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Käse in Hülle und Fülle: Sandra Schumertl ist frischgebackene Käsesommelière, hier mit Mitarbeiterin Sigrid Zepp (r.)

Porträt: Sandra Schumertl

In Hörlkofen daheim, in der Käse-Welt zuhause

In Sachen Käse macht ihr keiner was vor: Sandra Schumertl aus Hörlkofen hat ihre Ausbildung zur Käsesommelière mit einem tollen Ergebnis abgeschlossen. Womit man sich das Milchprodukt am besten schmecken lassen sollte? Schumertl kennt natürlich die Antwort.

Hörlkofen – Guter Käse begeistert Gourmets nicht nur zur fleischlosen Fastenzeit und ist, wenn man sich intensiv damit beschäftigt, eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es sogar Käsesommeliers. Sandra Schumertl aus Hörlkofen ist eine der wenigen, die diese anspruchsvolle Ausbildung absolviert haben.

Die Spezialistin erhielt sogar die Auszeichnung „sehr gut“ als eine von zwei Personen der elfköpfigen Teilnehmergruppe. Das österreichische Institut WIFI bietet die Fachausbildung in Deutschland zwei Mal im Jahr in Olching und Hannover an. Die 43-jährige Geschäftsfrau, die im Familienbetrieb im Hörlkofener Lebensmittelmarkt tätig ist, war zweieinhalb Wochen im Seminar in Olching und bereitete sich quasi Tag und Nacht auf die Prüfung vor – ein „Hardcore-Lehrgang“, so Schumertl, der anstrengend gewesen sei, aber auch viel Spaß gemacht habe.

Mit ihr lernten Gleichgesinnte aus ganz Deutschland, reisten dafür sogar von Lübeck und Kiel nach Bayern. Warum Schumertl ausgerechnet die exotische Ausbildung zur Käsesommelière wählte? „Das wollte ich schon immer machen.“ Die Hörlkofenerin hat im eigenen Geschäft eine Theke mit exquisiter Käseauswahl und beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. Ohne fundiertes Vorwissen wäre die schwierige Prüfung wohl kaum zu schaffen gewesen, vermutet Schumertl.

Beim Käse-Examen waren am ersten Tag 300 schriftliche Fragen zu beantworten. Am zweiten Tag war die praktische Prüfung zu absolvieren. Es galt, einen Käsewagen mit perfektem Reifegrad der verschiedenen Sorten zu gestalten und davon eine Feinschmeckerauswahl zusammenzustellen. „Wir haben einen Teller mit fünf Käsesorten mit genau je 25 Gramm hergerichtet und präsentiert“ – und das mit eigener Veredelung.

Dazu stellte die Hörlkofener Käsekundige unter anderem eine Ziegenrolle gefüllt mit Feigen und Pistazien sowie Biergelee mit Weißbierschaum her. Während sie den Teller anrichtete und servierte, hatte sie viele Fragen zu beantworten – eine Reise durch alle wichtigen Käseländer Europas. „Das war richtig schwierig, sich auf zwei Sachen gleichzeitig zu konzentrieren“, erzählt sie.

Der Kurs sei sehr spannend und lehrreich gewesen. Man habe neben vielem anderen auch gelernt, den Käse anhand von Etiketten, Kennzeichnungen und Stempeln „zu lesen“. Für manche Käsesorten werde nur Milch von alten Tierrassen verwendet. So sei etwa im Roquefort die Milch des Lacaune Milchschafs und im Comté die des Montbéliard-Rinds. Außerdem müssten bestimmte Sorten über mehrere Generationen nach demselben Verfahren hergestellt werden.

Tipps für den Verzehr hat Schumertl auch: Am wichtigsten sei es, den Käse lange vor dem Essen aus dem Kühlschrank zu nehmen, damit er sein volles Aroma entfalten könne, und sich beim Verkosten Zeit zu nehmen. Dann könne man „tolle Geschmackserlebnisse“ haben.

Was passt dazu? Birnensaft oder Orangenmarmelade zum Käse-Genuss oder Portwein zu Blauschimmelsorten. Mit Experimentierfreudigkeit könne man wahre Gaumenfreuden erleben und kulinarisches Neuland entdecken.

Gibt es im Landkreis noch weitere Fachleute für Käse? Man sei in sozialen Medien weitläufig vernetzt, sagt Schumertl. Bisher habe sie aus dem Heimatbereich aber noch niemanden entdeckt. „Vielleicht meldet sich ja noch jemand?“, meint sie lächelnd.

Vroni Vogel

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