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Der Bahnübergang bei Rottmann soll weg. Die Gemeinde Wörth befürchtet bei jeder Variante der Deutschen Bahn überrollt zu werden.

Gemeinde Wörth 

Bahnplanung mit vielen Fragezeichen

Immense Kosten, die mögliche Absiedelung einer Zimmerei, Zeitdruck: Die Gemeinde Wörth fühlt sich von den Plänen der Bahn zum Übergang Rottmann überrollt.

Hörlkofen/WörthFür die Gemeinde Wörth und ihre Bürger blieben viele Fragen offen, als Bahnplaner Markus Baumann am Montagabend im Gemeinderat Varianten vorstellte, wie der Bahnübergang bei Rottmann beseitigt werden könnte. Auf dieser Grundlage könne man doch keine Entscheidung treffen, meinte eine junge Bürgerin am Ende der Sitzung, als den Zuhörern das Wort erteilt wurde.

Bürgermeister Thomas Gneißl (ÜPWG) sieht das genauso. Es gebe weder eine konkrete Umsetzungszeit, noch verlässliche Aussagen zu Planungs- und Baukosten geschweige denn konkrete Förderzusagen. Letzteres nannte Vizebürgermeisterin Ulla Dieckmann (SPD) einen Skandal. Denn egal, welche Variante verwirklicht wird, für die Gemeinde rollt aufgrund des Eisenbahnkreuzungsgesetzes, das eine Drittelung der Kosten zwischen Bund, Bahn und Gemeinde vorsieht, eine immense Kostenlast zu.

Die erste Lösung, die schon einmal als Vorzugsvariante im Gespräch war, sieht ein massives Brückenbauwerk bei Rottmann vor, um die Straße dort zu überführen, Kosten: 3,6 Millionen (Gemeinde-Anteil; 1,2 Mio.). Der große Haken daran: Das Bauwerk würde größtenteils auf Walpertskirchener Flur errichtet, so dass Wörth der Nachbarkommune entweder eine nicht förderfähige Ablöse von 1,3 Millionen Euro zahlen oder über Jahre die Straßenbaulast für die groß dimensionierte Brücke übernehmen müsste.

Aus diesen Gründen drängte Wörth auf eine Alternative auf eigener Flur. Diese legte Baumann jetzt vor: eine Parallelstraße entlang der Bahn auf der Seite von Stallering. Der große Knackpunkt hier: Die dort ansässige Zimmerei wäre im Weg. Planer Baumann formulierte es salopp: „Die Hausecke würden wir noch mitnehmen.“ Man würde außerdem zusätzlich Grund benötigen, wenngleich die Hauptstrecke auf Bahngrund verlaufen würde. Kostenschätzung hier: 1,2 Millionen Euro (Gemeinde-Anteil: 400 000). Gneißl: „Eine Um- oder Absiedelung des Gewerbebetriebs wäre unumgänglich.“ Baumann bestätigte, dass die Kosten dafür in der Schätzung nicht enthalten seien. Gneißl betonte außerdem, dass man dem Betrieb keine Ersatzfläche in Hörlkofen anbieten könne, weil man sie einfach nicht habe.

Sein Fazit: Die Alternative auf Wörther Gebiet sei zunächst nur ein roter Strich gewesen und auf Nachhaken der Gemeinde jetzt als Planung vorgestellt worden. In diesem Sinne habe man einen „Erkenntnismehrwert“ erhalten, allerdings nur darüber, wie massiv dieser Eingriff wäre. Über beide Varianten sei man „nicht glücklich“, weil sie Nachteile hätten und die Hörlkofener Verkehrproblematik nicht lösen würden.

Gneißl soll jetzt mit dem Bahnplaner die Grundstückseigentümer aufsuchen. Der Gemeinderat sah sich außerstande, jetzt schon eine Grundsatzentscheidung zu treffen, wenngleich er sich von der Bahn unter Zeitdruck gesetzt fühlt.

Die Bahnpläne liegen seit gestern im Foyer des Rathauses aus. Am morgigen Donnerstag will die Bahn dort von 17 bis 19 Uhr Bürgerfragen beantworten, allerdings nur in Einzelgesprächen. Eine Bürgerversammlung sei seitens der Bahn nicht gewünscht worden, so Gneißl. Vroni Vogel

Kommentar

Geglückte Kommunikation sieht anders aus

Verständlicherweise pocht die Gemeinde Wörth auf verlässliche Aussagen von den Bahnplanern. Schließlich geht es um die weitere Entwicklung der Kommune – und eine große Kostenlast.

Die Bahn scheint ihre Planungen mit lobbyistischem Tunnelblick statt mit partnerschaftlicher Weitsicht voranzutreiben. Eine echte Kooperation ist auch für Bürgermeister Thomas Gneißl nicht ersichtlich. Dazu passt das seltsame Vorgehen der Bahn, die Bürger lediglich in lauschigen Einzelgesprächen zu informieren.

Will man hier wirklich individuell beraten oder unbequemen Fragen ausweichen, deren Beantwortung alle Bahnanlieger als unmittelbar Betroffene brennend interessiert?

Wie sieht’s denn mit dem Schallschutz aus? Schweigen ist auch eine Antwort. Am morgigen Donnerstag können die Bürger den Bahnverantwortlichen von 17 bis 19 Uhr im Hörlkofener Rathaus auf den Zahn fühlen. Hingehen! Vroni Vogel

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