Gesprächsbedarf haben Wasserwacht-Chef Siegi Ippisch (l.) und BRK-Kreisvorsitzender sowie Erdings OB Max Gotz. Foto: ham

Wasserwacht attackiert BRK-Kreisverband

Erding - Sie verstehen sich als ein Rotes Kreuz, doch zwischen Wasserwacht Erding und BRK-Kreisverband klafft ein tiefer Riss. In der Hauptversammlung wurde heftige Kritik ausgetauscht.

Lange sah es am Samstag in der Stadthalle nach einem Abend aus, an dem sich die Wasserwacht Erding im Glanz eines in jeder Hinsicht erfolgreichen Jahres hätte sonnen können. Doch nichts davon: Stattdessen übten Vorsitzender Siegi Ippisch, Kassier Jürgen Langner und Wasserwacht-Aktiver Martin Gräbe gleich in mehreren Punkten Kritik am Kreisverband. BRK-Kreisvorsitzender und Erdings Oberbürgermeister Max Gotz sah sich zu einer ungewohnt heftigen Replik veranlasst. Namen fielen keine. Dennoch war jedem im Saal klar, wen die Wasserretter an den Pranger gestellt hatten: BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden, die urlaubsbedingt nicht anwesend war.

Welche Wende die Hauptversammlung nehmen würde, zeichnete sich ab, als Ippisch in der Nachbesprechung der Weiher Feia monierte, er lasse sich nicht vorschreiben, wenn er als Fierant am Kronthaler Weiher zulasse. „Ich setzte hier auf Erdinger Anbieter, die uns auch sonst unterstützen.“ Der Kreisverband verlange neuerdings aber, „dass alles zentral beschafft wird“, ärgerte sich Ippisch und kritisierte fehlende Flexibilität, verzögerte Verfahren und überbordende Bürokratie.

Deutlicher wurde Ippisch, der pikanterweise auf Gotz’ CSU-Stadtratsliste steht, als es um die Finanzen der Wasserwacht ging. Er empörte sich über die Formulierung eines Schreibens an die Mitglieder im Zuge der neuen EU-Kontonummern. Die reichlich unverblümte Aufforderung, den Beitrag dabei gleich selbst anzuheben, habe einige Förderer derart erzürnt, dass sie ausgetreten seien. Dies monierte später auch Kassier Langner.

Ippisch sagte an die Adresse des Kreisverbandes, „dass die Grenze des Tolerierbaren erreicht, wenn nicht schon überschritten“ sei. Derzeit sei das Engagement demotivierend.

Konkreter wurde Langner. Er habe kein Verständnis, warum die Beiträge der Fördermitglieder nicht im Haushalt der Wasserwacht auftauchten. Nach bestehender Regelung weist die Wasserwacht-Bilanz für 2013 einen Überschuss von 230 Euro aus, mit dem Beiträgen wären es über 10000 Euro mehr. Ippisch erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Wasserwacht die einzige BRK-Tochter sei, die Gewinn abwerfe. Mit Langner war er sich einig, dass das an dem besonderen Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit sowie an der Weiher Feia liege. Natürlich sei man bereit, das BRK mitzufinanzieren.

Geschäftsführerin

unter Beschuss

Man erwarte aber auch, „dass wir mit unseren Wünschen ernst genommen werden, und nicht jede noch so kleine Ausgabe umständlich bei der Kreisgeschäftsführung beantragen müssen“, so Ippisch. Am Rande der Versammlung kam freilich heraus, dass die Regelungen bereits geändert sind, diese aber noch nicht umgesetzt sind.

Ippisch und Langner betonten, auf Konsens aus zu sein. Man wolle sich konstruktiv-kritisch einbringen, aber auch gehört werden. Nach Informationen unserer Zeitung hat es allerdings bereits ein Krisengespräch mit van der Heijden gegeben, allerdings wohl ohne den von der Wasserwacht erhofften Erfolg. Die Ehrenamtlichen fühlen sich dem Vernehmen nach abgebürstet.

Öl ins Feuer goss schließlich Martin Gräbe, ein vielseitig engagierter Wasserwachtler. Er warf Kreisgeschäftsführerin van der Heijden vor, bewährte Regelungen eigenmächtig und ohne Rücksprache mit den Gliederungen wie Bereitschaft und Jugendrotkreuz über den Haufen geworfen zu haben. Als Beispiel nannte er die Kappung der Grenze von geldwerten Entschädigungen für Ehrenamtliche nach Einsätzen. Auch kritisierte er die Ungleichbehandlung bei der Vergütung von Ausbildungen. Wer intern fortbilde, sei schlechter gestellt als einer, der etwa externe Erste-Hilfe-Kurse anbietet. Allerdings war Gräbe hier nur teilweise informiert. Selbst Kritiker der BRK-Spitze gaben zu, dass diese Anwürfe ins Leere gehen beziehungsweise finanzrechtliche Fragen der Gemeinnützigkeit betreffen. Aber auch Gräbe attackierte den neuen Zentralismus der Kreisgeschäftsführerin. Wegen jeder Kleinigkeit müsse man zu ihr.

Kreischef Gotz stellte sich demonstrativ hinter seine Geschäftsführerin, die von Anfang an „endlich aufräumt und den Verband aus der massiven Verschuldung geführt hat“. Van der Heijden habe „nachhaltig mein Vertrauen.“ Es sei ihr Verdienst, den weit verbreiteten Wildwuchs beschnitten zu haben. Hier sei das BRK viel zu lange untätig gewesen. „Das einzige, was ich mir vorwerfen lassen muss, ist, dass ich den Vorgänger van der Heijdens nicht früher ausgetauscht habe.“ Dies war Stefan Klauert. Gotz erinnerte zudem an die „Satzung, die für alle gilt“. Nicht zuletzt sei der Kreisverband für einige der Vorwürfe der falsche Adressat, „es gibt auch noch Landes- und den Bundesverband“, so der OB.

Er war richtig sauer, „denn hier wird eine Erfolgsbilanz ohne Not kaputt geredet“. In Anspielung auf hohe Investitionen für die neue Wache am Kronthaler Weiher sowie das neue BRK-Kinderhaus am Ludwig-Simmet-Anger sagte Gotz: „Was hier abläuft, mag Formalisten befriedigen. Aber das versteht kein Mensch, und das sind die Steuerzahler, die für diese sehr große Investitionen aufkommen sollen.“ Die ständigen Grabenkämpfe enttäuschten ihn bitter. Bei der Amtsübernahme habe er nicht ansatzweise an solche Dimensionen gedacht.

In diese Richtung äußerte sich auch Alois Schießl, Kreisvorsitzender der Wasserwacht: „Diese permanenten Differenzen bereiten mir Bauchschmerzen.“

Beide Seiten kündigten noch am Abend an, sich bald zu klärenden Gesprächen zusammenzusetzen. Auch betonte die Wasserwacht-Spitze, von der Stadt jedwede Unterstützung zu bekommen.

Hans Moritz

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