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Weniger Waggons - Pendler müssen stehen

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Dorfen - Pendler auf der Bahnstrecke München-Mühldorf sind Pannen und Verspätungen gewohnt. Jetzt hat die Südostbayernbahn das Waggonangebot reduziert. Der Ärger ist riesig.

Die Kürzungen betreffen vor allem den Berufsverkehr am Morgen. So klagen Pendler darüber, dass etwa der Zug nach München, der in Dorfen um 5.23 hält, statt bisher fünf nur noch vier Waggons hat. Auch bei der Verbindung ab 7.11 Uhr sind die Wagons weniger. Die Folge davon: Viele Pendler bekommen keinen Sitzplatz mehr.

„Wem ist denn dieser Irrsinn eingefallen? Das Fahrgastaufkommen wird immer höher – dafür kürzt man die Züge – faszinierende Logik! Diejenigen, die diesen ,Service‘, der bei der Bahn ja angeblich so groß geschrieben wird, in die Wege geleitet haben, sind wohl noch nie wirklich in einem Zug während des Berufsverkehrs gefahren. Sie kennen einen Zug vermutlich nur vom Foto“, ärgert sich etwa Hans-Peter Bannert, der seit 37 Jahren von Dorfen nach München pendelt. Er und andere Pendler vermuten, dass dahinter rigorose Sparmaßnahmen der Südostbayernbahn stehen.

Das allerdings weist Matthias Krause, bei der Südostbayernbahn zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, kategorisch zurück. Das Unternehmen habe seit 2007 viele moderne Doppelstockwaggons angeschafft und die Transportkapazitäten permanent erhöht. Dass jetzt bei einigen Zügen die Waggons reduziert wurden, liege im Ergebnis von Fahrgastzählungen begründet. Die Südostbayernbahn kalkuliere mit etwa 20 Prozent mehr Sitzplätzen, als die Auslastung der Züge betrage. In einigen Extrembeispielen wären allerdings 1100 Sitzplätze bereitgestellt gewesen, aber nur 650 Fahrgäste gezählt worden. Krause: „Schon alleine aus Gründen der Umweltbelastung ist das ein nicht hinnehmbarer Zustand. Durch die Waggonreduzierung können wir jährlich etwa 100 000 Liter Diesel einsparen.“

Zudem würden Zugbegleiter immer wieder berichten, dass Pendler nur in einen bestimmten Zugteil einstiegen – und dann stehen müssten. Weiter vorne wären aber noch genügend Sitzplätze frei. Laut Krause werden in der kommenden Woche aber nochmals Zählungen durchgeführt. Man reagiere damit auf Beschwerden von Kunden. Vor allem die zwei Züge ab Dorfen 5.23 Uhr und 7.11 Uhr sollen überprüft werden.

Was die Fahrgastzählungen betrifft, zweifeln Pendler allerdings an der Zuverlässigkeit der Zahlen. „Wenn überhaupt, wurden Zählungen an Sonn- und Feiertagen durchgeführt, nicht aber an Werktagen“, kritisiert Bannert. „Es kann nicht sein, dass in den stets überheizten, stickigen Doppelstockwagen, deren Sitze meist derart verdreckt sind dass man sich erst nach diversen Reinigungsarbeiten setzen kann, Fahrgäste um einen Sitzplatz kämpfen müssen“, ärgert sich der Berufspendler.

Doch das sind nicht die einzigen Gründe, die Pendlern den täglichen Weg zur Arbeit und wieder nach Hause vergraulen. Es vergeht kaum eine eine Woche, in der nicht irgend ein Zug Verspätung hat, oder, was in letzter Zeit häufiger vorkommt, Züge ersatzlos ausfallen, weil Lokomotiven defekt sind. Und immer häufiger klemmen auch Türen der Waggons.

Anton Renner

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