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Ein Unfall, den alle Beteiligten nie vergessen werden: So berichtete unsere Zeitung am 10. September 2018 über den tödlichen Motorradcrash zwischen Erding und Hörlkofen. 

26-Jähriger auf Bewährung verurteilt

Mysteriöser Unfall: Ein Jahr Haft für tödliches Überholmanöver - viele Fragen offen

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Zu einem Jahr Haft auf Bewährung ist ein 26 Jahre alter Motorradfahrer verurteilt worden, dessen waghalsiges Überholmanöver vor einem Jahr bei Hörlkofen einen weiteren Motorradfahrer das Leben gekostet hat.

Hörlkofen/Erding - Dass sich beide Maschinen bei dieser Kollision nicht einmal berührten, ist nicht das einzig Ungewöhnliche an diesem Fall. Der wichtigste Zeuge, der alles gesehen haben muss, konnte nie ausfindig gemacht werden. Und ein Kleinlastwagen, der in den Crash verwickelt war, konnte nie ermittelt werden. Und die Beteiligten sowie Zeugen wiesen allesamt entweder große Erinnerungslücken auf oder hatten Details nicht gesehen. Zum Teil machten sie höchst widersprüchliche Angaben.

Der 8. September vergangenen Jahres war ein warmer, sonniger Spätsommertag. Der 26 Jahre alte Sauerlacher unternahm mit seiner Suzuki eine Ausflugsfahrt. Die sollte gegen 12 Uhr auf der Staatsstraße 2331 zwischen Hörlkofen und Erding ein jähes Ende nehmen. Am Ende einer fünfstündigen Verhandlung gestern vor dem Amtsgericht Erding kam heraus, dass der junge Mann in Fahrtrichtung Erding zwei Fahrzeuge überholen wollte. Der Gutachter hatte errechnet, dass er beim Überholvorgang mindestens 150 Kilometer pro Stunde schnell gewesen sein muss.

Plötzlich brach der junge Mann den Überholvorgang ab

Plötzlich brach der junge Mann den Überholvorgang ab. Die Gründe dafür wurden im Prozess nicht ganz klar. Am wahrscheinlichsten ist, dass er in diesem Moment den entgegenkommenden Kleinlastwagen beziehungsweise Pritschenwagen bemerkte. Jedenfalls bremste er seine Maschine derart heftig ab, dass er selbst in den angrenzenden Acker flog.

Das war erst der Beginn einer verhängnisvollen Kettenreaktion, die für einen völlig unschuldigen Motorradfahrer tödlich endete. Denn die Maschine des Sauerlachers prallte trotz Vollbremsung mit nach wie vor hohem Tempo ins Heck eines vorausfahrenden VW Golf. Den steuerte eine 44-Jährige aus Forstern. Ihr Ehemann (55) auf dem Beifahrersitz sagte als Zeuge aus, er habe einen heftigen Schlag im Rücken gespürt, so dass er im Sitz regelrecht nach vorne katapultiert worden sei. Die Fahrerin verlor die Kontrolle über ihren Wagen, der über die Gegenfahrbahn driftete und eine 360-Grad-Wende hinlegte.

In diesem Moment nahte der 49 Jahre alte Hörlkofener mit seiner Kawasaki auf der Gegenfahrbahn. Er hatte keine Chance, dem unkontrolliert schlingernden VW auszuweichen und wurde frontal erfasst. Der Mann prallte gegen einen Baum. Er dürfte auf der Stelle tot gewesen sein.

Der Beifahrer im Golf wurde schwer verletzt

Während der Unfallverursacher und die Fahrerin des Golf nur leicht verletzt wurden, erwischte es deren Gatten schlimmer. Er erlitt schwere Knieverletzungen. Sechs Monate war der Lagerist krankgeschrieben, eine zweite OP steht kurz bevor.

In der Verhandlung vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Björn Schindler versicherte der Sauerlacher Biker, dass ihm das Geschehene sehr leidtue. Er könne sich an Details nicht mehr erinnern, leide aber bis heute psychisch enorm.

Der 26-Jährige betonte, deutlich langsamer als die vom Gutachter errechneten 150 km/h gefahren zu sein – etwa 100. Das hielt der Sachverständige für unglaubwürdig. „Dann hätte der Vorgang an dieser Stelle so lange gedauert, dass der Fahrer ohne jede Sicht nach vorne überholt hätte.“

Was hat es mit dem unbekannten Kleinlaster auf sich?

Nicht klären ließ sich, was es mit dem ominösen Pritschenwagen auf sich hatte. Auf den war die Polizei nur durch Zufall gestoßen – durch Wrackteile unter dem Golf mit Farbanhaftungen in der Farbe des VW. Nicht nur der Richter wunderte sich, warum der erste überholte Pkw einfach weitergefahren war. Denn dessen Insassen hätten den Unfall genau beschreiben können. Weitere Zeugen waren erst mit größerem Abstand gefolgt.

Staatsanwalt Thomas Bauer forderte ein Jahr Haft auf Bewährung. Der junge Mann sei der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung schuldig. Allerdings hielt er dem Angeklagten zu Gute, dass er bisher strafrechtlich nie in Erscheinung getreten, reuig und geständig sei.

Richter: Ein kompliziertes Verfahren

Verteidiger Florian Schmidtke schloss sich an, betonte aber, wie sehr sein Mandant unter dem Unfall leide. „Das war ein Augenblicksversagen.“ Er hielt eine Geldstrafe für ausreichend.

Richter Schindler verurteilte den 26-Jährigen zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Er sprach von einem „sehr komplizierten Verfahren und einem sehr schwierig aufzuklärenden Unfall mit tragischem Ende“. Zudem muss der Sauerlacher 5000 Euro an einen gemeinnützigen Verein spenden. Der Führerschein bleibt sechs Monate gesperrt.

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