Prof. Peter Kirchhoff war am Sonntag Gastreferent bei der SPD. Foto: (ham)

SPD will Schienen- und Straßenpläne vernetzen

Erding - Ringschluss und Nordumfahrung - für die Erdinger SPD ist das ein paar Stiefel.

Zwei große Infrastrukturprojekte beschäftigen derzeit die Bürger von Erding: die Nordumfahrung und der S-Bahn-Ringschluss. Bei ihrem verkehrspolitischen Stammtisch hat der SPD-Ortsverein Erding gestern versucht, beide Millionen-Vorhaben als ein Gesamtpaket mit gegenseitigen Abhängigkeiten zu sehen. Unterstützt wurden sie dabei von dem Verkehrsplaner Professor Peter Kirchhoff.

Eineinhalb Wochen vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt der Verkehrsexperten aus dem Wirtschaftsministerium im Stadtrat reduzierte Kirchhoff das Projekt S-Bahn-Ausbau auf zwei Varianten. „Entweder es bleibt bei der Walpertskirchener Spange wie gehabt. Dann braucht man im Fliegerhorst den sehr aufwändigen und teuren Kreuzungsbahnhof für S-Bahn und Regionalzüge. Oder man entscheidet sich für die Südeinschleifung. Dann könnte der Erdinger Bahnhof ausgebaut und weiter genutzt werden. Dazu müssen beide Zugvarianten allerdings unterirdisch geführt werden.“

Kirchhoff erklärte, er tendiere zur zweiten Lösung. „Ich glaube, dass beide Projekte in etwa gleich teuer sind.“ Den Kreuzungsbahnhof sieht Kirchhoff wegen der Verkehrslawine skeptisch, da dieser viele Pendler aus der gesamten Region anziehen würde. Sein Gegenvorschlag: Die S-Bahn bekommt auf dem Weg zum Flughafen einen zweiten Halt beispielsweise bei Eitting. „Dort würde ich dann eine große Park & Ride-Anlage schaffen“, so der Verkehrsplaner. Denkbar sei etwas Ähnliches an einem neu anzulegenden Haltepunkt, der die bestehenden Bahnhöfe Altenerding und Aufhausen in etwa auf Höhe der Reimerschmied-Hallen ersetzen würde. Einig war er sich mit Stadtrat und Verwaltung mit der Einschätzung: „Eine oberirdische Gleisführung durch Erding halte ich für nicht annehmbar.“

Fraktionschef Hans Schmidmayer nutzte die Einlassung Kirchhoffs, um noch einmal den SPD-Vorschlag eines neuen Bahnhofs bei- Siglfing vorzubringen. Dabei könnte der jetzige innenstadtnahe Haltepunkt Erding erhalten werden.

Mit Nachdruck stellte sich Kirchhoff hinter die Pläne einer Nordumfahrung. Denn der Verkehr aus dem Osten werde ebenso zunehmen wie der von der A 94 bis Pastetten. Auf Ablehnung stößt bei ihm allerdings die so genannte Nordanbindung als Parallele zur Alten Römerstraße. „Wer soll darauf denn fahren?“ Aus seiner Sicht werde die Nordumfahrung „vor allem deshalb gebraucht, um eine Verkehrsführung zum Kreuzungsbahnhof hinzubekommen“. Umso mehr spreche für seine Vorschläge, „denn dann bräuchte es weder Kreuzungsbahnhof noch Nordanbindung“.

Erding müsse sich entscheiden: „Will man eine größtmögliche Entlastung, dann muss stadtnah gebaut werden.“ Dabei, gab Kirchhoff zu, „könnten wichtige Flächen zerschnitten werden“. Hier müsse die Politik sagen, was sie wolle. Da hakte Schmidmayer ein: „Lassen wir mal die Bahn weg, wäre die mittlere Trasse der Nordumfahrung für Erding die bessere.“ Grundsätzlich vermisst Kirchhoff ein Verkehrsgesamtkonzept. Nur so komme man zu nachhaltigen Lösungen.

(Hans Moritz)

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