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Die erste Gemeinderätin

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Marianne März verstarb mit 91 Jahren.
Marianne März verstarb mit 91 Jahren. © Vroni Vogel

Marianne März war 1972 die erste und damals einzige Gemeinderätin in Wörth (Hörlkofener Liste/CSU).

Hörlkofen – Sie hat viele Ehrenämter bekleidet, meisterte als eigenständige und selbstbewusste Frau das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Jetzt hat die 91-Jährige, die bis kurz vor ihrem Tod aktiv am Leben teilnahm, ihre letzte Reise angetreten.

Stolz war die betagte Dame auf ihr 15 km/h schnelles Elektroauto, mit dem sie in gemächlichem Tempo noch bis vor einem Jahr regelmäßig unterwegs war.

Marianne März gehörte dem Gemeinderat zwölf Jahre lang an. Der Erdinger Kreistag berief sie außerdem als Schöffin ans Landgericht München II. 14 Jahre war sie dort als ehrenamtliche Richterin tätig und hat Situationen erlebt, die sie gerne mit Szenen aus dem Königlich Bayerischen Amtsgericht verglich. März vertrat zudem ihren Berufsstand 20 Jahre lang als stellvertretende Ortsbäuerin und war acht Jahre lang Vorsitzende der Frauengruppe im Verein der landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen Kreis Erding.

Marianne März wurde als einziges Kind der Gastwirtseheleute Kaspar und Maria Ismaier, die das „Klösterl“ führten, geboren, und wuchs sehr bald in die Gastronomie hinein. „Ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft sind ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden“, sagte Gemeindereferent Anton Huber in seiner Trauerrede auf dem Hörlkofener Friedhof und erinnerte an Lebensstationen der Verstorbenen.

Ihre Kindheit war vom Nationalsozialismus überschattet. Als 13-Jährige erkrankte sie schwer an Diphtherie und überlebte nur dank der Hilfe eines Militärarztes, der Zugang zu Penicillin hatte. Nach dem Krieg hat sie sich schon als Jugendliche für die Schulspeisung für Kinder eingesetzt, die wenig zu essen hatten. 1948 zog die Familie auf den Oberkellerhof nach Hörlkofen um, weil ihr Vater Kaspar Ismaier das Anwesen von seinem Bruder übernommen hatte, der dafür gesundheitlich zu stark eingeschränkt war.

In Hörlkofen engagierte sich Marianne März im Theaterverein. Es gab legendäre Aufführungen im Saal der Bahnhofsgaststätte Liebl. Nach dem Tod ihrer Mutter Maria Ende 1962 übernahm die junge Frau den Hof und führte ihn die nächsten Jahre allein weiter. Mit 37 Jahren heiratete sie Witwer Hans März aus Obertrubach in der Fränkischen Schweiz und fand mit ihm einen Ehemann, der sie bei der Hofarbeit entlastete und in allen Entscheidungen beriet. Durch die Heirat wurde sie Mutter von drei Söhnen, die ihr Gatte mit in die Ehe brachte und die sie liebevoll umsorgte. Außerdem pflegte sie ihren Vater Kaspar, der 1976 verstarb.

1985 übergab sie den Hof und hatte nun mehr Zeit, um ihre vielfältigen Kontakte zu pflegen, beispielsweise bei Treffen der Ortsbäuerinnen oder bei Seniorentagen der Pfarrgemeinde. Besonders gerne hat sie sich Zeit für ihre sechs Enkelkinder genommen, sie waren ihr ganzer Stolz. Später kamen neun Urenkel hinzu. Ein schwerer Verlust für sie und die ganze Familie war der plötzliche Unfalltod ihrer ältesten Enkelin Nicki vor 20 Jahren. Im Jahr darauf starb ihr Ehemann Hans nach 35 gemeinsamen Ehejahren.

Marianne März war vielseitig interessiert und engagiert. Bis zuletzt war die ausgiebige Lektüre der Heimatzeitung ein wesentlicher Teil ihrer Tagesplanung. Zeitlebens war ihr die Unabhängigkeit wichtig, die sie sich bis ins hohe Alter bewahrte. Allerdings machte der über 90-Jährigen eine Lungenentzündung schwer zu schaffen. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten bekam die Senioren einen Platz in einem Erdinger Pflegeheim.

Dort hat sie sich schnell einen Namen gemacht. „Durch ihre bescheidene, aber direkte Art war sie beim Pflegeteam sehr beliebt. An der Pforte ist auch aufgefallen, dass sie immer viel Besuch bekommen hat“, berichtete Huber in seiner Rede. Zuletzt verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand, und versehen mit den Heiligen Sterbesakramenten schlief sie friedlich ein.

VRONI VOGEL

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