervorragend auf die Debatte zum Hochwasserschutz in Pesenlern. Die Informationsveranstaltung im Gasthaus Bachmaier zu dem Thema war stark besucht. Marlene Eccardt vom Planungsbüro Blasy & Øverland stellte die Grundzüge der Planung vor, mit der die Gemeinde Anfang 2019 ins Planfeststellungsverfahren einsteigen will.

von Klaus Kuhn

Wartenberg – Nur mit einem solchen Verfahren lässt sich nach übereinstimmenden Aussagen von Planerin und Bürgermeister Manfred Ranft ein zentrales Ärgernis beseitigen: eine Furt im Süden von Pesenlern, die der dortige Grundeigentümer gerichtlich gegen die Gemeinde erstritten hat. Die Planerin weist nach, dass diese die Hochwassersituation drastisch verschärfe. Genau hier vermuten nun die Ingenieurin wie auch der Rathauschef den größten Widerstand.

Die Versammlungsteilnehmer zeigten sich angesichts der Erkenntnisse überzeugt, dass die Furt beseitigt werden müsse. Der Eigentümer war nicht erschienen, wie Ranft nach einem Blick in den Saal feststellte.

Insgesamt hat sich am Konzept im Vergleich zu den ersten Entwürfen von vor einigen Jahren wenig verändert. Das Verständnis der Betroffenen für die lange Planungszeit hielt sich schon deshalb in Grenzen. „Es gibt gewisse Erkenntnisse, die haben wir seit 2013, aber die haben sich nicht umsetzen lassen“, kommentierte Ranft. Das habe damit zu tun, dass das Wasserwirtschaftsamt die Planung der Gemeinde seinerzeit nicht akzeptiert habe.

Es gab viele Wortmeldungen, die aber alle das Konzept selbst nicht grundsätzlich infrage stellten. So setzte sich Georg Rott beispielsweise leidenschaftlich dafür ein, vorhandene Gräben zu räumen. Mit dem Kaisergraben beispielsweise wird das laut Ecchardt auch passieren, um hier die Abflussleistung zu erhöhen. Bei vielen anderen aber musste Ranft passen: Privatbesitz.

Der Rest der Maßnahmen ist bekannt: Anhebung von Straßen, um eine Dammwirkung zu erzielen, teilweise deutliche Aufweitung von Durchlässen, in einigen Bereichen Sicherung und Vergrößerung von Stauräumen.

In das Konzept einzuarbeiten sind noch neue Erkenntnisse zu Starkregenereignissen. Denn das Hochwasser, das aus überbordenden Gewässern heraus eine Gefahr für Pesenlern darstellt, lässt sich nach dem Entwurf in den Griff bekommen. Noch stellt aber „wild abfließendes Wasser“ ein handfestes Problem dar. Die zunehmende Versiegelung könnte zudem die bisherige Praxis infrage stellen, Dachflächenwasser versickern zu lassen.

Es gibt einen Oberflächenentwässerungskanal, aber es muss noch mehr passieren. „Es bleibt noch ein Rest“, erläuterte Planerin Ecchardt in der Versammlung. Denn die Gebäudeflächen wurden bisher in der Planung nicht berücksichtigt. So wird darüber nachgedacht, unter der Ortsdurchfahrt hindurch das Wasser, das sich in einer Senke im Bereich des Feuerwehrhauses sammelt, abzuführen. Unter Umständen müsse in Teilbereichen von Pesenlern auch mit Einzelschutzmaßnahmen gearbeitet werden, so die Planerin, die aber dies ausdrücklich als eine erste Überlegung bezeichnete.

Der Bürgermeister erinnerte in diesem Zusammenhang auch an neuere Erkenntnisse aus der Wetterforschung. So gebe es zunehmend Starkregenereignisse, die über einem teilweise eng begrenzten Bereich stehen bleiben. Bei dem neuen Zuschussprogramm der Staatsregierung für Planungen in diesem Problemfeld hat die Nachbargemeinde Fraunberg bereits zugegriffen. Die Befürchtungen für Pesenlern sehen jetzt so aus, dass das Versickern von Dachflächenwasser in einem Fall solcher massiver Starkregenereignisse nicht funktioniert, weil der Boden übersättigt ist. „Das ist ein neues Phänomen“, sagte Ranft.

Zudem müssen die Wartenberger der simplen Erkenntnis Tribut zollen, dass Wasser bergab fließt. Die Fluten landen in der Strogen, und strogenabwärts liegt Langenpreising. In der Versammlung begriffen die Bürger blitzschnell, dass das zum Thema werden könnte.

Nach dem Konzept von Eccardt soll das Wasser deshalb nicht einfach von oberhalb Pesenlern bis zur Strogen durchrauschen. Abflussdrosseln und Rückstaubereiche sind Bestandteil ihrer Planung. Und doch muss das Wasser irgendwie weg.

An dieser Stelle überraschte Ranft mit einem Detail: Die Forderung aus der Bürgerschaft, auch die Abflussleistung der Strogen durch Entschlammen zu verbessern, beantwortete er mit: „Da sind wir dran.“ Hier sei er mit seinem Amtskollegen Peter Deimel in Langenpreising im Gespräch. Mehr noch: Beide Bürgermeister machen die Erfahrung, dass die Wasserwirtschaftsverwaltung solche Maßnahmen offenbar nicht so gerne sieht. Ranft: „Die sind da etwas zögerlich.“

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