Der angeborene Totstellreflex bewirkt, dass die Jungstörche während der Beringung reglos im Nest verharren.
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Der angeborene Totstellreflex bewirkt, dass die Jungstörche während der Beringung reglos im Nest verharren.

Dritte Markierungsaktion in Sonnendorf – Sieben Tiere inzwischen identifizierbar

Gut beringt ins Storchenleben

Der Sonnendorfer Storchennachwuchs lässt sich in Zukunft eindeutig identifizieren. Dafür wurden sie von einem Experten beringt.

Sonnendorf – Bereits zum dritten Mal rückte die Altenerdinger Feuerwehr mit ihrem Teleskop-Gelenkmast zu einem ganz besonderen Einsatz in Sonnendorf an. Gefragt war die ausfahrbare Leiter mit Fahrgastkorb, um den Storchenberinger Clemens Krafft von der Vogelwarte Radolfzell zu den Storchenküken auf der Kirche zu bringen. Mit dabei hatte er die beiden Ringe, mit denen sich der diesjährige Nachwuchs in Zukunft eindeutig identifizieren lässt.

Mit dem Storchenexperten im Korb stand Christian Zimmermann, der in luftiger Höhe für die richtige Position sorgte. Damit der Korb die 26 Meter bis zum Horst überhaupt erreichte, saß unten am Steuerpult Martin Wildenauer, der den Gelenkmast aus- und einfuhr. Für die Sicherheit am Boden sorgte Stephan Korschil von der Feuerwehr Hörlkofen.

Der Totstellreflex der Störche wird zum Beringen genutzt

Als sich der Korb dem Nest näherte, duckten sich die inzwischen gut fünf Wochen alten Storchenjungen und verharrten bewegungslos. Diese sogenannte Akinese, der Totstellreflex, ist den Küken angeboren und wird zum Beringen genutzt, denn so ist gewährleistet, dass die Jungvögel nicht gefährdet sind.

Das Beringen von Wild- und insbesondere Zugvögeln ermöglicht es, ihre Wege zu verfolgen, um sie besser schützen zu können. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse lassen sich Zugrouten identifizieren und Gefahren auf den Strecken erkennen. In den Brutregionen können gezielte Schutzmaßnahmen entwickelt werden, was sich gerade in Bezug auf die Storchenpopulation als langwieriger, aber erfolgreicher Weg herausgestellt hat.

In Bayern hatte die Storchenpopulation in den 1980er Jahren einen historischen Tiefstand erreicht. Ein umfassendes Storchen-Schutz- und allgemeines Renaturierungsprogramm zur Wiederherstellung der notwendigen Lebensräume hat inzwischen dazu geführt, dass sich die Population wieder deutlich erholt hat. Auch der Sonnendorfer Horst war fast 30 Jahre lang verwaist. Erst seit 2013 haben Brutpaare zumeist erfolgreich für Nachwuchs gesorgt (wir berichteten). Die Altvögel sind allerdings nicht beringt, sodass nur vermutet werden kann, dass es sich seit einigen Jahren immer um dieselben Störche handelt.

Inzwischen können sieben Tiere als Sonnendorfer Störche identifiziert werden

Beim Nachwuchs ist dies seit 2019 anders, denn seither werden die Sonnendorfer Küken beringt. Inzwischen sind es sieben, die über die Datenbank der Vogelwarte Radolfzell als Sonnendorfer Störche identifiziert werden können. Die Ringe sind mit Fernglas oder Teleobjektiv auch auf einige Entfernung noch gut lesbar. Wird ein beringter Vogel gesichtet, erfolgt eine Meldung an die Vogelwarte, die die Sichtungsdaten in einem individuellen Storchensteckbrief vermerkt. Auf diese Weise lassen sich sowohl Flug- und Zugrouten als auch die Rückkehr in angestammte Brutgebiete nachvollziehen.

So wurde im März dieses Jahres ein beringter Storch nahe der Keckmühle gesichtet. Aus seinem Steckbrief geht hervor, dass er im Jahr 2019 bei Tübingen geboren, im April 2020 bei Freiburg und im Juni 2020 bei Rott am Inn gesichtet wurde. Auch einen Sonnendorfer Wiederfund gibt es bereits: Eines der beiden Küken von 2019 wurde im April dieses Jahres in einer Teenager-Gruppe am Eittinger Viehlaßmoos gemeldet.

Störche sind grundsätzlich sehr standorttreu und kehren nach ihren Lehr- und Wanderjahren in aller Regel in die Region ihrer Geburt zurück, auf der Suche nach einem eigenen Horst. Also vielleicht ist einer der Neuankömmlinge im benachbarten Siggenhofen ja auch ein Sonnendorfer Storch.

Clarissa Höschel

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