Steht hinter seinem Team: Dorfens Polizeichef Ulrich Milius verurteilt Aggressionen von Unbeteiligten. Foto: Krzizok

Nach Hemadlenzn-Einsatz

"Welche Polizei wollt ihr?" Dorfens Polizeichef ist wütend

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Dorfen - Der Unsinnige Donnerstag in Dorfen ist insgesamt recht ruhig verlaufen. Eigentlich gab es keine größeren Zwischenfälle. Eigentlich. Ein Vorfall macht Dorfens Polizeichef Ulrich Milius nämlich richtig wütend.

Erstaunlich viele Fundsachen habe es heuer gegeben, auch einige kleinere Streitigkeiten, die schnell beigelegt werden konnten, und ein Brunnensockel sei am Unteren Markt umgeworfen worden - alles im Rahmen. Aber dann „haben sich einige junge Frauen an eine Fußstreife der Polizei gewandt und angegeben, sie seien aus einer Gruppe junger Afrikaner heraus begrapscht worden“, erzählt der Erste Hauptkommissar. „Da mussten wir natürlich sofort handeln.“ 

Unter „sofort handeln“ versteht Milius „die Mindestmaßnahme der Identitätsfeststellung, die jedem zuzumuten ist“. Er habe die Situation zunächst aus einigem Abstand verfolgt. Die jungen Beamten hätten sich „absolut korrekt“ verhalten. „Erschreckend“ habe er es dann allerdings gefunden, wie die Polizisten von umstehenden Passanten „massiv angefeindet“ worden seien. „Die sind als Nazis, Rassisten und Bullenschweine bezeichnet worden“, und auch noch andere heftige Beleidigungen habe es gegeben.

Die Situation entstand aus dem Nichts

Ein Szenario, das Petra Kittel von der Flüchtlingshilfe bestätigt. Sie sei die ganze Zeit mit der Gruppe von dunkelhäutigen Asylbewerbern unterwegs gewesen, „und viele Mädchen und auch Jungs wollten Selfies machen mit den Afrikanern im Arm“. Plötzlich habe ein Mädchen gemeint, „sie muss sich wichtig machen und hat gesagt, sie sei begrapscht worden“. Daraufhin sei der Freund des Mädchens aggressiv geworden und habe einem der Afrikaner Schläge angedroht. Sie sei die ganze Zeit dabei gewesen und könne beschwören: „Es ist zu keinem Vorfall gekommen. Das war eine Situation, die aus gar nichts entstanden ist.“ 

Anfeindungen von Passanten

Dass die Asylbewerber alkoholisiert gewesen sein, wie es im Polizeibericht steht, könne sie zum Teil bestätigen: „Es waren Moslems dabei, die haben keinen Alkohol getrunken, es war auch ein Christ aus Nigeria dabei, der hatte etwas Alkohol getrunken, aber nicht viel.“ Gut, dass Zivilpolizisten die ganze Sache beobachtet hätten und gleich zur Stelle gewesen sein. „Die Polizisten haben sich absolut korrekt verhalten“, stellt Kittel klar.

„Es freut mich, dass Frau Kittel das so bestätigt“, sagt Polizeichef Milius. „Es war auch gut, dass sie als Vertrauensperson der Asylbewerber mit dabei war und ihnen erklärt hat, was die Polizei da macht.“ Umso schlimmer seien die Anfeindungen von umstehenden Passanten gewesen, auch von älteren Personen, „die gar nicht gewusst haben, um was es geht“. Ein Passant beispielsweise habe sich einem Platzverweis widersetzt und erklärt, er müsse schauen, „dass die Polizei alles richtig macht“ und er müsse „diese Willküraktion beobachten“.

Angebliche Grapscherei hat nicht stattgefunden 

Lars B. (Name geändert), einer der beiden Beamten, die beim Hemadlenzn in zivil sofort an Ort und Stelle waren, kann ebenfalls nicht nachvollziehen, was sich dort abgespielt hat. Er bestätigt Kittels Angaben, dass es sich bei der angeblichen Grapscherei nur „um zwei Umarmungen im Schulterbereich“ gehandelt habe und „definitiv keine Straftat erkennbar war“. 

Der Freund des Mädchens habe aber sofort mit Schlägen gedroht, „woraufhin wir ihm erklärt haben, er solle sich beruhigen, sonst würde er in Gewahrsam genommen“. Für B. sei es frustrierend, „wenn man nur die Identität feststellen will, dass man dann von beiden Seiten beschimpft wird - von der einen Seite als Nazi und von der anderen Seite als Ausländerfreund, der gegen Deutsche ist“.

Polizeichef Milius erklärt, er habe sich mittlerweile ein dickes Fell zugelegt und könne auch mal weghören, aber wenn es um junge Kollegen gehe, da höre der Spaß auf. „Wir haben toll ausgebildete junge Beamte, und diese ungerechtfertigten Attacken wirken nicht unbedingt motivierend“, weiß Milius. Für ihn ist wichtig, „dass alle Personen gleich behandelt werden, egal welche Hautfarbe sie haben“. Er würde auf seiner Dienststelle auch „keine auch nur annähernd rassistischen Äußerungen dulden“.

Einheimische mit schlechtem Beispiel voran

Milius erinnert in diesem Zusammenhang auch an einen Vorfall Anfang des Jahres in Erding, wo Polizisten ebenfalls von Außenstehenden übelst angepöbelt worden seien, als es eine Auseinandersetzung mit Asylbewerbern gegeben habe, die zuvor am Schrannenplatz Sachbeschädigungen begangen hatten. 

„Was ist das für ein Signal, das diese Leute den Asylbewerbern geben“, fragt der Polizeichef? „Die lernen, dass sie auch noch Rückhalt aus der Bevölkerung bekommen, wenn sie sich widersetzen. Das kann es nicht sein.“ Er verspricht: „Bei uns wird nicht mir zweierlei Maß gemessen, wir behandeln alle Menschen gleich.“ Er fragt sich mittlerweile „welche Polizei die Leute eigentlich wollen und findet es schade, „dass sich Menschen, die mit der Polizeiarbeit zufrieden sind, leider nicht äußern. Aber damit müssen wir wohl leben.“

Sehen Sie hier: Hemadlenzn in Dorfen - Bilder vom Umzug

Wolfgang Krzizok

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