Beherzte Hilfe bei einem Weiherunfall auf Leben und Tod: Die beiden jungen Männer der Wörther Wasserwacht, Florian Wanderer (l.) und Domenic Schnirch, koordinierten den Großeinsatz bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.
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Beherzte Hilfe bei einem Weiherunfall auf Leben und Tod: Die beiden jungen Männer der Wörther Wasserwacht, Florian Wanderer (l.) und Domenic Schnirch, koordinierten den Großeinsatz bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.

Zwei junge Wasserwachtler berichten von dramatischem Einsatz, der tödlich endet

Ein Einsatz bis an die Grenzen

Mit vereinten Kräften haben zwei junge Wasserwachtler und viele hilfsbereite Badegäste um das Leben einer Frau gekämpft, die im Wörther Weiher verunglückt war. Die Schwimmerin konnte reanimiert werden, verstarb aber im Krankenhaus. Der Einsatz wirkt bei den Beteiligten noch lange nach.

Wörth – In einem beherzten Einsatz kämpften zwei junge Männer der Wörther Wasserwacht mit großer Unterstützung hilfsbereiter Badegäste als Ersthelfer um das Leben einer 79-Jährigen, die im Wörther Weiher verunglückt war. Die Schwimmerin wurde mit vereinten Kräften aus dem Wasser geborgen, reanimiert und den sofort alarmierten Rettungsdiensten stabilisiert übergeben. Die Frau starb jedoch an den Folgen des Badeunfalls wenig später in der Klinik.

Der vergangene Mittwoch lockte mit idealem Badewetter viele Gäste an den Wörther Weiher. Normalerweise ist die Wachhütte dort unter der Woche nicht besetzt. Zufälligerweise besuchten jedoch der 26-jährige Domenic Schnirch und der 16-jährige Florian Wanderer den Weiher in ihrer Freizeit und begaben sich zur Wachhütte. Die Verantwortung als Mitglied der Wasserwacht spüre man immer, auch wenn man sich privat am Weiher aufhalte. „Man fährt mit einer ganz anderen Einstellung her“, meint Schnirch, und Wanderer ergänzte: „Wir haben immer im Hinterkopf, dass wir gebraucht werden könnten.“

Dass ihre Hilfe an diesem Nachmittag gleich für einen Notfall auf Leben und Tod benötigt würde, war für die zwei engagierten Wasserwachtler eine Herausforderung, für die sie ihre gesamten Kräfte bündelten.

Die Badegäste verhalten sich vorbildlich - und helfen bei den Rettungsmaßnahmen

Gegen 15.15 Uhr habe eine ältere Frau, die mit ihrer Freundin schwimmen war, bei ihnen Hilfe gesucht. „Sie hat sich umgedreht, und ihre Freundin war nicht mehr hinter ihr“, berichtet Wanderer, der daraufhin sofort per Meldung an die Leitstelle den Einsatz „Vermisste Person“ in die Wege leitete. Inzwischen hatten Passanten die Frau bewusstlos im Wasser auf der Westseite des Weihers entdeckt, etwa fünf bis sechs Meter vom Ufer entfernt. Drei Männer haben die Verunglückte über Wasser gehalten, während Schnirch mit seinem Rettungsbrett sofort zur Unglücksstelle geschwommen ist, um die Frau auf das Brett zu ziehen und an Land zu bringen.

„Wir haben sie dann zu viert aus dem Wasser gehoben“, berichtet er. Alles zielte nun darauf ab, die Frau bestmöglich zu versorgen und für den Hubschraubertransport zu stabilisieren. Unter Mithilfe von kundigen Weiherbesuchern wurde umgehend mit der Reanimation der Frau begonnen.

Die beiden Wasserwachtler koordinierten weiter den Einsatz bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. Bei den Maßnahmen wurden sie von den Passanten unterstützt. „Eine Besucherin war Ärztin und konnte mit dem Notfallrucksack arbeiten. Es war ein Riesenglück, dass sie da war“, erzählt Schnirch. Badegäste sorgten auch dafür, dass die Frau mit Handtüchern abgeschirmt wurde, die Rettungswege frei waren und den Rettungsdiensten der Weg gewiesen wurde.

Der dramatische Einsatz wirkt noch lange nach

Bereits zehn Minuten nach der Alarmierung sei der First Responder der Hörlkofener Feuerwehr an der Unfallstelle gewesen, kurz darauf der Notarzt mit Rettungswagen. Mit ihm sei die Frau dann zur Wiese gegenüber der Hauptstraße zum Hubschrauberlandeplatz gebracht und dann mit Christoph I in eine Klinik geflogen worden. Die Freundin der Verunglückten wurde von einer Besucherin betreut, die als Traumapädagogin vom Fach war.

Und auch bei den jungen Männern der Wasserwacht wirkt der dramatische Einsatz noch nach. Erst später komme man dazu, sich das gesamte Erlebnis klar zu machen und einzuordnen, sagen sie. In der Situation selbst sei man komplett gefordert, das Richtige zu tun. „Wir sind sehr dankbar, dass wir eine Superausbildung durch die Ortsgruppen Wörth und Erding bekommen haben“, betont Wanderer. Sie habe in der Extremsituation die nötige Sicherheit vermittelt, um Ruhe zu bewahren und gleichzeitig schnell zu handeln.

Der 16-Jährige hat erst im vorigen Herbst seine Wasserrettungsausbildung absolviert. „Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis“, sagt er zu dem Unfall, und Schnirch meinte: „So etwas haben wir beide vorher noch nicht erlebt.“

Beide betonen, das Verhalten der Badegäste sei vorbildlich gewesen. „Es war gut, dass es so viele Helfer gegeben hat.“ Nachdenklich stimme es, dass die verunglückte Frau als vitale und gute Schwimmerin galt. Im Grunde könne so etwas jedem passieren, beispielsweise durch einen Schwächeanfall oder Krampf. Schwimmbojen seien auch für erfahrene Schwimmer eine gute Möglichkeit, um sich abzusichern, raten die beiden. Außerdem sollte man immer die Baderegeln beachten: nicht kurz nach dem Essen oder wenn man sich nicht gut fühlt ins Wasser gehen und nicht in unbekanntem Gewässer schwimmen.

Vroni Vogel

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