Bürgerversammlung Wörth 

Gneißl „stinkt’s brutal“

Kontroverse zur geplanten Baulandausweisung bei Hofsingelding: Die Kreistagsentscheidung, dort vorerst keine Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen, war auch in der Wörther Bürgerversammlung Thema.

Wörth– Zur Baulandausweisung bei Hofsingelding machte Gemeindechef Thomas Gneißl (ÜPWG) in der Wörther Bürgerversammlung seinem Ärger Luft. Warum? „Weil’s mir brutal stinkt“, wie er sagte.

Stein des Anstoßes war das bisher erfolglose Bemühen der Kommune, bei Hofsingelding weiteres Bauland ausweisen zu können. Dafür müsste das Gebiet, wie berichtet, aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden – was kürzlich mit knapper Mehrheit im Kreistag abgelehnt worden war.

In der mit rund 150 Zuhörern sehr gut besuchten Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Ortererschule stellte Gneißl die Sicht der Gemeinde dar. Er erklärte, dass das Gebiet, das derzeit intensiv landwirtschaftlich genutzt werde, problemlos aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden könne, um eine bauliche Anbindung zum Altort zu schaffen. Das Projekt sei sehr gut vorbereitet und mit den Fachstellen besprochen worden.

Zum Votum im Kreistag kommentierte Gneißl, „man hat uns politisch ausgebremst“, und forderte die Unterstützung von Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). Dieser griff als Gast der Versammlung das Reizthema in seinem Grußwort auf. Bayerstorfer führte aus, dass in 30 Jahren keine einzige Fläche im Landkreis aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen worden sei – mit einer Ausnahme in der Gemeinde Isen, was aber dann aber nicht vollzogen worden sei. „Jeder Kreisrat entscheidet nach seinem Gewissen“, sagte Bayerstorfer, der mit Verweis auf die Demokratie betonte, dass die mehrheitliche Entscheidung des Kreistags zu akzeptieren sei. Zugleich machte er auch Hoffnung. Denn es sei nicht gesagt, dass das das endgültige Aus für die Hofsingeldinger Fläche sein müsse.

Wegen einer weiteren Bürgerversammlung verließ der Landrat Wörth recht früh. In seiner Abwesenheit trat Kreisrätin und Zweite Wörther Bürgermeisterin Ulla Dieckmann (SPD) vor die Öffentlichkeit, um zu Bayerstorfers Äußerung etwas klarzustellen. So sei für Dorfen in der Kreistagssitzung sehr wohl eine große Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen worden (wir berichteten). „Das wurde durchgewunken“, sagte Dieckmann, während das Wörther Anliegen mit einer „ganz knappen Entscheidung“ abgelehnt worden sei. Sogar die Grünen und die ÖDP hätten für die Herausnahme der Hofsingeldinger Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet gestimmt, unterstrich Dieckmann.

Ein Zuhörer sagte in der Diskussion, die Worte des Landrats hätten ihn „sehr schockiert“ und fragte, welche Schritte die Gemeinde jetzt unternehmen werde, um das Hofsingeldinger Projekt doch noch auf den Weg zu bringen. Gneißl erwiderte, dass man eine Studie zur Oberflächenentwässerung liefern werde, wobei es keine Schwierigkeit sein dürfte, „den Nachweis zu erbringen“, dass eine Bebauung keine negativen Folgen haben dürfte: „Ich gehe davon aus, dass das eine formelle Geschichte ist.“

vev

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