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Wildernde Hunde werden zum Problem

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Warnung vor drastischeren Folgen: Der Markt Wartenberg wird gegen wildernde Hunde aktiv. Der Kreisvorsitzende des Jagdverbands registriert das mit Interesse. Unser Bild entstand unweit der Auerbacher Skisprungschanze.
Warnung vor drastischeren Folgen: Der Markt Wartenberg wird gegen wildernde Hunde aktiv. Der Kreisvorsitzende des Jagdverbands registriert das mit Interesse. Unser Bild entstand unweit der Auerbacher Skisprungschanze. © Klaus Kuhn

Jäger warnen schon seit geraumer Zeit: Seit Corona hat sich der sogenannte Freizeitdruck auf den Wald erhöht. Soll heißen: Die Menschen sind in der Pandemie, auch verbunden mit Lockdowns, verstärkt in der Natur unterwegs. Die Gefahr beim Gassigehen jedoch: Hunde könnten wildern, sprich Wildtiere anfallen. Eine Thematik, die auch in Wartenberg bekannt ist.

Wartenberg/Landkreis – Im Ortsteil Auerbach verstärkt, aber auch in anderen Teilen des Gemeindegebiets hat der Markt Schilder mit deutlichen Worten montiert, auf denen gedroht wird, dass wildernde Hunde abgeschossen werden dürfen.

Das entspricht der Rechtslage, auch wenn es auf den ersten Blick brutal klingt. Das weiß auch Thomas Schreder, Erdings Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands. Auf Nachfrage unserer Zeitung registriert er mit Interesse, dass der Markt und nicht etwa die Jäger in Wartenberg tätig geworden ist. Die Schilder sollen übrigens ohnehin wieder abgebaut werden, und zwar wegen einer Kleinigkeit nach Absprache mit dem Landratsamt. Bürgermeister Christian Pröbst sagt dazu: „Da haben sich halt ein paar aufgeregt.“ Sollten die Tafeln wieder aufgehängt werden, muss ihm zufolge nämlich „Markt Wartenberg“ durch „Der Jagdvorsteher“ ersetzt werden.

Schreder und Pröbst, der selbst schon einen Hundehalter persönlich zurechtgewiesen hat (wir berichteten), bestätigen, dass es in diesen Teilen des Marktgebiets zu einem Problem geworden ist. „Wir haben hier vermehrt Zurufe, dass Hunde gewildert und beispielsweise ein Rehkitz gerissen haben“, so Schreder. Er wollte aber die Sache unbedingt differenziert betrachtet wissen: „95 bis 98 Prozent der Hundehalter sind korrekt und halten sich an die gesetzlichen Bestimmungen. Und wegen der restlichen zwei bis fünf Prozent gibt es dann solchen Ärger.“ Und dieser wiederum sei geeignet, das Image der Hundehalter insgesamt zu beschädigen.

Und noch etwas stellte Schreder klar: Kein Jäger schieße gerne einen Hund ab, nicht zuletzt, weil praktisch jeder Jäger auch selbst einen habe. Der Griff zur Waffe und der gezielte Schuss sei gewissermaßen die Ultima Ratio, und das sei auch im Gesetz so verankert. Schreder kennt die Bestimmungen auswendig: „Der Jäger muss den Hund beim Wildern antreffen, beispielsweise vom Hochsitz aus.“ Sodann müsse klar sein, dass nur durch diesen Schuss beispielsweise das Rehkitz gerettet werden könne. In einem solchen Fall werde der Jäger auch tatsächlich schießen. „Dann läuft das Rehkitz weiter, und der Hund ist tot.“

Was den Hundehalter dann erwartet, wird auf den Warnschildern des Marktes nur angedeutet. „BR24“ nennt ein Bußgeld in Höhe von 5000 Euro, wenn ein Halter seinen Hund „außerhalb seines Einwirkungsbereichs“ frei herumlaufen lasse. Da müsse der Hund noch nicht mal wildern. Würden Wildtiere verletzt oder gar getötet, habe der Jagdpächter einen Schadensersatzanspruch gegen den Halter – vom Bußgeld, im Wiederholungsfall sogar der Strafanzeige mal ganz abgesehen. Und: Nach einem solchen Vorfall kann der Hund als „gefährlich“ eingestuft werden, mit allen Folgen.

Auch das Rechtstipp-Portal „anwalt.de“ nennt den Abschuss als letzte Option. Wohl aber kann der Jagdpächter mit Unterlassungsklage auch zivilrechtlich gegen den Hundehalter vorgehen. Es geht noch drastischer: Ein Halter, dessen Hund ein Kitz gerissen hat, ist wegen „besonders schwerer Jagdwilderei“ zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt worden. Das Urteil des Amtsgerichts Schwandorf (Oberpfalz) vom August ist nach einem Bericht von „Jagd erleben“ allerdings noch nicht rechtskräftig.

Klaus Kuhn

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