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Trainieren und Gassigehen: Sigrid Baumanns Geschäftsidee richtet sich an hundebegeisterte Freizeitsportler.

Existenzgründerin Sigrid Baumann

Dauerlauf in die Selbstständigkeit

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Sport mit Hund: Das ist die Geschäftsidee von Sigrid Baumann. Die Fitness- und Hundetrainerin aus Hörlkofen wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und verrät, warum Existenzgründung kein Zuckerschlecken ist.

Hörlkofen – Sigrid Baumann (34) aus Hörlkofen war am Ende. Vor acht Jahren hatte sie ein Burnout, ihr Job als Vertrieblerin hat sie kaputtgemacht. „Mir wurde einfach alles zu viel, ich habe jeden Tag zehn bis elf Stunden gearbeitet“, sagt sie heute. Jetzt will sie sich mit einer Hundeschule sowie Fitness für Hund und Herrchen selbstständig machen.

Die 34-Jährige ist durchtrainiert, trägt schwarze Leggings und Pulli mit weißen Hundepfoten. Ihre Kleidung gehört zu den ersten Investitionen in ihr Business, ihre zwei Rentner-Hunde Lennox und Crazy (beide 14) wuseln um sie herum: „Ich wollte schon immer eine Hundeschule aufmachen“, sagt sie.

In jungen Jahren setzte sie aber erst auf berufliche Sicherheit. Mit 16 Jahren machte sie eine Lehre zur Tierarzthelferin, dann zur Pferdewirtin, arbeitete danach im Vertrieb, „um endlich mal Geld zu verdienen“.

Doch dann kam das Burnout. Eigentlich wollte sie damals schon ihre eigene Hundeschule gründen und beantragte einen Existenzgründerzuschuss (siehe Kasten), bekam aber keinen: „Das Arbeitsamt hat mir gesagt, dass in Erding und Freising zu viele Außendienststellen für Vertriebler frei sind.“ Deshalb jobbte sie erst einmal in Bäckereien oder Tankstellen sowie nebenbei als Tanz- und Fitnesstrainerin.

Der Job im Fitnessstudio endete im Januar, und Baumann wagte den Sprung in die Selbstständigkeit – mit allen Hürden. Ihre Idee: Sport und Hunde verbinden. „Ich stand selber immer vor der Frage: Soll ich jetzt ins Fitnessstudio oder mit dem Hund gehen?“ Damit kann sie ihren Interessen nachgehen, und sie hofft auf Kunden, denen es ebenso geht.

Deshalb bietet die Hundetrainerin ab Mai Stunden für das anständige Verhalten von Hunden an und ab Juni auch Fitness für Hund und Herrchen. „So was gibt es bisher nur einmal in Deutschland“, sagt Baumann. Das Prinzip: Sportler und Hunde sind auf Feld und Flur unterwegs. Herrchen trainiert Liegestütz und Kniebeuge, Hund schaut zu. Sport mit Hund also.

2000 Euro Startkapital,20 Seiten Businessplan

Für ihre Existenzgründung holte sich Baumann Rat von einer Consulting-Firma für Gründer und arbeitete einen rund 20-seitigen Businessplan aus. Kosten: 180 Euro. Der Plan gibt einen Überblick über das Vorhaben, angefangen von der Idee der Gründung über die Zukunftsaussichten und: In welche Richtung soll sich das Unternehmen entwickeln?

Baumann will die Hundeschule zunächst nur im Sommer anbieten und im Winter als Fitnesstrainerin arbeiten. „Aber das soll die Hundeschule irgendwann mal ablösen.“ Außerdem steht im Geschäftsplan eine Markteinschätzung, warum Menschen im Landkreis die Hundefitness-Schule brauchen. Die Gründerin sagt: „Im Landkreis Erding leben 45 000 Hunde, und das Thema Fitness wird immer wichtiger.“

Lebenslauf, Zeugnisse und Referenzschreiben gehören ebenso in den Businessplan – ein wichtiges Dokument also: „Den Businessplan braucht man, wenn man einen Existenzgründerzuschuss haben will oder einen Kredit bei der Bank.“ Mit dem Zuschuss hatte Baumann aber weiter kein Glück, denn: „Das Arbeitsamt hat gesagt, dass ich ja schon als Fitnesstrainerin selbstständig war.“

Die Gewerbeanmeldung im Rathaus war dagegen ein Klacks. Baumann brachte Ausweis und polizeiliches Führungszeugnis mit, füllte ein Formular mit Namen und ihrer Geschäftsidee aus: „Das kostet dann 24 Euro, und man bekommt einen Gewerbeschein und eine neue Steuernummer. Das war’s.“ Dafür musste sie in Vorkasse gehen: „Ich habe bis jetzt etwa 2000 Euro investiert“ – für Balancekissen, Visitenkarten, die eigene Homepage und vor allem für Versicherungen.

Bis zur ersten Hundetrainingsstunde im Mai will sie noch neue Wege für das Hunde-Fitnesstraining auskundschaften und ordentlich Werbung machen: „Das muss wirklich funzen.“ Denn ihr Budget ist knapp, in ihrem Businessplan hat sie für das erste Jahr einen Umsatz von rund 9000 Euro kalkuliert, abzüglich Investitions- und laufenden Kosten würden ihr rund 310 Euro im Monat bleiben. „Im ersten Jahr muss ich noch vom Ersparten leben.“ Sie bleibt optimistisch: „Natürlich habe ich ein bisschen Angst, aber ich möchte nicht mehr im Angestelltenverhältnis arbeiten“, sagt sie: „Solange man fleißig ist, bin ich ganz optimistisch.“

Existenzgründerzuschuss

Der Gründerzuschuss soll Arbeitslosen die Selbstständigkeit erleichtern. Die Bundesagentur für Arbeit gewährt die Förderung bis zum 65. Lebensjahr.Voraussetzungen: Der Antragsteller muss Arbeitslosengeld I beziehen. Zudem gilt der Vermittlungsvorrang in den Arbeitsmarkt. Der Existenzgründer muss damit rechnen, dass der Arbeitsvermittler zunächst versucht, ihn in Anstellung zu bringen. Er sollte daher einen Businessplan und ein Finanzkonzept vorlegen können. Wenn der Existenzgründer damit überzeugt, wird sechs Monate lang Arbeitslosengeld plus 300 Euro Zuschuss gezahlt. Nach sechs Monaten folgt eine Neubewertung: Die Agentur prüft, ob der Selbstständige die Ziele des Geschäftsplans erreicht hat. Danach kann sich eine Förderphase von neun Monaten à 300 Euro anschließen.

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