Im Medizin Campus Erding will Dr. Bernhard Weigel als Chirurg weiterarbeiten. Links im Hintergrund seine alte Wirkungsstätte, das Kreiskrankenhaus. Foto: ham

Die Wende am Kreiskrankenhaus? Weigel bereitet Rückkehr vor

Erding - Dr. Bernhard Weigel, freigestellter Chirurgie-Chefarzt am Kreiskrankenhaus, kommt möglicherweise zurück: als niedergelassener Facharzt im Medizin Campus - direkt neben seiner alten Wirkungsstätte.

Den Vorstoß des bei seinen Patienten populären und bei Kollegen anerkannten Arztes bestätigten auf Anfrage unserer Zeitung Dr. Bernhard Weigel selbst, Campus-Inhaber Robert Decker, Bauträger aus Dorfen, aber auch Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Martin Bayerstorfer.

Weigel berichtet, dass er sich an Decker gewandt habe. Im Medizin Campus Erding (MCE) gibt es zwar bereits eine Praxis für Orthopädie und Sporttraumatologie der Doktores Fritjof Schmidt-Hoensdorf und Ludwig-Konrad Brunnlechner. Dennoch hat Decker nach Aussage Weigels und Kenntnis Bayerstorfers Interesse bekundet. „Ich habe einen Vertrag zugesandt bekommen, den ich meinem Anwalt gezeigt habe“, so der Chirurg.

Die Entscheidung, ob Weigel in den MCE einziehen darf, liegt beim Landkreis, auf dessen Grund sich das Ärztehaus befindet. „Bei den bisherigen Ansiedelungen habe ich das alleine entschieden, denn wir wussten ja, was zulässig ist. Erlaubt ist nur, was keine direkte Konkurrenz zum Angebot der Klinik darstellt“, erklärt Bayerstorfer. „Diesmal werde ich die Entscheidung dem gesamten Kreistag vorlegen. Da brauchen wir eine breite Mehrheit dafür oder dagegen“, so der Kreischef.

Weigel macht deutlich, dass er sich nur dann als Arzt niederlassen wird, „wenn ich ein Krankenhaus habe, an dem ich operieren kann“. Im MCE würde er die Eingriffe vorbesprechen und die Patienten untersuchen sowie im Anschluss an den Klinikaufenthalt und die Reha die Abschlussuntersuchung vornehmen. Dieser prä- und postklinische Rahmen werde, so Weigel, über die Fallpauschale abgedeckt, die das Krankenhaus für die OP erhält.

Der Chirurg hat sich noch nicht entschieden, ob er den Antrag stellt, Termine im OP-Zentrum seiner früheren Wirkungsstätte Klinik zu erhalten. „Das wäre die beste Lösung“, gibt er unumwunden zu. Täglich werde er von Patienten angesprochen, er möge doch zurückkommen.

Doch der Facharzt weiß auch, dass dieser Antrag ein brisantes Politikum wäre. Bayerstorfer selbst gibt sich gelassen. „Wenn wir die Anfrage bekommen, wird der Verwaltungsrat entscheiden.“ Der Landrat und Vorsitzende des Gremiums sagt aber auch, dass es dieser Schritt Weigels Nachfolger in der chirurgischen Abteilung sicher nicht leichter machen würde.

Decker erklärt, er werde nichts gegen das Krankenhaus entscheiden. „Mir liegt an einem guten Verhältnis.“ Er könne sich aber vorstellen, „dass es ein gutes Miteinander sein kann“.

Das sieht Weigel nicht anders. „Ich bin für ein kollegiales Miteinander und gegenseitige Unterstützung“, versichert er und erinnert an seinen Antritt in Erding vor zehn Jahren. „Damals wäre ich froh gewesen, bei bestimmten Eingriffen einen erfahrenen Kollegen neben mir zu haben, mit dem ich mich austauschen kann.“ Nur durch diesen Austausch und die Verantwortlichkeit für eine große Zahl an Patienten gewinne ein Operateur an Erfahrung und Renommee.

Weigel wäre zu einer raschen Rückkehr bereit, wovon seiner Auffassung nach auch das Krankenhaus profitieren würde. „Den Knie- und Hüftgelenkersatz sehe ich in Gefahr, denn die Mindestmengenregelung droht 2010 unterschritten zu werden.“ Das gelte ungeachtet des Engagements des niedergelassenen Orthopäden Dr. Steffen Mitzschke, der diese Operationen weiter anbietet. Fällt Erding unter die Grenze, gibt es laut Weigel keine Kostenerstattung durch die Kassen mehr. „Das wäre das Aus für die Endoprothetik“, warnt Weigel.

(Hans Moritz)

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