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Große Bahnprojekte im Fokus: MdB Claudia Tausend (2. v. l.) im Gespräch mit (v. l.) Hans Handel, Beate Aust, Bürgermeister Hans Schreiner und Ulla Dieckmann (SPD) beim Ortstermin in Schwarzhölzl.

„Blankoschecks“ für die ABS 38

Bürgermeister fürchten hohe Folgekosten der Bahn-Planungen

Die Ausbaustrecke 38 der Bahn führt von München nach Freilassing. Von den Planungen sind die anliegenden Gemeindevertreter nicht begeistert.

Hörlkofen/Schwarzhölzl – Die großen Bahnprojekte mit ihren vielschichtigen Problemstellungen waren Thema bei einem Treffen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Claudia Tausend in Hörlkofen. Mit ihr diskutierten die Bürgermeister Franz Hörmann (Walpertskirchen, CSU), Thomas Gneißl (Wörth, ÜPWG) und Hans Schreiner (Bockhorn, FW) sowie die Wörther Vize-Bürgermeisterin Ulla Dieckmann (SPD) und die Walpertskirchener SPD-Vorsitzende Beate Aust.

Ein Problem sah Gneißl darin, bei Bahnprojekten zu Entscheidungen gedrängt zu werden, ohne verbindliche Förderzusagen zu erhalten. „Wir haben keine Planungssicherheit“, kritisierte er. In der Gemeinde gebe es drei Bahnübergänge, die vorzeitig rückgebaut und als schienengleiche Übergänge aus dem Gesamtprojekt herausgelöst werden sollen, erläuterte er. Er sehe über das Eisenbahnkreuzungsgesetz eine große Kostenlast auf die Gemeinde zukommen.

Walpertskirchener Spange: Komplett unsinnig

„Man erwartet von uns, dass wir Blankoschecks ausstellen“, bekräftigte Schreiner. Die Trassenführung der Walpertskirchener Spange (Nordvariante) sei für ihn „nicht akzeptabel“ und eine „komplett unsinnige Planung“. Sie auf der bestehenden Strecke mit Einschleifung kurz vor Markt Schwaben zu bauen, wäre eine gute Alternative: „Es gibt nicht so viele Betroffenheiten.“

Bei diesem Projekt sei die Planung schon weit fortgeschritten und das Planfeststellungsverfahren am 21. März eingeleitet worden, entgegnete die Abgeordnete. Die betroffenen Gemeinden haben hierzu allerdings bisher noch keine Unterlagen bekommen. Schreiner betonte, dass der Schallschutz nur eine „sehr untergeordnete Rolle“ spiele. Tausend will sich für Lärmschutz einsetzen.

Folgen auf Lebensqualität von Anwohnern

Bei Schwarzhölzl wohnen zwar vergleichsweise wenige Menschen in einer Splittersiedlung, dafür aber in unmittelbarer Nähe des zweigleisigen Ausbaus der Strecke München-Mühldorf (ABS 38) und der geplanten Walpertskirchener Spange. Hier sollte „die Individualbelastung pro Haus“ betrachtet werden, meinte Tausend. Dieckmann sprach die schwierige Kommunikation mit der Bahn an, die auch Bürgermeister Franz Hörmann thematisierte. Tausend versprach, Briefe zu schreiben, mit Bahnfachleuten in Kontakt zu treten und sich weiter inhaltlich in die Thematik zu vertiefen. „Hauen Sie mal ordentlich auf den Tisch“, forderte Wörths Bürgermeister Gneißl.

Das „Riesenbrückenbauwerk“, das bei Schwarzhölzl im Zuge des zweigleisigen Ausbaus entstehen soll – mit Unterhaltspflicht für Walpertskirchen – war ein Kernproblem der Debatte. „Und dazwischen leben Menschen“, ergänzte Schreiner mit Blick auf zwei immense Bahnprojekte, die gravierende Folgen auf die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner haben dürften.

Planungen noch nicht konkret

In der Diskussion wurde die kritische Frage aufgeworfen, wie gut oder schlecht diese beiden Maßnahmen seitens der Planer überhaupt miteinander vernetzt würden. Eine Sorge, die auch die Anlieger in Schwarzhölzl umtreibt, weil die Planungen beider Projekte getrennt betrachtet würden. Die Bahn ist verantwortlich für die ABS 38, die Autobahndirektion Süd für die Walpertskirchener Spange. Beim nachfolgenden Ortstermin in Schwarzhölzl machte Anlieger Hans Handel seiner Sorge Luft, durch diese Planungen unter die Räder zu geraten.

Auf Nachfrage bei der Bahn erklärte ein Sprecher, dass bei einigen Bauwerken die Planungen im Moment noch nicht konkret genug seien und erst noch detaillierter werden müssten. Die Bürger wurden um Geduld gebeten. Man werde die Anlieger frühzeitig informieren. Zur Ausbaustrecke München-Mühldorf wurde auf die Bahn-Homepage verwiesen.

Informationen: www.abs38.de

Vroni Vogel

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