+
Symbolträchtiges Hinweisschild zum befürchteten Hochwasserschutzdamm in Niederwörth: Beim Ortstermin formulierten Mitglieder der Interessengemeinschaft ihre Sorgen (v. l.): Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl, Fritz Gruber, Heinz Lomen, Margaritha Berger, Gerhard Schauer und Reinhard Sommerer vom Bund Naturschutz.

Interessengemeinschaft zum Hochwasserschutz 

Eine Hinweistafel, so hoch wie der Damm

Ein markantes Zeichen zum Hochwasserschutzdamm in Niederwörth hat die Interessengemeinschaft gesetzt: Sie informiert mit einer Tafel – die genauso hoch ist wie der geplante Damm.

Niederwörth– Infotafel mit Symbolkraft: Die „Interessengemeinschaft Wörth gegen nachteilige Auswirkungen durch Hochwasserschutzmaßnahmen im Bereich Sempt und Schwillach“ hat in Niederwörth mit ihrem Hinweisschild zum befürchteten Damm für den Hochwasserschutz der Großen Kreisstadt Erding auf Wörther Flur ein markantes Zeichen gesetzt: Seine Höhe von vier Metern entspricht der Dammhöhe. Das Schild wurde auch an dem Standort platziert, wo man sich das Bauwerk auf einer Länge von 1400 Metern und einer Breite von 18 Metern vorstellen müsste. Hier würde der Damm die Landschaft durchschneiden und abriegeln.

Beim Ortstermin erläuterten die Vorsitzenden der IG, Gerhard Schauer, Fritz Gruber und Heinz Lomen, sowie Schriftführerin Margaritha Berger und Reinhard Sommerer vom Bund Naturschutz ihre Sorgen und Bedenken. Wörth dürfe beim Hochwasserschutz nicht einseitig belastet werden. Erding sei ebenfalls in der Pflicht, Schutzmaßnahmen vorzunehmen. In der behördlichen Überprüfung ist auch die Variante „Linearer Hochwasserschutz“ mit Schutzwänden in Langengeisling und Altenerding sowie einem Deich in Bergham/Aufhausen aufgeführt.

Die knapp 80-köpfige Interessengemeinschaft setzt sich dafür ein, die Lasten gerecht zu verteilen. Es gehe darum, die Menschen „wach zu rütteln“, so Schauer, der Fairness bei der Interessenabwägung aller Betroffenen forderte. Vorstellbar seien wirksame Schutzmaßnahmen in Erding und auf Wörther Flur sowie auf einem weitläufigen Areal mit weiteren Gemeinden, Stichwort: naturnaher Hochwasserschutz.

Die IG ist jedenfalls gegen ein massives Betonbauwerk mitten in der Natur des Sempt-/Schwillachtals und gegen ein Rückhaltebecken, das bis zur Verbindungsstraße Wörth–St. Koloman reichen würde. Es wäre „eine Schande“, wenn das Tal zugestellt würde.

Sommerer gab zu bedenken, dass man sich im Kerngebiet des Landschaftsschutzgebiets befinde. „Das Biotop wurde nicht berücksichtigt“, kritisierte Gruber. Große Sorge bereitet den IG-Sprechern, dass die Anwohner von Wörth, Niederwörth, Wifling und Schwillach durch die Rückstaugefahr bei Hochwasser massiv beeinträchtigt würden. Man befürchtet Schäden an Wohngebäuden und für die Landwirtschaft, wenn sich die Grundwasserströme durch das Aufstauen und das Einbringen von Spundwänden verändern würden.

Das Wasserwirtschaftsamt München hat sich als Bauherr in einem mehrseitigen Schreiben mit dem Anliegen der IG auseinandergesetzt, was Schauer als „Anerkennung“ wertete. Eine Entscheidung steht noch aus. In dem Schreiben heißt es: „Eine Entscheidung gegen das Becken kommt nur in Frage, wenn die Variante ‚Linearer Ausbau’ in der Gesamtwertung sich als eindeutig bessere Lösung darstellt oder sich die Auswirkungen eines Beckens nicht beherrschen lassen.“ Das Amt verweist auf laufende Untersuchungen zum Grundwasser und schreibt weiter: „Selbst eine Gewichtung einzelner Kriterien zugunsten des linearen Ausbaus würde das Gesamtergebnis in seiner Aussage nicht verändern.“

Laut Schauer wartet die IG jetzt auf die Ergebnisse der Pegelmessungen im Oktober und werde dann erneut aktiv. Außerdem will man bereits im September beim Schild eine lockere Zusammenkunft organisieren, um zu informieren, kündigte Lomen an. Zentral sei letztlich die Auseinandersetzung mit dem Planfeststellungsverfahren.

Vroni Vogel

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dobrindt: Es gibt keine Kostenexplosion
Die Nachricht aus dem Norden hallte bis nach Erding: Der private Autobahnbetreiber A 1 Mobil ist so gut wie pleite. Auch die A 94 wird als ÖPP-Modell gebaut. Muss am …
Dobrindt: Es gibt keine Kostenexplosion
Asyl: Arbeitgeber klagen über „Amtswillkür“
Einige Firmen würden gerne Asylbewerber einstellen. Doch diesen fehlt häufig die Arbeitserlaubnis. Sogar mitten in der Ausbildung wird die Erlaubnis entzogen.
Asyl: Arbeitgeber klagen über „Amtswillkür“
Falsche Polizisten betrügen Seniorin und erbeuten Bargeld
In Erding sind falsche Polizisten unterwegs. Es gibt ein erstes Opfer. Die „echte“ Polizei rät zu größter Vorsicht.
Falsche Polizisten betrügen Seniorin und erbeuten Bargeld
Streit in Asylunterkunft
Drei Polizeiautos sind am Montagmittag zur Flüchtlingsunterkunft nach Schwindkirchen gerast. Ursächlich war ein mysteriöser Notruf. Darum ging es: 
Streit in Asylunterkunft

Kommentare