Weißbier-Produktion im Akkord: Die Dimensionen der Brauerei in Erding – unser Bild zeigt die Träger-Füllanlage – sind zu groß, um immer wieder die Herstellung von Stiftungs-Hellem einzuschieben. Foto: ham

Weißbräu stellt klar: Stiftungsbrauerei wird nicht verkauft

Erding - Der Erdinger Weißbräu will sich voll auf sein Kerngeschäft konzentrieren - Weißbier. Die Produktion des Hellen der Fischer’s Stiftungsbrauerei wird nach Niederbayern verlagert. Verkauft werden soll die Sparte aber nicht.

Im Jahr 1990 hatte Werner Brombach die Fischer’s Stiftungsbrauerei gekauft und sie damit vor dem sicheren Untergang auf dem Biermarkt bewahrt. In Hochzeiten wurden etliche Biersorten gebraut, zuletzt nur noch das Helle, Pils (bis 2009), Lager (bis 2010) sowie saisonal das Festbier sowie das Starkbier St. Prosper.

Längst nicht alle diese Sorten wurden immer in Erding gebraut. Der Prosper kommt traditionell vom Fischer Bräu in Eitting, das Lager entstand in den Ayinger Sudkesseln, und das Pils wurde in der Nähe von Nürnberg hergestellt. Lediglich das Helle kam bislang aus Erding. Diese Zeit geht nun zu Ende.

Peter Liebert, Geschäftsführer Technik, Logistik, Einkauf und Personal, bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass das Helle ab sofort von der Irlbacher Brauerei aus Niederbayern hergestellt wird, einem Mittelständler mit großem Sortiment und Standort zwischen Deggendorf und Straubing.

„Wir haben lange nach einem Partner gesucht und haben mit Irlbacher eine zuverlässige und qualitativ hochwertige Brauerei gefunden“, so Liebert. Mehrere Probesude seien angesetzt worden. Die Braumeister von der Stiftungsbrauerei um Norbert Schmank würden den Herstellungsprozess auch in Zukunft begleiten, versichert der Geschäftsführer. „Der Kunde wird die Umstellung nicht bemerken“, ist Liebert überzeugt.

Die Produktionsverlagerung steht in direktem Zusammenhang mit der Expansion des Weißbräu. „Es wurde für uns immer aufwändiger, die Herstellung des Hellen zwischen die Weißbier-Produktion einzureihen. Denn beim Weißbier arbeiten wir an der Kapazitätsgrenze.“

Liebert untermauert das mit Zahlen: Pro Jahr entstehen rund 20 000 Hektoliter Stiftungs-Helles, das nur zu einem Drittel in Flaschen abgefüllt wird. Dem gegenüber stehen 1,65 Millionen Hektoliter Weißbier. Das Stiftungsbier mache gerade einmal ein Prozent des Umsatzes aus. „Die geringe Menge beim Hellen hat die Produktion alles andere als vereinfacht, die Umstellzeiten waren zu lang, der Schwund zu groß, schließlich wurden für beide Sorten die gleichen Produktionsanlagen genutzt.“ Für eine eigene Brauerei sei der Ausstoß zu klein. Der Veränderung, betont der Geschäftsführer, werde „kein einziger Arbeitsplatz“ zum Opfer fallen. „Wir brauchen alle beim Weißbier.“

Einen zweiten Grund führt Liebert ins Feld: „Wir wollen uns auch wieder stärker auf unser Kerngeschäft und -Produkt konzentrieren, und das ist nun einmal das Weißbier.“ Gerade weil es weltweit erhältlich sei, verlange man höchste Qualitätsstandards.

Diese Entscheidung hat in Erding das Gerücht ins Kraut schießen lassen, der Erdinger Weißbräu wolle die Stiftungsbrauerei ganz abstoßen. Mehrere Daten im Herbst/Winter dieses Jahres kursierten. „Wir hören das auch immer wieder, es stimmt aber definitiv nicht“, betont Liebert. Dazu gebe es keinen Anlass. Die Marke sowie der Getränkevertrieb für die Gastronomie sollen unter dem Dach des Weißbräu bleiben. Denkbar sei allenfalls, den Getränkevertrieb irgendwann in eine eigene Firma umzuwandeln - als Unternehmenstochter von Erdinger.

(Hans Moritz)

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