Nachwuchs: Damit es im Nest bequem bleibt, muss neues Nistmaterial her.

Meister Adebar in Sonnendorf

Das ganze Dorf ist storchennarrisch

Sonnendorf – Endlich wieder gefiederter Nachwuchs in Sonnendorf: Die Störche haben erfolgreich zwei Jungtiere großgezogen.

Mehr als drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich vor zwei Jahren in Sonnendorf wieder Störche angesiedelt hatten. Auch heuer hat ein Paar im Horst auf dem Kirchdach zwei Jungtiere großgezogen.

Das lange Fernbleiben der Tiere wurde zu einer Sehnsuchtsgeschichte, die immer von hoffnungsvollem Warten bestimmt war. Man renovierte über die Jahre den Horst und übte sich in Geduld. Die Alteingesessenen kennen noch viele Geschichten von den Störchen, die früher ganz selbstverständlich zum Lebensalltag gehörten. „Der Storch war schon da, als ich ein Kind war“, erzählt zum Beispiel Gabi Haimmerer, die mit ihrer Familie in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche wohnt. Ihr Ehemann Martin hat vor Jahren einen toten Storch an einem Hochspannungsmast gefunden. Daraufhin wurden die Masten storchensicher gemacht.

Als Gabi Haimmerer heuer um Ostern herum mit einer Gruppe in Rom war, hat sie dort auch darum gebetet, dass sich ein zweiter Storch zwecks Familiengründung einfinden möge. Der erste war Anfang März ins Nest geflogen. „Als wir zurückgekommen sind, war er da“, erzählt sie schmunzelnd.

Nach den Aufzeichnungen, die Alfred Hermann als örtlicher Storchenbeobachter von 1976 bis 1999 festgehalten hat, wurden ab 1982 zwar immer wieder Störche gesichtet. Dauerhaft ließen sich die Tiere aber erst wieder 2014 auf dem Kirchendach nieder. Der frühere langjährige Vorsitzende der örtlichen Bund Naturschutz-Gruppe, Reinhard Sommerer, sah es immer als zentrale Aufgabe an, die Biotopvernetzung zu fördern. Schließlich müsse man dem immer weniger werdenden Lebensraum der Störche, die für ihre Nahrungssuche extensiv genutzte Flächen mit Artenreichtum benötigen, entgegenwirken. Einige Sonnendorfer Landwirte setzen schon seit längerem aus Überzeugung Wiesenbrüterprogramme um.

Mit dem Jahr 2016 wurde Clarissa Höschel die neue Storch-Chronistin. Sie ist vor nicht allzu langer Zeit nach Sonnendorf gezogen und hat die großen Vögel sofort in ihr Herz geschlossen. „Wir sind superstolz, dass wir die Störche haben“, sagte sie. Von ihrer Dachwohnung aus hat Höschel freien Blick auf den Horst. Dort steht auch ihre Kamera mit Teleobjektiv. Die Wahlsonnendorferin hat vom tierischen Leben in luftiger Höh viele exzellente Bilder festgehalten – eine fotografische Liebeserklärung an den selten gewordenen Meister Adebar.

Die Störche schweißen die kleine Dorfgemeinschaft zusammen. Man bangte mit den Tieren, als im Frühsommer der Regen gar nicht mehr aufhören wollte. Man beobachtete aus diskreter Distanz ihr Liebesspiel, sah sie brüten und später auch die Kleinen ihre Köpfchen aus dem Nest heben. Man befragte sich gegenseitig zu den Beobachtungen. Dazu gehörte auch, die Feststellung, dass Klappern nicht gleich Klappern ist. So sei das akustische Begrüßungsritual ganz anders als „panisches Klappern“, wenn fremde Störche als potenzielle Rivalen auftauchen, berichtet Höschel.

Nun ist schon bald die Zeit des Abschieds gekommen, wenn die Tiere ihre imposanten Schwingen ausbreiten, um in ein ungewisses Vogelleben aufzubrechen. Oder etwa doch nicht? Immerhin gab es schon einen Sonnendorfer Storch, der sich einen legendären Ruf erwarb, weil er in der Region überwinterte. Die jüngste Entwicklung jedenfalls lässt hoffen, dass die Störche immer wieder ihren Weg nach Sonnendorf finden werden, und dass man auf sie vielleicht nicht mehr Jahrzehnte warten muss.

Vroni Vogel

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