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Mit diesem Schild appelliert Familie Gruber an die Hundehalter: „Bitte nehmen Sie den Hundekot mit!“ Im Hintergrund: einer der Pfosten zur Markierung von Hundehaufen im Gras am Rand des beliebten Gassi-Kieswegs.

Appell einer Landwirtsfamilie

„Bitte nehmen Sie Ihren Hundekot mit!“

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Hundekot am Straßenrand ist meist einfach ein optisches Ärgernis. Doch landen die Haufen auf landwirtschaftlichen Flächen, kann das richtig gefährlich werden. In Wifling ist eine Landwirtsfamilie deshalb jetzt in die Offensive gegangen.

Auf einmal stehen die Pfosten am Feldrand. Nicht ganz ein Dutzend Stück wurden in die Wiese bei Wifling (Gemeinde Wörth) geschlagen. Im Abstand weniger Meter ragen sie leuchtend Weiß aus dem Boden. Diese besondere Art der Markierung hat sich die Landwirtsfamilie Gruber aus Breitötting ausgedacht. Sie bewirtschaftet das Feld, das östlich der Ötzstraße an den Kiesweg angrenzt. Und sie wollte mit ihrer Aktion ein Zeichen setzen. Denn überall dort, wo ein weißer Pfosten im Boden steckt, findet sich ein Hundehaufen im Gras.

„Wir mussten einfach etwas tun. Kaum hatten wir gemäht, lag schon wieder Hundekot auf der Wiese“, berichtet Alexandra Gruber, die mit ihrem Mann Andreas sowie den Schwiegereltern Anneliese und Georg einen Milchviehbetrieb samt Ackerbau und Futtererzeugung in Breitötting betreibt. Dieses Erlebnis sei für sie ausschlaggebend gewesen, die Hundehaufen zu markieren. „Dabei sind uns sogar die Stempen ausgegangen. Wir hätten auch locker 20 rein tun können. In diesem Eck war es schon extrem“, sagt Gruber.

Die Familie hat selbst einen großen Hund, mit dem sie freilich oft Gassi gehe. Auch er erledige sein Geschäft schon mal am Feldrand. „Da ist ja auch nichts dabei, wenn man es nachher einfach wegmacht“, sagt Gruber. Denn was die Familie auf dem Feld in Wifling anbaut, sollen zu Grassilage verarbeitet, ihre Kühe fressen.

„Unsere Tiere werden krank, wenn wir etwas verfüttern, in dem Hundekot enthalten ist“, sagt Gruber und ergänzt: „Das ist Gift für die Tiere. Uns ist es einfach wichtig, dass die Leute sich dessen bewusst sind, was passieren kann, wenn sie die Hundehaufen nicht entfernen.“

So könnten die Rinder zum Beispiel Leberschäden bekommen. Und Kühe, die trächtig sind, könnten gar das Kalb verwerfen, also den Nachwuchs verlieren. Das war erst vor wenigen Monaten in Siggenhofen in der Nachbargemeinde Ottenhofen passiert (wir berichteten). „Gelangt Hundekot ins Futter, können verschiedene Krankheiten übertragen werden, im schlimmsten Fall kann es zu Fehl- und Totgeburten bei Rindern kommen“, bestätigt Janne Richelsen, Referentin für Tiergesundheit beim Bayerischen Bauernverband (BBV), in einer aktuellen Pressemitteilung zum Thema.

„Unsere heimischen Weiden und Wiesen dienen als Futtergrundlage für Rinder, Schafe, Pferde und Ziegen. Die Verunreinigung des Futters mit Hundekot kann eine Gefahr für die Gesundheit unserer Tiere sein“, so Richelsen weiter. Hundekot sei weder Mist noch Dünger, sondern ein gesundheitliches und hygienisches Risiko für die Tiere. Der BBV will das Argument vieler Hundebesitzer entkräften, Hundekot sei gleich Kuhfladen. Gülle werde vom Boden schnell aufgenommen. Außerdem würden Krankheiten hauptsächlich durch den Kot von Fleischfressern übertragen.

Darum hat Familie Gruber neben den weißen Pfosten auch ein Schild aufgestellt, das sie eigens beim BBV gekauft hat. „Landwirtschaftliche Flächen dienen zur Erzeugung Ihrer Lebensmittel. Bitte nehmen Sie den Hundekot mit! Führen Sie Ihren Hund an der Leine – den Tieren und dem Wild zuliebe“, steht darauf.

Nächste Woche soll das Feld, auf dem Gras und Gräser inzwischen sehr hoch gewachsen sind, wieder gemäht werden. „Dann werden wir weiter sehen. Vielleicht hat unsere Aktion ja was gebracht“, hofft Gruber.

Eines hat sie definitiv gebracht: Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl hat sich die Situation angeschaut. Er weist im aktuellen Amtsblatt auf Allgemeines zur Hundehaltung sowie auf die Kot-Problematik hin (siehe Kasten). Die Herrchen werden aufgefordert, die aufgestellten Hundetoiletten zur Entsorgung von Kotbeuteln zu nutzen.

Ein solcher Eimer soll bald auch an der Einfahrt zur Kiesstraße in Wifling, von der Straße nach Breitötting kommend, stehen. Vorige Woche wurde die Toilette bestellt – inklusive Tütenspender. „Wir gehen davon aus, dass nicht alle Hundehalter Beutel dabei haben und wollen letztendlich dazu anregen, dass die Leute sich dort eine Tüte ziehen“, sagt Gneißl.

Das neue Hundeklo ist das zweite seiner Art in Wifling. Seit einigen Jahren steht bereits eins am Radweg bei der Harlachener Straße. „Zwei sollten ausreichend sein, denn es sind ja immer die gleichen Strecken, an denen die Gassigeher unterwegs sind“, sagt Gneißl. Und so sei eben auch der Feldweg sehr beliebt bei den vielen Hundehaltern in der Umgebung.

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