Nah am Original: Der Hörlkofener Bahnhof in der Computer-Simulation
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Nah am Original: Der Hörlkofener Bahnhof in der Computer-Simulation

Deutsche Bahn simuliert Ausbau

Strecke ABS 38: „Wir bauen erst digital, dann real“

„Wir bauen erst digital, dann real“ Mit einer speziellen Software simuliert die Deutsche Bahn den Ausbau der Strecke ABS 38

HörlkofenAuf großen Monitoren ist der Hörlkofener Bahnhof zu sehen – animiert, als wäre es eine Szene aus einem Open-World-Computerspiel. Man kann sich auf der Bahnstrecke Richtung Markt Schwaben oder Dorfen frei bewegen, Tages- oder Jahreszeit ändern, per Mausklick Lärmschutzwände aufstellen und genau sehen, wie ihr Schatten fällt. Das alles ist mit „WorldInsight“, einer Software der Deutschen Bahn möglich.

Geplant wird in einem eigens dafür eingerichteten Büro nahe des Hauptbahnhofs 

„Interessant kann das vor allem für Anwohner sein, die genau sehen können, wie der Schatten von Strommasten oder Lärmschutzwänden auf ihren Garten fällt“, erklärt Andreas Kische. Der Fürstenfeldbrucker ist BIM-Manager bei der Bahn. BIM steht für „Building Information Modeling“, ein Management-Tool für Großprojekte. Kische arbeitet an der Ausbaustrecke 38 (ABS 38) zwischen Markt Schwaben, Mühldorf und Freilassing, die auch durch Walpertskirchen, Thann-Matzbach und Dorfen verläuft. Sie soll durchgehend zweigleisig und elektrifiziert werden. Geplant wird alles in einem eigens dafür eingerichteten Büro nahe des Münchner Hauptbahnhofs.

Große Monitore statt Bauplänen

Ingenieursschreibtische voller Baupläne, wie man sie vielleicht aus Filmen kennt, gibt es dort nicht. Stattdessen stehen im Büro die großen Monitore. Denn die gesamte Planung ist digitalisiert. BIM erleichtere der Bahn sehr vieles und verkürze Arbeitswege, erzählt Kische der Heimatzeitung. „Wir bauen erst digital, dann real“, sagt er.

Sogar der Schatten fällt anders: Andreas Kische zeigt, wie sich das Verstellen der Uhrzeit auf die Grafik auswirkt.

Dadurch sei es möglich, allen am Ausbau beteiligten Parteien die gleichen Informationen zur Verfügung zu stellen: „Man muss nicht mehr fünf Telefonate führen, um ein paar Daten zu bekommen, die dann womöglich auch noch veraltet sind“, sagt der Fürstenfeldbrucker. In einer zentralen Cloud können alle Parteien auf die aktuellsten Daten zurückgreifen. Das erhöhe die Planungssicherheit enorm.

„Wir können eine viel bessere Öffentlichkeitsarbeit damit gestalten“

Hauptaugenmerk der ABS 38 ist „WorldInsight“. Sie erinnert ein bisschen an Google Streetview. Man kann die ABS 38 frei begehen, zwischen Bestands- und Planstrecke hin und her wechseln. „In die Software fließen alle denkbaren Daten mit ein“, erklärt Kische. Auch einzelne Bauetappen ließen sich simulieren. Dadurch sei eine sehr genaue Kalkulation von Bauzeit und -kosten möglich.

„Bei WorldInsight sehen wir, dass unter einer Brücke ein Stromkasten steht. Auf einem Papierplan wären beide übereinander eingezeichnet.“ Der positive Nebeneffekt: „Wir können eine viel bessere Öffentlichkeitsarbeit damit gestalten.“ Dafür wurde auch in Mühldorf ein Infocenter eingerichtet. Außerdem gibt es eine abgespeckte Version von WorldInsight zum kostenlosen Download für Android-Geräte. Darin kann man bisher allerdings nur Abschnitte der Bestandsstrecke begehen.

Früher musste man die Strecke physisch begehen, heute geht das virtuell

Für die Planung sei die Software wichtig, weil sich damit viel Zeit sparen lässt. Kische: „Früher mussten wir die Strecke physisch begehen. Da schafft man maximal einen Kilometer pro Stunde.“ Bei der virtuellen Begehung seien es drei. Selbst Bäume sind wirklichkeitsgetreu abgebildet. Für diese Detailgenauigkeit wurde die Landschaft aufwendig fotografiert und mit Lageplänen und digitalen Landschaftsmodellen, die es mittlerweile für ganz Deutschland gibt, kombiniert.

Mit so einer Visualisierung ließen sich auch Signalanlagen viel besser planen: „Bei einer Kurve mit Lärmschutzwand ist die Sicht nach vorne manchmal eingeschränkt. Mit der Visualisierung wissen wir ganz genau, ob der Lokführer die Signalanlage sehen kann, oder ob wir uns was einfallen lassen müssen“, sagt Kische. Die Vermeidung von solchen Planungsfehlern ist sehr wichtig. Immerhin werden dort, wenn die Strecke voraussichtlich Ende des nächsten Jahrzehnts fertig ist, Züge mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde fahren. Aktuell sind abschnittsweise 140 km/h möglich. Umweltschonender wird es auch: Elektrozüge werden die heutigen Dieselzüge ersetzen. Doch bis alles geplant und gebaut ist, werden noch mindestens elf Jahre vergehen.

Weitere Infos

findet man im Internet auf www.abs38.de. Die Android-App gibt es kostenlos auf www.abs38.de/apps.html.

Mayls Majurani

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