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Über die Arbeit im Camp Shelterschleife sprachen (v. l.) SPD-Kreisrätin Ulla Dieckmann, die neue stellvertretende Camp-Leiterin Nina Solke, Stefan Sturm vom Roten Kreuz, MdB Ewald Schurer, Nadja Müller von der Flüchtlingshilfe Erding, Camp-Leiter Volker Grönhagen sowie Horst Schmidt, Benedikt Brüning und Martin Kern (alle SPD).

Warteraum Asyl

Immer weniger Flüchtlinge unregistriert

Erding - Von einer positiven Entwicklung im Camp Shelterschleife berichtet Leiter Volker Grönhagen. Nach grenznahen Kontrollen durch die Bundespolizei sinke der Anteil der Registrierungs-Verweigerer.

Eine hundertprozentige Registrierung aller Flüchtlinge direkt bei der Einreise – das ist das Ziel eines frisch verabschiedeten Bundesgesetzes. Mitte des Jahres soll die Regelung greifen. Auch für das Camp Shelterschleife in Erding wird das Änderungen bringen. Denn das Lager dient als „Überlauf“ für alle Asylbewerber, die an der Grenze nicht versorgt werden können. Schon jetzt sinke die Zahl der Asylbewerber, die sich nicht registrieren lassen wollen, berichtete gestern Camp-Leiter Volker Grönhagen dem Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer und örtlichen SPD-Lokalpolitikern bei einem Besuch.

Die lückenlose Registrierung ist auch Schurer ein großes Anliegen. Eine mangelnde Kontrolle in diesem Bereich „kann sich eine Gesellschaft auf die Dauer nicht leisten“, ist er überzeugt.

 „Heute Nacht hatten wir das erste Mal eine Null bei den Registrierungsunwilligen“, sagte Grönhagen. Etwa 80 000 Menschen haben das Lager im Fliegerhorst Erding nach seinen Worten bereits durchlaufen. Insgesamt ein bis fünf Prozent hätten sich nicht registrieren lassen. Dieser Anteil bezieht sich allerdings nur auf die erwachsenen Flüchtlinge. Kinder unter 14 Jahren werden überhaupt nicht erkennungsdienstlich behandelt, unbegleitete Minderjährige auch nicht.

Die grenznahe Überprüfung funktioniere immer besser, meinte Grönhagen. „Nicht registrierungswillige Flüchtlinge werden zurück nach Österreich geschickt“, sagte er. Das Ergebnis: Nach Erding würden immer weniger Asylbewerber kommen, die nicht kooperieren.

Polizeiliche Kompetenzen hat aber keine der vertretenen Institutionen im Camp Shelterschleife, auch nicht die Bundeswehr. Daher würde sich Grönhagen sehr über Präsenz von Bundespolizei im Fliegerhorst freuen. „Das wäre ein Traum für uns“, sagte er. Das ist gesetzlich allerdings nicht möglich. Ansonsten kooperiere das Lager sehr gut mit der örtlichen Polizei. Zukünftig – wenn die 100-prozentige Registrierung greift – könnte den Ordnungshütern vor Ort die Aufgabe zukommen, unkooperative Flüchtlinge zur Grenze zu fahren, meinte Grönhagen.

Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sei aber sehr gut, erklärte Nina Solke, die neue stellvertretende Camp-Leiterin. „Die meisten Flüchtlinge wollen einen schnellen Asylprozess. Das Argument wirkt Wunder.“

Eines macht den Camp-Leitern vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge allerdings Sorge: Mitte des Jahres sollen die Gebirgsjäger, die bisher die Registrierung durchführen, abgezogen werden. Fliegerhorst-Kommandeur Oberst Markus Alder habe dabei Unterstützung zugesichert, sagte Schurer dazu. Ein Abgleich der Daten mit Ausweisdokumenten ist laut Grönhagen nur bei etwa der Hälfte möglich. Die anderen hätten keine Papiere oder würden sie nicht zeigen. „Wir können niemanden dazu zwingen“, sagte der Leiter. 20 bis 25 Prozent würden das Camp selbstständig verlassen.

 „Momentan haben wir den Nachzug der Familien“, sagt der Camp-Leiter. Von den etwa 1200 Leuten pro Nacht seien derzeit die Hälfte Kinder. Auch viele Frauen und ältere Menschen seien darunter. Wegen immer häufigeren Krankheiten „haben wir den Prozess angepasst und die medizinische Abteilung ganz an den Anfang gesetzt“. Viele würden unter Dehydration, Hunger, Schlafentzug oder Ermüdungsbrüchen leiden.

Timo Aichele

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