Mein Gott, wos hob i do? Der Grundnerhof-Bauer (Michael Schlickenrieder) lässt sich in seiner Verzweiflung zu einer schwerwiegenden Tat verleiten. Foto: aicher

Wasentegernbacher Weihnachtstheater: Bedrückender Anfang, lustiges Ende

Wasentegernbach - „Oh du Fröhliche“ konnte bei der Premiere des Weihnachtstheaters des Trachtenvereins Almenrausch Wasentegernbach 2. Weihnachtsfeiertag im Trachtenheim ganz und gar nicht gesungen werden. Zumindest nicht am Anfang.

Dass die Stimmung anfangs nicht fröhlich war, lag nicht etwa daran, dass die Darsteller sich nicht ins Zeug gelegt und ihre zum Teil depressiven und verrückten Charaktere glaubhaft dargestellt hätten. Ganz im Gegenteil: Gerade dadurch wirkte das Stück von Georg Stöger-Ostin „Unrecht Gut“ (Um die Heimat)“ am Anfang sehr bedrückend. Doch wie in jedem guten Bauerntheater kommt irgendwann die Kehrtwende - und mit dieser hätte keiner der Zuschauer gerechnet.

Viel zu lachen gibt es bei den ersten Akten des Weihnachtstheaters also nicht. Vielmehr leidet das Publikum mit den Laienschauspielern auf der Bühne. Deren Verzweiflung und Existenzängste sind fast mit den Händen greifbar. Der Grundnerhof-Bauer - gespielt von Michael Schlickenrieder - kann dem Besucher schon fast leid tun, wenn er mit brüchiger Stimme von seinen Qualen berichtet. Sein Hof ist hoch verschuldet, die Heimat wird ihm, seiner Frau Lena (Elfriede Mangstl) und seiner Tochter Everl (Sabine Weinberger) unter den Füßen weggezogen.

Und wenn’s ums Geld geht, ist sich jeder im Dorf selbst der Nächste. Allen voran der Vetter der Familie, der Zaiss auf der Leiten (Gerhard Mayer). Der sitzt nämlich lieber in seinem karg eingerichteten Zuhause und zählt seine Erdäpfel, anstatt sein Vermögen mit jemandem zu teilen. Wild kichernd und mit irrem Blick seine Banknoten und Pfandbriefe wie einen Schatz haltend, spielt Mayer den Geizhals sehr überzeugend. Durch die Sturheit des Zaiss nimmt die Tragödie ihren Lauf. Das Unglück folgt Schlag auf Schlag für die Bewohner des Grundnerhofs. Bis dann doch noch der erhoffte Geldsegen kommt. Unrecht Gut gedeihet. Moral ist immer auch eine Frage der Gelegenheit, die oft Diebe macht.

Neue Zeiten brechen an für den Grundnerhof - für die einen sind sie rosig, für die anderen nicht. Und neue Gesichter erscheinen auf der Bühne, wie der Bertl (Sepp Mayer jun.), dessen Herzerl für das Everl schlägt. Doch jede Schuld auf Erden rächt sich am Ende, die Welt der Bewohner des Hofs steht plötzlich komplett Kopf, und selbst die Toten stehen wieder auf. Ob diese Moritat um Geiz und Geldgier noch ein gutes Ende nehmen wird, sei an dieser Stelle nicht verraten. Aber die Besucher haben auf jeden Fall am Schluss noch viel zu lachen.

Weitere Termine:

Mittwoch, 30. Dezember, 20 Uhr; Freitag, 1. Januar, 18 Uhr; Samstag, 2. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 3. Januar, 14 Uhr; Mittwoch, 6. Januar, 14 Uhr.

Kartenvorbestellungen sind möglich unter Tel. (0 80 82) 81 22 (werktags von 15 bis 19 Uhr).

Maria Aicher

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