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Sonnenblumen für den Pfarrer: Guy-Angelo Kangosa wurde 2012 herzlich begrüßt.

Wörths Pfarrer zum Skandal um seinen Landsmann

Kangosa: „Ich hätte es geschluckt“

Wörth/Erding – Die Entrüstung ging durch ganz Deutschland, gefolgt von einer Welle der Sympathie für den Betroffenen: Der Skandal um den dunkelhäutigen Pfarrer von Zorneding zieht nach wie vor Kreise. Wörths Pfarrer Dr. Guy-Angelo Kangosa, ebenfalls ein Schwarzafrikaner, sieht seinen Kollegen aber nicht frei von Schuld.

Nach den Vorfällen in Zorneding gab es bundesweit viel Kritik an der dortigen Bevölkerung und einigen Kommunalpolitikern. Wegen Anfeindungen und Morddrohungen war der aus dem Kongo stammende Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende von seinem Amt zurückgetreten und hat mittlerweile die Gemeinde verlassen. Sein kongolesischer Landsmann Pfarrer Dr. Guy-Angelo Kangosa von der Pfarrei Wörth und Margit Junker-Sturm, Vorsitzende des Kreiskatholikenrats Erding, beurteilen dessen Verhalten unterschiedlich.

Kangosa kritisiert Ndjimbi-Tshiende. „Ich hätte in aller Ruhe gehandelt und wäre nicht so an die Öffentlichkeit gegangen. Alles an die große Glocke zu hängen, finde ich schädlich.“ Dies täte niemandem gut, der Kirche nicht, ebenso der Bevölkerung. „Ich hätte es geschluckt und irgendwo anders weitergemacht. Dieses Jahr ist das Jahr der Barmherzigkeit, als Seelsorger müsste ich Rücksicht nehmen.“ Für die Entscheidung, die Gemeinde zu verlassen, zeigt er aber Verständnis. „Er ist ehrlich. Ich verstehe, dass er gegangen ist. Wenn das Vertrauen weg ist, bringt es nichts, dazubleiben.“

Die in den Fall verwickelten lokalen Politiker kritisiert Kangosa, warnt aber davor, zu glauben, „dass die CSU die ganze Politik ist. Es passiert, dass jemand einen Fehler macht, dies sollte man aber nicht verallgemeinern.“ Dennoch sei das Verhalten dieser paar Politiker nicht in Ordnung.

Er selbst habe in seiner Zeit als Pfarrer in Bayern keine Anfeindungen erlebt. „Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Ich war in Neuching und München-Sendling Pfarrer, und habe immer noch viele Freunde und Bekannte dort.“

Den Zornedingern rät der Geistliche: „Ich würde erwarten, dass die, die schockiert waren, in Kontakt mit Olivier bleiben, und den anderen ihr Fehlverhalten verzeihen.“

Auch Pater Vincent Kumar, Kaplan im Pfarrverband Erding-Langengeisling, kann über seine Zeit in Erding nur Positives berichten. „Ich wurde gut aufgenommen und habe hier eine tolle Zeit“, erzählt der gebürtige Inder, der im vierten Jahr hier ist.

Margit Junker-Sturm hingegen findet, dass Ndjimbi-Tshiende sich richtig verhalten hat. Es sei sehr wichtig gewesen, gerade in der Flüchtlingssituation auf die Anfeindungen und Drohungen von gewissen Personen hinzuweisen. Für die betroffenen Kommunalpolitiker zeigt sie kein Verständnis. „Ich finde es gut, dass diese ihr Ämter verloren haben.“ Sie verstehe jedoch nicht, „dass er nie was gesagt oder sich an den Pfarrgemeinderat gewendet hat. Der Pfarrer war beliebt, es müssen doch andere Leute davon gewusst haben.“

Das Signal, das die Zornedinger Bevölkerung jetzt aussende, sei zwar sehr schön, komme jedoch zu spät. Junker-Sturm: „Ich hoffe von Herzen, dass der Pfarrer wieder eine gute Stelle findet.“

Sebastian Hartinger

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