Bilanz der Asyl-Helferkreise 

Wohnraum für Flüchtlinge: „Schier unüberwindbares Hindernis“

Die Suche nach Wohnungen im Speckgürtel um München ist für anerkannte Flüchtlinge „ein schier unüberwindbares Hindernis“, sagen die Asylhelfer von Hörlkofen und Wifling.

Hörlkofen/Wifling – „Der Wohnungsmarkt ist für Flüchtlinge nicht zugänglich, außer der Vermieter hat ein gutes Herz.“ So umriss die Sprecherin der Wiflinger Flüchtlingsunterkunft, Maria Gaigl, ein drängendes Problem, wenn es darum geht, für anerkannte Flüchtlinge eine Bleibe zu finden. Das bestätigte auch die Sprecherin des Hörlkofener Helferteams, Martina Stangl.

In der Gemeinderatssitzung, die Vizebürgermeisterin Ulla Dieckmann leitete, informierten die Vertreterinnen der Helferkreise über die aktuelle Situation. Laut Gaigl wird die Wiflinger Flüchtlingsunterkunft seit Ende September 2014 genutzt. Waren anfangs dort 27 Menschen untergebracht, wohnen jetzt nur noch sieben Männer, fünf Frauen und ein kleines Mädchen – gerade mal zwei Wochen alt – dort. Acht Bewohner stammen aus Eritrea, zwei aus Nigeria und jeweils einer aus Pakistan, Somalia und Palästina. Sechs Personen seien inzwischen anerkannt, eine geduldet. Drei hätten den Abschiebebescheid erhalten. Andere Flüchtlinge würden noch auf den Ausgang ihres Verfahrens warten.

In Hörlkofen sind laut Stangl mit 18 Syrern, einer Person aus Eritrea und zwei Pakistani drei Nationalitäten vertreten. 19 Menschen seien anerkannt und drei in Arbeitsverhältnissen. Ein Syrer habe gute Chancen, dass seine Bewerbung auf ein Medizinstudium erfolgreich ist.

SchuldenfalleUnterkunftskosten

„Wir haben in den vergangenen drei Jahren viele Berg- und Talfahrten erlebt“, resümierte Gaigl. Besonders freue es den Helferkreis, dass zwei Menschen aus der Wiflinger Unterkunft inzwischen eine eigene Wohnung hätten „und sich recht gut in die Gemeinschaft integrieren konnten.“

Für eine weitere Frau aus Eritrea suche man dringend eine Wohnung in Wörth, Hofsingelding oder Wifling. Die Betroffene habe bereits ein Jahr in Wörth gewohnt, beide Kinder seien im Kindergarten. Nun sei ihr wegen Eigenbedarfs zum September gekündigt worden. Wie für andere anerkannte Flüchtlinge sei die Wohnungsnot „ein schier unüberwindbares Hindernis“ im Speckgürtel um München.

Beide Sprecherinnen gingen auf die Schuldenfalle ein, die durch die Nacherhebung der Unterkunftskosten für anerkannte Asylbewerber, die weiterhin in der Unterkunft leben, entstehe. Flüchtlinge mit Arbeit müssten rückwirkend „für einen halben Containerplatz, Etagenklo und Etagenküche“ 311 Euro monatlich zahlen, erläuterte Stangl. Diese nachträglichen Erhebungen, die teils pro Person auf Schulden bis zu 3000 Euro angewachsen seien, würden von den berufstätigen Flüchtlingen abgestottert. Bei anerkannten Asylbewerbern ohne Arbeit übernehme das Jobcenter diese Ausgaben – für Gaigl, die als Verwaltungsbeamtin vom Fach ist, „ein unwahrscheinlich hoher Bürokratie- und Papieraufwand“.

Grundsätzlich seien die ehrenamtlichen Helfer stark mit bürokratischen Aufgaben beschäftigt. Sie wünschten sich mehr Chancen für die Flüchtlinge bei der Job- und Wohnungssuche. Gelobt wurde die gute Zusammenarbeit mit dem Asylmanagement und dem Mitarbeiterteam in der Ausländerbehörde. Dieckmann, die sich selbst stark in der Flüchtlingshilfe engagiert, bedauerte, dass es keinen offiziellen Integrationsplan gebe. Sie wies zudem daraufhin, dass Maria Brand von Amnesty International die einzige Rechtsberaterin im Landkreis sei und hier vieles zu leisten habe. 

Vroni Vogel

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