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Mit Ping Pong gegen Parkinson

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Von: Henry Dinger

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Zu Hause an ihrer kleinen Tischtennisplatte spielt Michaela Hieber. Die Hörlkofenerin würde gerne in einem Verein mit anderen Ping Pong spielen und sich in dieser Gemeinschaft austauschen.
Zu Hause an ihrer kleinen Tischtennisplatte spielt Michaela Hieber. Die Hörlkofenerin würde gerne in einem Verein mit anderen Ping Pong spielen und sich in dieser Gemeinschaft austauschen. © Henry Dinger

Michaela Hieber hat Parkinson. Dabei kann Sport helfen, vor allem Tischtennisspielen. Die Hörlkofenerin sucht deshalb Gleichgesinnte - und eine Möglichkeit zum Spielen.

Hörlkofen – Vor einem Jahr bekam Michaela Hieber die Diagnose Parkinson. Regelmäßiger Sport kann dem Körper helfen, damit umzugehen. Vor allem Tischtennisspielen kann das Verschlechtern der Symptome verlangsamen. Jetzt sucht die Hörlkofenerin, einen Verein, bei dem sie und andere Betroffene spielen können.

Parkinson ist nicht heilbar, aber die Begleiterscheinungen lassen sich unter anderem mit Medikamenten lindern. Hieber ist noch in einem Frühstadium der Erkrankung, bei dem der notwendige Dopamin-Ersatzstoff mittels eines Pflasters in den Körper gelangt. „Die Dosis ist jedoch innerhalb eines Jahres von zwei auch sechs Milligramm gestiegen“, erklärt die Hörlkofenerin.

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Noch kann sie sich bewegen, merkt aber im Alltag schon Einschränkungen: „Bei der Hausarbeit wie Fensterputzen, aber auch wenn ich Stress habe, geht das Zittern los.“ Doch aufgeben kommt für die 57-jährige nicht in Frage. Sie hat sich mit ihrer Krankheit auseinandergesetzt und weiß, dass regelmäßiger Sport dem Körper hilft, damit umzugehen.

Vor allem Tischtennisspielen kann das Verschlechtern der Symptome verlangsamen. „Das ist nachgewiesen“, sagt Hieber. Sie selbst spürt, dass sie sich beim Ping Pong besser und lockerer fühlt. Doch für sie gibt es zwei Probleme: Wo soll sie spielen – und wer schwingt auf der anderen Seite der Platte den Schläger? Um für zu Hause eine Lösung zu haben, hat sie sich eine kleine, klappbare Platte gekauft, die sie auch selbst im Garten aufbauen kann. Hier spielt manchmal ihr Sohn mit, aber auch er hat nicht oft Zeit.

„Ein Sportverein wäre schön“, sagt Hieber. Das hätte auch den Vorteil, dass sie auch mit anderen Parkinson-Betroffenen in Kontakt käme. Durch ihre Suche stieß sie auf den PingPongParkinson e.V. (PPP). Der wurde ursprünglich 2017 in den USA gegründet, den deutschen Ableger gibt es seit 2020. Diese Vereinigung besteht aus Institutionen und einzelnen Personen, die Menschen mit Parkinson und Möglichkeiten zum Ping-Pong-Spielen zusammenbringen wollen.

Das gelingt zwar immer besser, aber es bestehen noch Lücken. „Es gibt zwei Vereine in München, in denen Erkrankte spielen, aber das ist für mich zu weit weg“, sagt Hieber. Im Landkreis Erding war ihre Suche bislang vergebens.

Jürgen Zender kennt diese Probleme. Er hat seine Diagnose vor drei Jahren bekommen, Tischtennis ist seit geraumer Zeit sein Lebenselixier. Zender ist nicht nur oberbayerischer Regionalleiter des PPP-Vereins, sondern vermittelt in seinem Blog „Parkinson Journal“ mit anderen Mitstreitern auch viele Informationen und Anregungen rund um die Krankheit.

„Was Besseres als Tischtennis gibt es kaum“, sagt Zender und bringt die soziale Komponente als wichtigen Punkt ins Spiel. Nachdem die Diagnose gestellt wurde, würden sich viele nicht mehr vor die Tür trauen, sich lieber isolieren, als andere zu treffen. „Dabei können Gleichgesinnte in der Gemeinschaft natürlich helfen.“ Das Problem sei, Partner zu finden, die die Kapazitäten dafür bieten.

In München hat er sich die Finger wund telefoniert, um die zwei Vereine zu finden, die sich nun beteiligen. „Vermutlich haben manche Angst, dass da jemand im Rollstuhl kommt, der den ganzen Betrieb aufhält“, sagt Zender. Das sei jedoch ein Irrglaube, durch die Betätigung könnten auch Erkrankte über Stunden fit sein.

Im Landkreis Erding war bereits sein Vorgänger vergeblich auf der Suche nach einer Sportgemeinschaft, die sich beteiligt. Eine Mail-Anfrage durch die Heimatzeitung bei mehreren Sportvereinen brachte ebenfalls kein Ergebnis. „Keine Kapazitäten, die Trainer sind ausgelastet, wir sind durch Corona etwas geschrumpft“, hieß es in den Antworten. Michaela Hieber sucht nun weitere Betroffene und dann möglicherweise einen Verein, der sie bei sich aufnimmt.

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