Neue Interessengemeinschaft in Wörth

Hochwasser: Gegner machen mobil

Wörth – Gegen den geplanten Damm in Niederwörth, um die Große Kreisstadt Erding vor Hochwasser zu schützen, formiert sich eine Interessengemeinschaft. In Wörth geht vor allem die Angst um steigendes Grundwasser um.

Der Bayerische Bauernverband hatte am Donnerstag ins Wörther Gasthaus „Klösterl“ geladen. Dort unterschrieben auf Anhieb 120 Bürger für die Interessengemeinschaft. Das Gastzimmer war so brechend voll, dass ein Teil der Besucher die Versammlung per Lautsprecher vom Biergarten aus verfolgen musste.

BBV-Ortsobmann Fritz Gruber, der als Niederwörther selbst Betroffener ist, umriss die Problematik. Der Damm würde mit Spundwänden, die sechs Meter tief in die Erde eingegraben werden, verankert. Deshalb befürchte man grundsätzlich einen massiven Grundwasserstau bis Schwillach. Gruber: „Das ist eine Katastrophe.“ Mit der Interessensgemeinschaft könne man der Stadt Erding zeigen, dass man nicht alles hinnehme: „Da in Wörth tut sich was!“

BBV-Berater Franz Sedlmeier ging auf den Variantenvergleich des Wasserwirtschaftsamts ein – entweder auf Erdinger Gebiet vor allem in Altenerding und Langengeisling das Hochwasser mit Mauern und Dämmen zurückzuhalten oder den Damm bei Niederwörth mit Rückhaltefläche zu bauen. Sedlmeier stellte eine eindeutige Tendenz fest und sagte: „Diese Tabelle wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.“

Jurist Hartwig Schneider von der dem BBV nahe stehenden Rechtsanwaltsgesellschaft Landvokat hakte ein: „Wie kommen wir zu einem objektivierten Variantenvergleich?“ Die Präferenz für den Damm sei nicht nachvollziehbar. Der Rechtsanwalt sah in der Interessengemeinschaft ein „hervorragendes Instrument“ der politischen Einflussnahme, warnte aber davor, es dabei zu belassen. Man müsse den „Ball aufgreifen“ und versuchen, vorweg ein Raumordnungsverfahren zu bekommen. Auch Umweltministerin Ulrike Scharf, die laut BBV-Ortsobmann Gruber bereits kontaktiert worden sei und versprochen habe, dass es für Wörth „keine Verschlechterung“ geben dürfe, soll erneut angesprochen werden. Derzeit ist beim Hochwasserschutzprojekt nur ein Planfeststellungsverfahren vorgesehen.

Es sei, so Schneider, ganz wichtig, „dass sich nicht nur die unmittelbar vom Dammbau Betroffenen engagieren, sondern alle, die befürchten, dass sie Probleme mit dem Grundwasser bekommen“. Falls es letztlich zum Planfeststellungsverfahren komme, müsse sich jeder „heftig mit den Details auseinandersetzen“. Nur dagegen zu sein, wäre ein „fürchterlicher Fehler“. Werde der Damm beispielsweise nicht als „gesteuerter Polder“ ausgewiesen, dann könne es Probleme bei der Entschädigung geben.

„Du hast der Stadt Erding die Zähne gezeigt“, begrüßte Gruber anerkennend den Wörther Bürgermeister Thomas Gneißl. Dieser bekräftigte, dass man seitens der Gemeinde die Thematik sehr ernst nehme und sich sowohl fachlichen wie juristischen Beistand hole. Man werde jedoch nicht mit einem Gegengutachten arbeiten, sondern das Grundwassermodell abwarten und von einem Ingenieurbüro überprüfen lassen.

Die Auseinandersetzung soll bei allen Emotionen „nüchtern und sachlich“ erfolgen. Man werde vorbehaltlich des Gemeinderatsbeschlusses der Interessengemeinschaft beitreten. Gneißl: „Ich würde es begrüßen“.

Mit Spannung wird die Informationsveranstaltung zum Flutschutz im Oktober in Altenerding erwartet.

Vroni Vogel

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