Sandra Angermaier filmt auf dem Gelände des ehemals größten Landguts im Bezirk Erding, links ist das ehemalige Gesindehaus zu sehen, in der Mitte hinten das ehemalige Gasthaus und rechts die ehemalige Schreinerei mit Stallungen.
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Film ab: Sandra Angermaier filmt auf dem Gelände des ehemals größten Landguts im Bezirk Erding, links ist das ehemalige Gesindehaus zu sehen, in der Mitte hinten das ehemalige Gasthaus und rechts die ehemalige Schreinerei mit Stallungen.

Heimatforscherin Sandra Angermaier dreht Internet-Filme über Historisches aus Erding

Dem verborgenen Landkreis auf der Spur

Einen Einödhof nahe Hörlkofen hat sich Sandra Angermaier für die erste Folge ihrer neuen Filmserie „Verborgener Landkreis Erding" ausgesucht.

Rottmann – Einen Einödhof nahe Hörlkofen in der Gemeinde Wörth hat sich Sandra Angermaier für die erste Folge ihrer neuen Filmserie „Verborgener Landkreis Erding“ ausgesucht. Die Filme - bisher sind sieben Teile entstanden - sind auf der Facebook-Seite des Kreisvereins für Heimatschutz und Denkmalpflege zu sehen. Angermaier (44) ist seit 2014 Vereinsreferentin beim Kreisheimatverein, nach eigenen Angaben „Breitöttinger Erdingerin“ und lebt mit Tochter Valentina (10) und Familie in Erding. 

Das Gut Rottmann besteht seit mehr als 1060 Jahren und wurde seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr verkauft. „Wir hatten mit dem Kreisheimatverein im vorigen Jahr eine Maiandacht in der kleinen Hofkapelle, dazu gab es einen Vortrag von Günter Fischer“, berichtet die Vereinsreferentin des Kreisheimatvereins. Fischer wurde für seine Forschungen zu den Rottmannern von Rottmann 2017 mit dem Forscherpreis des Historischen Vereins ausgezeichnet.

In ihrem mit dem Smartphone selbstgedrehten Kurzfilm nimmt Angermaier die Zuschauer mit auf den alten Gutshof, der früher das größte Landgut im Bezirk Erding darstellte. Hier waren zahlreiche Tagelöhner beschäftigt, es gab ein gut besuchtes Gasthaus und rundherum Felder, Wald und Wiesen, „soweit das Auge reicht“. Zu sehen ist hier, wie die Natur teilweise die Gebäude wieder übernimmt: In der Scheune wächst ein Baum durchs Dach, und vor der alten Gaststätte mit einer wunderschönen grünen Tür warnt ein Schild: „Betreten verboten“. Einige Gebäude stehen mittlerweile unter Denkmalschutz, die Sanierung des ehemaligen Gesindehauses ruht derzeit.

Kapelle Maria Einsiedel wurde 1895 errichtet

Vielen Einheimischen gut bekannt ist die kleine Kapelle Maria Einsiedel, die 1895 errichtet wurde. Sie wird normalerweise nur zur Maiandacht der Pfarrei Hörlkofen geöffnet, nun gewährt Angermaier den Zuschauern einen Einblick in den Innenraum, der mit kunstvollem Gitter und Sitzbänken sehr schön gestaltet ist. Die Hofkapelle beherbergt eine schwarze Madonna und wurde 2009 von den Besitzern Anneliese und Josef Huber mit eigenen Mitteln aufwendig restauriert. Belohnt wurde die Arbeit mit dem Fassadenpreis des Landkreises Erding im gleichen Jahr.

Die mittlerweile verwitwete Anneliese Huber (95) lebt noch im Gutshaus, das sich ein Stück weit von den Hofgebäuden entfernt befindet. Sie freut sich, dass mit dem Film die Geschichte der Vorfahren ihres verstorbenen Mannes in Erinnerung bleibt.

So manche berühmte Männer hat das Gut Rottmann hervorgebracht

Das Gut Rottmann habe in der Vergangenheit schon so manche berühmte Männer hervorgebracht, berichtet Angermaier. Sie erzählt vom Komponisten Eduard Rottmanner (geb. 1809), dessen „Rottmanner Pastorallitanei“ jedes Jahr am 6. Januar in der Münchner Bürgersaalkirche aufgeführt wird. Der Komponist war jahrelang Organist in dieser Kirche und hat die jährliche Aufführung testamentarisch verfügt. Später wurde er Hofkapellmeister am Dom zu Speyer.

Ein weiterer bekannter Abkömmling war Odilo Rottmanner, geboren 1841 als Otto Rottmanner, der als Bibliothekar, Theologe und Stiftsprediger tätig war. Seine Predigten erschienen sogar als Buch. Den weiten Blick über Feld und Wald hat wohl auch der in Fachkreisen bekannte Simon Rottmanner (geb. 1740) genossen. Der Rechtsgelehrte verfasste ein wichtiges Fachbuch zum Forst- und Jagdwesen. Auf ihn wird die Entstehung der Fachdisziplin „Forstwirtschaft“ zurückgeführt.

Zu sehen gibt es die Filme

auf der Facebook-Seite „Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege Landkreis Erding e.V.

Heimatforscherin Sandra Angermaier im Interview:

Frau Angermaier, wie kam es zur Idee einer Filmserie?
Durch den coronabedingten Lockdown im März fielen alle Veranstaltungen aus unserem Programm plötzlich weg. Ich wollte den Leuten, die jetzt daheim sitzen, eine Alternative bieten mit interessanten Themen aus dem Landkreis. Seit meiner Kindheit interessiere ich mich stark für alte Geschichten und Bräuche. Und meine zweite Leidenschaft ist das Filmen, das war jetzt die ideale Kombination.
Welche Themen haben Sie schon bearbeitet?
Die erste Folge beschäftigt sich mit Gut Rottmann, dann habe ich den Heiligen Viktor und die Heilige Corona im Schloss in Taufkirchen besucht. Eine weitere Folge befasst sich mit „Wilderern und Diebsgesindl“ aus dem Landkreis, dazu kommen „Sagen und Legenden“ sowie die „Bründl und Quellen“.
Wie sieht die Recherchearbeit aus?
Ich habe eine große Sammlung von Büchern zu Themen rund um den Landkreis und Brauchtum, Ortschroniken, historische Schriften und alte Postkarten vom Flohmarkt, das ist schon eine gute Basis. Ich fahre dann einfach an die Orte und suche vor Ort das Gespräch mit alten Bewohnern, die wissen oft noch vieles zu berichten, dazu natürlich auch Infos aus dem Internet und Chroniken von Feuerwehren oder Schützenvereinen.
Wie läuft die Filmarbeit ab?
Ich bin meist allein unterwegs. Mit dem Smartphone in der Hand bin ich beim ersten Film durchgegangen und habe dabei oft im Selfie-Modus gefilmt, die Erklärungen habe ich gleich mit gesprochen. Gelernt habe ich dabei, dass man zum Filmen unbedingt das Handy im Querformat halten muss und dass es besser ist, die Texte erst danach aufzusprechen, auch wegen der störenden Hintergrundgeräusche. Mittlerweile nutze ich eine neue App zur Bearbeitung, erstelle vorher ein Script zum Ablauf. Ich lerne also laufend dazu und kann mich verbessern.
Welche Schwierigkeiten waren zu meistern?
Hauptschwierigkeit ist bei mir die technische Ausstattung, der Handyspeicher ist viel zu knapp, da gibt es noch viel Verbesserungspotenzial. Kein Problem hatte ich mit meinen Gesprächspartnern, die waren alle sehr aufgeschlossen und haben mich voll unterstützt.
Wie ist die Resonanz bisher?
Die Rückmeldungen waren von der ersten Folge an überwältigend, obwohl ich selber ja oft nicht so zufrieden bin und eher die Verbesserungsmöglichkeiten sehe. Es ist schon toll, wenn die Folgen jeweils 15 000 bis 20 000 Leute erreichen über Facebook, wo sie in verschiedenen Gruppen wie „Wir in Bayern“ oder „Do samma dahoam“ auch außerhalb des Landkreises angeschaut werden.
Haben Sie schon weitere Folgen in Planung?
Zum Internationalen Tag des Bieres am 7. August erschien die Folge „Hopfen und Malz – Gott erhalt’s“ über Brauereien aus dem Landkreis, dazu eine Folge über Gerichte, die ihren Ursprung haben im Erdinger Land. König Ludwig II wird bald thematisiert – die Liste ist noch lang! Und irgendwann werden die ganzen Folgen zu einem Buch zusammengefasst, denn Gedrucktes hat eher Bestand.

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